Krisenmanagement der Arbeitgeber mangelhaft

Der Vorwurf wiegt schwer, denn er kommt aus mittelstandsgewogenem Mund: Das Institut für Mittelstandsforschung an der Universität Lüneburg und die Personalberatung Hanseatisches Personalkontor warnen in einer gemeinsamen Studie, dass Arbeitgeber bei Maßnahmen zur Krisenbewältigung die Arbeitnehmerinteressen zu wenig berücksichtigen. Eine mangelhafte Kommunikation führe zusätzlich zu einer massiven Verunsicherung der Mitarbeiter. Infolgedessen rechne mittlerweile jeder Achte fest damit, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, fast 50 % seien zumindest unsicher, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten werden.

Für die Studie beurteilten mehr als 2400 Arbeitnehmer die Auswirkungen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise auf Stimmung und Klima im Betrieb sowie auf die persönliche Arbeitssituation. Im Blickpunkt der Befragung stand auch das Verhalten des Arbeitgebers in der Krise.

Ausgesprochen pessimistisch beurteilen etwa 16 % der Befragten die Stimmung im Unternehmen, weitere knapp 30 % schätzen die Stimmung aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage zumindest pessimistisch ein. Lediglich 8 % der Arbeitnehmer sehen dagegen derzeit die Stimmung trotz Krise sehr optimistisch.

Nach Branchen aufgegliedert, bewerten Finanzdienstleister – erwartungsgemäß – die Situation besonders negativ, gefolgt vom Handel, während Arbeitnehmer in internen Unternehmensbereichen wie Personal- oder Rechnungswesen zuversichtlicher sind.

Besonders ausgeprägt ist der Pessimismus derzeit in größeren Unternehmen. Dessen ungeachtet – und sogar in einem gewissen Gegensatz hierzu – bewerten gerade die Befragten in großen Unternehmen ihren Arbeitsplatz als verhältnismäßig sicher. Überdurchschnittlich pessimistisch beurteilen vor allem Führungskräfte die Krisenlage.

Unberührt von ihrer negativen Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation schätzen die befragten Arbeitnehmer in der längerfristigen Perspektive ihre ganz persönliche berufliche Situation weiterhin sehr optimistisch ein.

Die Befragungsergebnisse zeigen nach Meinung der Experten, dass Unternehmen derzeit nicht nur vor einer wirtschaftlichen, sondern auch vor einer personalpolitischen Bewährungsprobe stehen. Unabhängig von der Position als Führungskraft oder Mitarbeiter kritisieren sieben von acht Befragten sowohl bei der Konzeption als auch bei der Kommunikation von geplanten Maßnahmen zur Krisenbewältigung die mangelnde Berücksichtigung von Arbeitnehmerinteressen. Nur 11 % attestieren ihrem Arbeitgeber ein ausgeprägtes Bemühen um eine Balance zwischen unternehmerischen Interessen und den Interessen der Belegschaft.

(ots/ml)