Auswanderung belastet Staat und Sozialkassen

Qualifizierte Arbeitskräfte, die ins Ausland abwandern, fügen der Wirtschaft Schaden zu – das ist allgemein bekannt. Dass aber auch die öffentlichen Haushalte und Sozialkassen kräftig Schaden nehmen, wird erst durch eine aktuelle Studie des ifo Instituts so richtig deutlich. In der Studie haben die Wissenschaftler die öffentlichen Einnahmen aus Steuern und Sozialabgaben den Ausgaben für Bildung, Infrastruktur, Renten und andere Sozialleistun­gen gegenübergestellt und an zwei typischen Beispielfällen, einem Facharbeiter in der Metallbranche und einer Ärztin, zur Veranschaulichung der Dimension des Schadens durchgerechnet.

Die Beispielrechnungen ergaben: Kehrt der Facharbeiter mit 23 Jahren Deutschland den Rücken, so entgehen den öffentlichen Kassen dadurch im Saldo 281.000 Euro. Künftige Zahlungen wurden bei der Kalkulation auf das Jahr 2008 abgezinst. Im Fall der Ärztin wurde unterstellt, dass sie mit 30 Jahren während der Facharztausbildung ins Ausland geht. In ihrem Fall kommt es durch die Auswanderung sogar im Saldo zu entgangenen Einnahmen von 1,075 Millionen Euro (Barwert 2008).

Über die gesamte Lebenszeit betrachtet führt das zu einer negativen Bilanz für die öffentlichen Kassen in Deutschland. Da die Auswanderer in den betrachteten Beispielfällen vor dem Schritt ins Ausland nur wenig Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben, aber besonders von einer kostenlosen Ausbildung profitieren konnten, belasten sie die Allgemeinheit bis zum Zeitpunkt der Auswanderung mit rund 160.000 Euro im Fall des Facharbeiters und 436.000 Euro im Fall der Ärztin. Blieben sie in Deutschland, würden sie hingegen über ihre gesamte Lebenszeit einen positiven Beitrag von 121.000 Euro (Facharbeiter) bzw. 639.000 Euro (Ärztin) für die Allgemeinheit leisten.

(ifo/ml)