Lehren aus der Finanzmarktkrise
Banken-Aufsichtsräte brauchen neue Strukturen

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Die Aufsichtsräte der Banken haben ihre Kontrollfunktion in den zurückliegenden Jahren schlecht erfüllt und tragen Mitschuld an der Finanzmarktkrise, glaubt die Mehrheit der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten 222 Finanzmarktexperten. Sie fordern deshalb vom Gesetzgeber, er solle unbedingt die Aufsichtsratsstrukturen bei den Banken verbessern. Vordringlich sollten höhere Anforderungen an die Qualifikation und Erfahrung von Aufsichtsräten gestellt und die Zahl der von einem Aufsichtsratsmitglied ausgeübten Mandate begrenzt werden.

Auch eine Stärkung der Informationsrechte des Aufsichtsrats gegenüber dem Vorstand und eine längere zeitliche Sperrfrist bei einem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat einer Bank sollte nach Meinung der Experten überlegt werden.

Wegen der internationalen Finanzmarktkrise sieht sich vor allem das Topmanagement der Banken scharfer Kritik ausgesetzt. Weitaus weniger kritisiert wird dagegen die Rolle des Aufsichtsrats. Dabei ist es dessen vornehmste Pflicht, das Management zu überwachen und zu riskante Geschäftspraktiken zu verhindern. Diese Pflicht haben die Aufsichtsräte der Banken nach Ansicht von 88 % der vom ZEW befragten Finanzmarktexperten vernachlässigt und daher die Finanzmarktkrise begünstigt. Als Reaktion darauf sprechen sich neun von zehn der vom ZEW Befragten für deutliche Änderungen bei den Aufsichtsratsstrukturen der Banken aus.

Nach Ansicht der Experten sind höhere Anforderungen an die Qualifikation der Aufsichtsratsmitglieder der beste Weg, um die Kontrolle des Vorstands durch den Aufsichtsrat zu verbessern. Rund 94 % von ihnen halten eine solche Maßnahme für geeignet oder sogar sehr geeignet.

Ein verstärktes Informationsrecht des Aufsichtsrats gegenüber dem Vorstand wird von 89 % der Finanzexperten als geeignet oder sehr geeignet bewertet, um die Kontrollfunktion zu verbessern. Darüber hinaus sollte die Anzahl der Aufsichtsratsmandate, die von einem Aufsichtsratsmitglied ausgeübt werden dürfen, begrenzt und höhere Anforderungen an die Erfahrung der Aufsichtsratsmitglieder gestellt werden. Mehr als 80 % der Experten halten diese Maßnahmen für geeignet oder sehr geeignet. Und immerhin noch 71 % der Experten plädieren für eine gewisse zeitliche Sperrfrist zwischen dem Wechsel eines Vorstandsmitglieds in den Aufsichtsrat, um daraus möglicherweise entstehende Interessenkonflikte zu vermeiden.

Deutlich skeptischer sind die befragten Finanzexperten bezüglich einer Begrenzung der Anzahl der Mitglieder des Aufsichtsrats. Eine erfolgsabhängige Entlohnung des Aufsichtsrats wird von der Mehrheit der Experten ebenfalls abgelehnt. Knapp 20 % von ihnen halten eine solche Maßnahme sogar für vollkommen ungeeignet, um die Kontrolle des Managements durch den Aufsichtsrat zu verbessern.
Wer sich für weitere Informationen zum Thema und eine Übersicht über aktuelle Maßnahmen der Bundesregierung zur Stärkung des Aufsichtsrats von Banken interessiert, findet diese in der (englischsprachigen) ZEW-Studie Corporate Governance and Current Regulation in the German Banking Sector – An Overview and Assessment. Die Studie steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(ZEW/ml)