Datenbank zum öffentlichen Auftragswesen gestartet

Öffentliche Aufträge und Zulieferungen sind ein wichtiger Einnahmebereich für die private Wirtschaft, denn der Wert von Beschaffungen der öffentlichen Hand beläuft sich pro Jahr auf rund 265 Milliarden Euro. Das führt zu jährlich mehr als zwei Millionen Vergabeverfahren allein für Lieferungen und Dienstleistungen. Die Teilnahme an den Ausschreibungen brachte für die Unternehmen bisher jedoch viel bürokratischen Aufwand mit sich, den nicht jedes Unternehmen treiben wollte oder konnte. Eine gemeinsame Datenbank des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) soll den Aufwand jetzt deutlich reduzieren.

Will ein Unternehmen zu einem öffentlichen Auftrag ein Angebot abgeben, müsse es sehr aufwendig seine fachliche Kompetenz, seine Leistungsfähigkeit und seine Zuverlässigkeit nachweisen, kritisiert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Dazu gehöre eine Vielzahl von Dokumenten, die zudem noch von verschiedenen Stellen beigeholt werden müssten, zum Beispiel vom Finanzamt oder von der Berufsgenossenschaft. Dieser Aufwand sei für jede einzelne Ausschreibung erneut zu treiben. Den Unternehmen und den öffentlichen Auftraggebern entstünden hierdurch insgesamt sachlich unnötige Kosten von über 1,45 Milliarden Euro.

Zur Entlastung der Unternehmen aus dem Liefer- und Dienstleistungsbereich bieten die Industrie- und Handelskammern ab sofort einen neuen Service an: Die bundesweite Datenbank „pq-vol“ listet Unternehmen aus dem Liefer- und Dienstleistungsbereich auf, die ihre Eignung gegenüber der IHK beziehungsweise der Auftragsberatungsstelle bereits im Vorfeld nachgewiesen haben, d. h. „präqualifiziert“ sind.

Präqualifizierung ist bei konsequenter Anwendung und Nutzung ein nicht zu unterschätzendes Instrument zur Beschleunigung und Vereinfachung von Vergabeverfahren. Unternehmen könnten sich künftig schneller, sicherer und vor allen Dingen kostengünstiger um öffentliche Aufträge bewerben. Darüber hinaus spart aber auch die öffentliche Hand: Sie muss jetzt nicht mehr die einzelnen Nachweise prüfen. Geschätzte Einsparungen liegen hier bei jährlich 460 Millionen Euro.

Aber die Unternehmen sparen nicht nur Geld: Ihr Angebot kann nicht mehr wegen veralteter oder fehlender Nachweise vom laufenden Vergabeverfahren ausgeschlossen werden. Bisher betrug in vielen Fällen die Ausschlussquote wegen formaler Fehler laut DIHK bis zu 80 %.

Um so wichtiger sei es, dass die Präqualifizierung von allen öffentlichen Auftraggebern akzeptiert wird, mahnt Staatssekretär Dr. Walther Otremba vom Bundeswirtschaftsministerium. Die nötigen Rechtsgrundlagen für Präqualifizierungsverfahren seien sowohl im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) als auch auf Vorschlag des BMWi in der demnächst geltenden Fassung der VOL (Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen) geregelt.

Der Zugang zur Datenbank steht jedermann offen und ist kostenlos.

(DIHK/ml)