Erneuter Auftragseinbruch im Baugewerbe

Laut Statistischem Bundesamt gingen Im Juli 2009 die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe verglichen mit der Auftragslage im Juli letzten Jahres preisbereinigt um 8,4 % zurück. Dabei nahm die Baunachfrage im Hochbau um 9,0 % und im Tiefbau um 8,0 % ab. Das ist ein etwas schwächerer Rückgang als der durchschnittliche Rückgang in den ersten sieben Monate des laufenden Jahres. Im Zeitraum vom Januar bis zum Juli sind die Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum preisbereinigt um 11,2 % gesunken.

Nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie gingen die Aufträge im Wirtschaftsbau im Juli um 13,9 % zurück und damit erheblich stärker als im Bau insgesamt. Für den Zeitraum von Januar bis Juli ergibt sich für den Wirtschaftsbau mittlerweile ein Orderminus von 19,2 %. Der baugewerbliche Umsatz lag im Juli mit 14,4 % unter dem entsprechenden Vorjahresmonat (Januar bis Juli: -10,4 %).

Die Bauunternehmen leiden laut Verband weiterhin unter der Investitionszurückhaltung des Verarbeitenden Gewerbes. Die niedrige Kapazitätsauslastung in dieser Branche – diese lag laut einer Umfrage des ifo Instituts im Juli bei 72 % – lässt auch in naher Zukunft keine Besserung erwarten.

Die Baugenehmigungen machen der Branche auch wenig Hoffnung: In den ersten sieben Monaten ging das Volumen (veranschlagte Baukosten) um 20,1 % zurück. Am stärksten betroffen waren die Segmente „Fabrik- und Werkstattgebäude“ und „Handels- und Lagergebäude“ mit einem Minus von 30,8 % bzw. 27,7 %.

Der Öffentliche Bau, der in den vergangenen Monaten von den Konjunkturprogrammen profitiert hat, trug im Juli nichts zur Verbesserung bei: Sein Auftragsvolumen ging sogar um 4,4 % zurück (Januar bis Juli: +0,1 %). Die hohen Auftragszuwächse der Vormonate schlugen sich aber positiv auf die Umsätze nieder: Diese sind im Juli mit einem Plus von 6,4 % zum dritten Mal in Folge gestiegen (Januar bis Juli: +2,5 %).

Vom Orderrückgang im Juli war der Straßenbau mit einem Minus von 22,5 % (Januar bis Juli: +1,1 %) am stärksten betroffen. Dies ist aber ausschließlich auf einen Basiseffekt zurückzuführen: Im Juli 2008 wiesen die Straßenbaubetriebe ein Auftragsplus von 46,1 % aus. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben des Bundes für den Straßenbau im Juli um 17,7 % und im August sogar um 30,8 %.

Der Öffentliche Hochbau konnte im Juli allerdings nicht – wie in den Vormonaten – von den Konjunkturprogrammen profitieren: Er wies ein Auftragsminus von 1,7 % aus (Jan.-Juli: -5,2 %). Der Verband geht aber nach wie vor davon aus, dass die Programme greifen. Dies bestätige auch die Entwicklung der Baugenehmigungen, deren Volumen im Juli um 59,8 % gestiegen ist (Januar bis Juli: +26,9 %), so der Verband

Der Wohnungsbau scheint sich langsam zu stabilisieren: Die Sanierungsprogramme zur CO2-Reduzierung verhalfen der Branche im Juli zu einem Auftragsplus von 3,7 % (Januar bis Juli: +3,7 %). Das Umsatzminus fiel mit 2,7 % auch weniger stark aus als in den Vormonaten (Jan.-Juli: -9,0 %). Aber auch der Wohnungsneubau erhielt im Juli neue Impulse: Die Baugenehmigungen stiegen um 1,2 % (Januar bis Juli: -5,5 %).

Nach weiteren Angaben des Statistischen Bundesamts waren Ende Juli in den Betrieben des Hoch- und Tiefbaus 698 000 Menschen beschäftigt, rund 18.000 Beschäftigte oder 2,5 % weniger als im Juli 2008.

(Statistisches Bundesamt/Hauptverband der Deutschen Bauindustrie/ml)