Exportwirtschaft auch in Zukunft Wachstumsmotor

Die Export- und Weltmarktorientierung werde auch zukünftig das bestimmende Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft bleiben, glaubt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und beruft sich dabei auf eine Expertise des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die hiesigen Unternehmen seien für die kommenden Wachstumsfelder, die mehrheitlich in außereuropäischen Entwicklungsregionen liegen, besser als andere führende Industrienationen aufgestellt, argumentieren die Kölner Forscher in ihrer Studie.

„Die Finanzmärkte haben die Realwirtschaft zwar in die Krise gestürzt, aber die Investitionskreisläufe der Realwirtschaft sind weiterhin intakt“, sagt Prof. Michael Hüther, Direktor des IW. „Die deutsche Weltmarktorientierung bleibt somit Wachstumstreiber für Industrie und Dienstleistungen.“

Die Kölner Studie untersucht, inwieweit in den Volkswirtschaften der Welt in den vergangenen Boomjahren ungesunde Investitionsblasen entstanden sind. Insbesondere aus falschen Finanzierungsanreizen resultierende Überinvestitionen könnten zu langjährigen Korrekturen führen. Für Deutschland sei das jedoch nicht zutreffend. Die aktuellen Investitionsquoten liegen laut IW unter denen der 70er, 80er und 90er Jahre.

Zwar waren die letzten Jahre von wachsenden Leistungsbilanzungleichgewichten geprägt. Länder wie China, Deutschland, Japan, aber auch Russland und Saudi Arabien weisen hohe Nettokapitalexporte auf, während vor allem die USA ein großer Nettokapitalimporteur sind. Von einer übertriebenen Investitionsquote in den fortgeschrittenen Industrieländern könne jedoch keine Rede sein. Die Schwellenländer hätten zwar ihre Investitionen zwischen 2002 und 2008 verdreifacht. Das sei aber durch deren relativ niedrigen Kapitalstock gerechtfertigt. Von einer Überinvestitionsphase könne daher nicht gesprochen werden, versichert das IW.

„Die Weltmarktorientierung der deutschen Wirtschaft war kein Fehler, sondern sorgt dafür, dass wir mit den expandierenden Zukunftsmärkten mitwachsen“, schlussfolgert deshalb Max A. Höfer, Geschäftsführer der Initiative. An den Megatrends können Pharma, Bio- und Medizintechnik, versorgende Industrien, Elektrotechnik, Antriebs- und Kraftwerksbau bis hin zur Gentechnologie in Deutschland partizipieren. Die Sektoren entwickeln Lösungen für die Herausforderungen, die sich aus dem Wachstum der Weltbevölkerung, dem Klimawandel und der Ressourcenverknappung ergeben.

Die Exportdynamik hänge aber auch davon ab, ob Deutschland eine japanische Dekade bevorsteht. In den 90er Jahren war Japan in eine Deflations- und Depressionsspirale geraten. Die Analyse für Deutschland sei gemischt. Drei von zehn maßgeblichen Indikatoren – eine mögliche Kreditklemme, das gesunkene unternehmerische Renditeniveau und nach wie vor mögliche protektionistische Alleingänge – signalisierten eine strukturelle Gefahr. Dagegen verfolge die Geld- und Finanzpolitik hierzulande wie auch in anderen Ländern einen klaren Kurs gegen Deflation und Depression. Die anderen untersuchten Indikatoren wirken sich laut IW derzeit weder positiv noch negativ aus.

(ots/ml)