Lebensversicherungen werden zu schnell gekündigt

Im Jahr 2008 wurden in Deutschland nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Lebensversicherungen im Wert von rund 14 Milliarden Euro gekündigt – ein Rekordhoch. 2007 lag das Stornovolumen mit 12,1 Milliarden Euro noch 13,6 % niedriger. Die außergewöhnlich hohen Stornozahlen lassen vermuten, dass die Versicherungsnehmer nicht ausreichend über die möglichen Alternativen zur Kündigung einer Lebensversicherung informiert sind.

Lebensversicherungen gehören zu den langfristigen Kapitalanlagen, die ihr Renditeziel nur dann erreichen, wenn sie bis zum Ende durchgehalten werden. Die vorzeitige Kündigung ist fast immer mit finanziellen Nachteilen verbunden. Versicherungsexperten und Verbraucherschützer empfehlen deswegen regelmäßig, Policen nicht zu kündigen, sondern sie zu beleihen oder wenn möglich über den Zweitmarkt zu verkaufen.

Durch den Verkauf lassen sich Mehrerlöse von bis zu 15 % gegenüber Kündigung erzielen. Zwar waren die Versicherungskäufer 2008 mit einem Ankaufsvolumen von 0,5 Milliarden Euro zurückhaltender als im Vorjahr, als ein Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro über den Zweitmarkt gehandelt wurde. Dennoch lohnt sich die Anfrage, denn sie ist kostenlos und unverbindlich. So bietet der Zweitmarkthändler „Policen Direkt“ nach eigenen Angaben in immerhin rund 25 % der Fälle eine höhere Auszahlung als der Versicherer selbst. Außerdem bleibe auch nach dem Verkauf ein eingeschränkter Todesfallschutz bestehen.

Eine weitere Alternative ist die Aufnahme eines Policendarlehens. Insbesondere bei vorübergehendem Liquiditätsbedarf bietet sich diese an, denn der Versicherungsnehmer kann das Darlehen jederzeit wieder ablösen und die Lebensversicherung fortführen. Rund 1,6 Milliarden Euro solcher Darlehen wurden 2008 laut GDV bei Versicherungsgesellschaften aufgenommen. Laut „Policen Direkt“ lassen sich auch in diesem Fall über Zweitmarktunternehmen fast immer günstigere Konditionen erzielen: Der Zinssatz für Policendarlehen beträgt bei Versicherungsgesellschaften im Durchschnitt fast 7 %. Auf dem Zweitmarkt lassen sich alternative Angebote mit Zinssätzen von zum Teil weniger als 5 % finden.

(ots/ml)