Kommunale Energieversorgung: Deutsche Städte scheuen den Systemwechsel

In den kommenden zwei Jahren könnten die Karten auf dem kommunalen Energiemarkt neu gemischt werden, denn bis 2012 läuft rund ein Drittel der Konzessionsverträge deut­scher Städte für Strom und Gas aus, bis 2014 enden sogar fast sämtliche Kontrakte. Das ergab die aktuelle Studie Rekommunalisierung und auslaufende Konzessionsverträge der Managementberatung Kienbaum. Kaum verständlich ist aber, dass nur wenige deutsche Städte gewillt scheinen, die sich bietenden Chancen für neue Konzepte zu nutzen. Fast zwei Drittel der Kommunen planen, lediglich den schon bestehenden Konzessionsvertrag neu auszuschreiben, und jede zehnte deutsche Stadt will mit den gleichen Partnern weitermachen, wie bisher.

„Das ist zwar für die Kommunen der Weg mit dem geringsten Verwaltungsaufwand, mögliche Potenziale durch einen Modellwechsel wie die Neugründung eines Versorgungsunternehmens mit Betrieb des Netzes durch das Unternehmen oder externe Dritte bleiben jedoch ungenutzt“, kritisiert Hilmar Schmidt, Leiter des Bereichs Public Management bei Kienbaum. Konkret können sich laut der Studie nur 40 % der befragten Kommunen vorstellen, das Versorgungsunternehmen zusammen mit kommunalen Partnern zu betreiben; 19 % spielen mit dem Gedanken, dies in Kooperation mit einem Unternehmen der Privatwirtschaft zu tun.

Derzeit wird die Stromversorgung noch in 72 % der befragten Städte und Gemeinden durch ein Unternehmen gewährleistet, das sich vollständig oder mehrheitlich in öffentlicher Hand befindet. Bei der Gasversorgung sind es sogar 79 %. Lediglich rund 8 % der Kommunen lassen die Versorgung durch ein privatwirtschaftliches Unternehmen erbringen. Kommunale Minderheitsbeteiligungen gibt es im Strombereich bei 17 % der Städte und Gemeinden und im Gasbereich bei 10 % der Kommunen. In 2 beziehungsweise 3 % der befragten Gebietskörperschaften übernehmen diese Aufgabe Unternehmen, die jeweils zur Hälfte in öffentlicher und privater Hand sind.

Auf die Frage nach den wichtigsten Faktoren für die gegenwärtige und zukünftige Energieversorgung in ihrer Kommune nennen die Befragten vier zentrale Aspekte: Erstens legen sie Wert auf einen wirtschaftlichen Vorteil ihrer Kommune, zum zweiten spielt das Thema Versorgungssicherheit für sie eine zentrale Rolle, drittens steht das Ziel der Daseinsfürsorge im Mittelpunkt ihrer strategischen Überlegungen und ebenfalls ganz oben auf der Prioritätenliste rangiert die Regionalität des Anbieters. „Die Kommunen haben klare Kriterien für ihre künftige Strategie in Sachen Energieversorgung. Intelligente Alternativkonzepte zu den bestehenden Modellen können die Städte und Gemeinden bei der Erreichung dieser Ziele entscheidend unterstützen“, rät Kienbaum-Experte Schmidt den Entscheidern der Kommunen, aber auch privatwirtschaftlicher Interessenten.

(Kienbaum/ml)