Energieversorger
Kapitalknappheit bremst Konsolidierung aus

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Die globale Strom- und Gasversorgungsindustrie verzeichnete 2009 im Vergleich zu 2008 weniger Fusionen und Übernahmen (M&A) und einen massiven Rückgang des Transaktionsvolumens. Während die Zahl der Transaktionen gegenüber 2008 um 10 % auf 596 sank, erreichte der Gesamtwert mit 97,6 Milliarden US-Dollar nur noch das halbe Vorjahresniveau, wie die Studie Power Deals – 2009 Annual Review von PricewaterhouseCoopers (PwC) zeigt. Inklusive der Deals im Bereich der erneuerbaren Energien gab es 2009 weltweit 1146 Transaktionen (-24 %) mit einem Volumen von rund 131 Milliarden US-Dollar (-44 %).

„Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage, der anhaltenden Kapitalknappheit und der Ungewissheit über kommende Klimaschutz- und Deregulierungsvorschriften haben die meisten Energieversorger von größeren Transaktionen abgesehen“, kommentiert PwC-Experte Manfred Wiegand die derzeitige Situation. In Europa habe allerdings die von der EU-Kommission verordnete operative Trennung von Stromerzeugung und -transport für Impulse auf dem M&A-Markt gesorgt, so Wiegand weiter.

Vergleichsweise hoch blieb 2009 laut PwC das Interesse an Zukäufen im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier sei das Transaktionsvolumen um lediglich 14 % auf 33,5 Milliarden US-Dollar gesunken, während bei den konventionellen Stromerzeugern ein Minus von 51 % auf 88,9 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen gewesen sei. In der Gasindustrie sank das M&A-Volumen laut PwC um 38 % auf 8,6 Milliarden US-Dollar.

Für das laufende Jahr erwarten die Branchenexperten noch keine durchgreifende Erholung des M&A-Marktes. „Da Fremdkapital für Akquisitionen auch 2010 nur begrenzt zur Verfügung steht, dürfte das Transaktionsvolumen niedrig bleiben. Andererseits eröffnet die Kapitalknappheit auch Chancen. So könnten einige Unternehmen dazu gezwungen sein, Beteiligungen an Wettbewerber oder Finanzinvestoren zu verkaufen, um laufenden Verpflichtungen nachzukommen“, prognostiziert Wiegand.

Wie schon im Jahr 2008 verzeichnete die europäische Energieversorgungsbranche das mit Abstand höchste M&A-Volumen. Unternehmen und Investoren gaben mit 58,6 Milliarden US-Dollar (ohne erneuerbare Energien) zwar 43 % weniger für Beteiligungen auf dem Kontinent aus als 2008, dennoch stieg der Anteil am globalen Transaktionswert von 53 auf 60 %.

Dieser Trend spiegelt sich auch im Ranking der größten M&A-Transaktionen wider. Auf den ersten fünf Plätzen liegen Deals mit einem europäischen Beteiligungsziel. Größte Transaktion war die Übernahme der 25prozentigen Acciona-Beteiligung am spanischen Versorger Endesa durch den italienischen Energiekonzern Enel für rund 14 Milliarden US-Dollar als Abschluss der bereits in 2007 eingeleiteten Übernahme. Der deutsche Energieversorger RWE schloss mit der Übernahme der niederländischen Essent für gut 9,9 Milliarden US-Dollar die zweitgrößte Transaktion ab.

Während das Transaktionsvolumen bei den nordamerikanischen Energieversorgern 2009 um 71 % auf 12,3 Milliarden US-Dollar fiel, hat sich der Übernahmewert in Südamerika mit 8,6 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Zurückzuführen ist dieser Anstieg maßgeblich auf Transaktionen in Brasilien. Auf M&A-Ziele in der Region Asien Pazifik entfielen 16 Milliarden US-Dollar (-26 %). Damit war die Region erstmals der zweitgrößte M&A-Markt der globalen Energieversorgungsbranche.

Einen dramatischen Einbruch des Transaktionsvolumens verzeichnete Russland. Zwar stieg die Zahl der M&A-Fälle im Vorfeld der für 2011 angekündigten Marktliberalisierung von 84 auf 131 Transaktionen, der Gesamtwert der Transaktionen mit russischem Zielunternehmen sank jedoch um 93 % auf 1,7 Milliarden US-Dollar.

Die PwC-Studie Power Deals – 2009 Annual Review steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(PwC/ml)