SchuldnerAtlas 2009
Private Verschuldung in Deutschland gesunken

Private Verschuldung nach Kreisen
Überschuldung

Die Zahl der privat überschuldeten Bundesbürger ist 2009 gegenüber dem Vorjahr um 680.000 zurückgegangen. Creditreform errechnete für die gesamte Bundesrepublik eine Schuldnerquote von 9,09 %. 2008 betrug die Quote noch 10,11 %. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind damit 6,19 Millionen volljährige Bundesbürger überschuldet oder unfähig, allen Zahlungen rechtzeitig nachzukommen. Im Jahr 2008 traf das noch auf 6,87 Millionen Menschen in Deutschland zu. Eines der erfreulichen Ergebnisse: 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben sich die Werte zwischen Ost und West angeglichen. Geblieben ist das gewohnte Nord-Süd-Gefälle. International gesehen steht Deutschland mit dieser Entwicklung recht gut da.

Überschuldung ist eine böse Falle, an deren Ende fast immer eine Privatinsolvenz steht. Fachleute sprechen von Überschuldung, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kurz: Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen. Deshalb sind die neuen Überschuldungszahlen der Creditreform auch für die Wirtschaft mit Endkundengeschäft höchst erfreulich. Wie aber ist ein solcher Rückgang gerade mitten in der schwersten Nachkriegskrise zu erklären?

Der aktuelle Rückgang der Schuldnerquote geht nach Meinung der Experten von Crediteform weitgehend auf drei Faktoren zurück: Erstens hat die schwere Wirtschaftskrise bislang zu einem nur moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Der Verlust der Beschäftigung als Hauptauslöser für Überschuldung wurde durch die massive Ausweitung der Kurzarbeit größtenteils verhindert. Zweitens hat der deutliche Rückgang bei den Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreisen die Verbraucher entlastet. Durch die weitgehend stabile Einkommenssituation waren die Schuldner in der Lage, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen und Schulden abzubauen. Schließlich sind die Verbraucher durch Sparen und Konsumverzicht weniger neue Kreditverpflichtungen eingegangen.

Trotz des merklichen Rückgangs der Schuldnerzahl insgesamt verhärtet sich die Verschuldungsproblematik in einigen Teilbereichen. Während der Anteil der Männer an den überschuldeten Privatpersonen seit 2004 von 68,0 auf 65,6 % zurückging, stieg der der Frauen um 2,4 Prozentpunkte auf 34,4 %. 2009 waren 4,06 Millionen Personen männlichen (Rückgang um 0,39 Millionen gegenüber 2004) und 2,13 Millionen Personen weiblichen Geschlechts (Anstieg um 0,04 Millionen gegenüber 2004) überschuldet.

Auch in den Altersgruppen gibt es unterschiedliche Trends: So steigt die Zahl der jüngeren Menschen (unter 20 Jahre), die überschuldet sind, deutlich. Zwischen 2004 und 2009 erhöhte sich deren Zahl um 75.000 auf 128.000 Betroffene. Von den 20- bis 29-Jährigen sind 1,21 Millionen überschuldet (Schuldnerquote: 9,81 Prozent). Das sind 223.000 mehr als noch 2004.

Auch Umfang und Breite der Überschuldung spielen eine Rolle. So ist der Rückgang nur bei Privatschuldnern zu erkennen, die wenige Überschuldungsindikatoren und Negativmerkmale aufweisen (Rückgang um etwas mehr als eine Million Menschen gegenüber 2006). Dagegen erhöhte sich die Zahl derer um 62.000, die zahlreiche Überschuldungskennzeichen und juristische Probleme – wie mehrere Inkassofälle, eine Privatinsolvenz oder eine Eidesstattliche Versicherung – aufweisen.

Eine der erfreulichsten Erkenntnisse: Die Schuldnerquoten in Ost- und Westdeutschland haben sich 2009 zwanzig Jahre nach dem Mauerfall angeglichen. In den neuen Ländern ohne Berlin liegt die Schuldnerquote bei 9,08 % (2008: 10,30 %). 1,03 Millionen Ostdeutsche gelten damit als überschuldet. Im Westen Deutschlands sind 5,16 Millionen Personen betroffen. Die Schuldnerquote erreicht hier 9,10 % (2008: 10,07 %).

In allen Bundesländern kann für 2009 ein Rückgang der Schuldnerquoten verzeichnet werden. Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen Bayern (6,72 %; 2008: 7,28 %), Baden-Württemberg (7,11 %; 2008: 7,65 %) und Sachsen (7,96 %; 2008: 9,10 %) auf. Am unteren Ende der Statistik finden sich Bremen (13,92 %; 2008: 14,72 %), Berlin (12,16 %; 2008: 13,96 %) und Sachsen-Anhalt (11,05 %; 2008: 12,40 %), wobei sich Berlin und Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich verbesserten.

Die Verbraucherüberschuldung hat in den angelsächsischen Ländern infolge der Wirtschaftskrise anders als in Deutschland weiter zugenommen. Dies nicht zuletzt, da diese Volkswirtschaften stärker von der Finanz- und Immobilienkrise betroffen sind und mehr unter den Folgewirkungen wie einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen leiden. In den USA sind 2009 gut 38 Millionen Privatpersonen überschuldet (Schuldnerquote: 16,1 %; 2008: 14,7 %). Großbritannien verzeichnet einen Anstieg der Schuldnerquote von 10,4 auf 11,3 % (5,5 Millionen überschuldete Personen).

In den kommenden zwei Jahren ist nach Angaben von Creditreform allerdings nicht mit einem weiteren Rückgang der Verbraucherüberschuldung zu rechnen. Im Gegenteil: Ein merklicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen bis Ende 2010 und stagnierende Realeinkommen dürften laut Experten die Auslöser für eine neuerliche Überschuldungsentwicklung sein.

Der komplette Schuldner-Atlas sowie eine Liste mit den nach Kreisen aufgeschlüsselten Schuldnerquoten stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung.

(Creditreform/ml)