BITKOM-Branchenindex steigt wieder

BITKOM-Index
BITKOM-Branchenindex

Ein Jahr nach der Lehman-Pleite gibt es positive Kon­junk­tur­si­gna­le aus der High­tech­in­dus­trie, meldet erfreut der ITK-Branchenverband BITKOM. Erstmals seit Beginn der Krise mache der BITKOM-Index wieder einen Sprung nach oben. Mehr noch: Es sei der stärkste Anstieg seit fünf Jahren. Der BITKOM-Branchenindex ist im dritten Quartal um 18 Punkte gestiegen und liegt nun mit minus 7 Punkten leicht über dem Niveau des ifo-Index für die Gesamtwirtschaft.

Vieles deute darauf hin, dass der ITK-Sektor die Krise weitgehend hinter sich gelassen habe, freute sich heute BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer bei der Bekanntgabe der neuen Zahlen. 40 % der Unternehmen rechnen für 2009 mit steigenden Umsätzen. „Die Stimmung in der Hightechbranche hellt sich spürbar auf“, sagte Scheer.

Allerdings stellt der Verband auch fest, dass trotz der positiven Aussichten viele ITK-Unternehmen infolge der Krise Schwierigkeiten bei der Finanzierung haben. 35 % berichten, dass Banken restriktiver Kredite vergeben oder die Refinanzierung auf den Kapitalmärkten schwieriger wird. Der Verband appelliert deshalb an die Banken, Hightechfirmen besser mit Krediten zu versorgen.

Viel hängt nun, nach Meinung des BITKOM, vom Verlauf des Jahresendgeschäfts ab. Mit einer generellen Trendwende, also mit einem deutlichen Anziehen der Nachfrage im Laufe des Jahres 2010, rechnen 72 % der Unternehmen. Davon die Hälfte glaubt an eine Wende schon im ersten Halbjahr. Immerhin 17 % erwarten sogar schon im Jahr 2009 ein starkes Nachfrageplus. Nur 9 % meinen, dass der Nachfrageschub erst im Jahr 2011 kommen wird. Ende Juni lag dieser Wert mehr als doppelt so hoch.

Die meisten ITK-Firmen haben mit einer Erhöhung ihrer Investitionen auf die Krise reagiert. Trotz der angespannten Wirtschaftslage investieren fast zwei Drittel der Unternehmen verstärkt in ihre Produkt- und Dienstleistungspalette.

Trotz der positiven Aussichten ist die Finanzierungssituation angespannt, mahnt der Verband. 35 % der Firmen geben an, dass sich ihre Finanzierungssituation wegen der Krise verschlechtert hat. Damit liegt die Hightechbranche im Trend der gesamten deutschen Wirtschaft, wie der Vergleich mit einer ähnlichen Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt. „Die Banken ziehen die Daumenschrauben an“, ärgert sich Scheer. „Die Institute verlangen mehr Sicherheiten, stellen höhere Anforderungen an die Bonität oder erhöhen die Zinsen für ihre Kredite. Eine flächendeckende Kreditklemme gibt es aktuell aber noch nicht.“ Dennoch sollten die Unternehmen seiner Meinung nach alternative Möglichkeiten der Finanzierung und zur Stärkung ihres Eigenkapitals prüfen. Dazu zählen u. a. öffentliche Förderprogramme oder außerbörsliches Beteiligungskapital.

Positiv bewertet der BITKOM die Initiativen der Bundesregierung, die Kreditvergabe zu erleichtern und Kreditversicherer zu unterstützen. Der im Rahmen des Konjunkturpakets II aufgelegte Deutschlandfonds stellt ab sofort Globaldarlehen an die Wirtschaft und für Hilfen an Kreditversicherer in Höhe von 17,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Scharfe Kritik äußerte BITKOM an der schlechten Zahlungsmoral, die auch öffentliche Auftraggeber zeigen. Die Zahl der Unternehmen, die unter einer sinkenden Zahlungsmoral leiden, hat sich nach Angaben des Verbands innerhalb weniger Monate verdreifacht. Mehr als jedes siebte ITK-Unternehmen leidet unter verzögerten oder ausbleibenden Zahlungen öffentlicher Auftraggeber.

(BITKOM/ml)