Bruttoinlandsprodukt
Deutschland erlebte stärkste Rezession seit dem Krieg

Die deutsche Wirtschaft ist 2009 zum ersten Mal seit sechs Jahren geschrumpft. Mit -5,0 % sank das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben des Statistischen Bundesamts so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit. Der wirtschaftliche Einbruch habe hauptsächlich im Winterhalbjahr 2008/2009 stattgefunden, so die Bundesstatistiker. Die Wirtschaftsverbände sehen in den Zahlen auch positive Aspekte. So freute sich DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier, dass sich die schlimmsten Befürchtungen seiner Zunft nicht bewahrheitet hätten. BGA-Präsident Anton Börner rief dazu auf, nach vorne zu schauen, statt den Verlusten nachzutrauern.

Was das BIP 2006 noch um 3,2 % und 2007 immerhin um 2,5 % gestiegen, reichte es 2008 nur noch für 1,3 %. Im Vergleich dazu ist der Rückgang 2009 um -5,0 % in der Tat desaströs zu nennen. Aber bereits im Jahresverlauf zeichnete sich eine leichte Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung auf dem neuen, niedrigen Niveau ab.

Bemerkenswert war an der Wirtschaftsentwicklung des Jahres 2009, dass sowohl die Exporte als auch die Ausrüstungsinvestitionen stark einbrachen. Der Außenhandel, der in früheren Jahren ein wichtiger Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft war, bremste 2009 die wirtschaftliche Entwicklung. Während die Exporte preisbereinigt um 14,7 % sanken, betrug der Rückgang bei den Importen nur 8,9 %.

Die Differenz zwischen Exporten und Importen – der Außenbeitrag – trug somit wie schon im Jahr 2008 zu einem negativen Wachstum des BIP bei. Mit -3,4 Prozentpunkten fiel er 2009 allerdings deutlich stärker aus als 2008 (-0,3 Prozentpunkte). In Ausrüstungen wurde insgesamt um ein Fünftel weniger investiert als noch in 2008 (-20,0 %). Die Investitionen in Bauten waren lediglich um 0,7 % niedriger als im Vorjahr. Die einzigen positiven Impulse kamen 2009 von den Konsumausgaben: Die privaten Konsumausgaben stiegen preisbereinigt um 0,4 %, die staatlichen sogar deutlich um 2,7 % gegenüber dem Vorjahr.

Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sieht die Zahlen der Statistiker mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Wir blicken mit -5 % zwar auf den schärfsten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg zurück – aber die schlimmsten Befürchtungen haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.“ Seine Einschätzung der Lage: Die Wirtschaft habe sich zum Jahresende 2009 weiter erholt. Das deute für dieses Jahr auf einen robusten Aufwärtspfad hin, zumal sich zuletzt auch das Exportgeschäft wieder belebt habe. Was den Arbeitsmarkt angehe, so habe er sich im Gesamtjahr 2009 erstaunlich widerstandsfähig gezeigt und damit geholfen, den privaten Konsum zu stabilisieren. „Die Unternehmen halten nach wie vor – auch dank der Kurzarbeit – so lange wie möglich an ihren Stammbelegschaften fest“, lobt Treier.

Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA): „Der beispiellose Wirtschaftseinbruch ist kein Anlass, den Kopf in den Sand zu stecken. Die Unternehmen des Groß- und Außenhandels schauen nicht zurück, sondern nach vorne. Sowohl in der Binnenwirtschaft als auch im Außenhandel ist aktuell die Hoffnung auf bessere Geschäfte deutlich gestiegen. Wenn es jetzt wieder bergauf geht, sind wir optimistisch, dass die Arbeitslosigkeit unter der Vier-Millionen-Marke bleiben wird.“ Für die Unternehmen gehe es jetzt um die Sicherung der Unternehmensfinanzierung und um Wirtschaftsimpulse.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gelangte angesichts der Zahlen zu einer positiven Einschätzung: „Die weltweiten und nationalen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur haben dazu beigetragen, den schlimmsten Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung seit Bestehen der Bundesrepublik zu überwinden.“ Es komme nun darauf an, das Wachstum der Wirtschaft weiter zu beschleunigen und den Grundstein für einen sich selbst tragenden Aufschwung zu legen, mahnte der Minister.

(Statistisches Bundesamt/DIHK/BGA/BMWi/ml)