Standort Deutschland
Fünfter Platz im weltweiten Standortranking

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Deutschland ist aus Sicht ausländischer Manager der führende Standort in Europa. Das ergab eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa. Im weltweiten Ranking der Studie kletterte Deutschland sogar von Platz 6 auf Platz 5. Außerdem glaubt die Mehrheit der 814 befragten Vertreter internationaler Konzerne, dass Deutschland die Krise besser meistern werde als die übrigen europäischen Länder. 12 % bezeichnen Deutschland als einen der drei Top-Standorte weltweit – im Vorjahr lag der Anteil noch bei lediglich 10 %. Angeführt wird das globale Ranking von China, Indien, den USA und Russland.

Obwohl die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark geschrumpft ist, hat die Attraktivität des Standort Deutschland aus Sicht der ausländischen Manager nicht gelitten. Im Gegenteil: 38 % der Befragten sind der Meinung, dass die Attraktivität Deutschlands als Investitionsziel gestiegen sei, nur 9 % sehen eine gesunkene Attraktivität des Standorts Deutschland. Auch die Bereitschaft, in Deutschland zu investieren, ist gestiegen: 40 % der Unternehmen planen, in Deutschland zu investieren – im Vorjahr lag der Wert bei nur 31 %.

Aus Sicht der befragten Manager wird Deutschland auch zukünftig seine starke Position im internationalen Standortwettbewerb ausbauen können: 54 % (Vorjahr: 37 %) der Befragten erwarten, dass Deutschlands Attraktivität in den kommenden drei Jahren zunehmen wird, nur 9 % (Vorjahr: 11 %) erwarten eher eine negative Entwicklung.

Die Art und Weise, wie die Bundesregierung die Wirtschaftskrise seit ihrem Ausbruch gemanagt hat, findet zudem insgesamt eine breite Zustimmung unter den Befragten: Zwei von drei loben die Standortpolitik, nur 21 % fällen ein negatives Urteil. Im Vergleich zum Jahr 2008 haben sich die Werte deutlich verbessert. So stieg die Zustimmung zur deutschen Standortpolitik von 49 auf 64 %, der Anteil der Skeptiker sank von 33 auf 21 %.

Besonders gute Noten erhält Deutschland vor allem für die Infrastruktur (Telekommunikation und Transport & Logistik). Auch die Lebensqualität und die Qualifikation der Arbeitnehmer werden von den befragten Managern sehr positiv gesehen. Relativ schlecht bewertet wird der Standort Deutschland insbesondere in Bezug auf die Unternehmenssteuerbelastung und die Arbeitskosten.

Die derzeitigen Turbulenzen im Zusammenhang mit der hohen Verschuldung einiger Mitglieder des Euroraums haben nach Meinung von Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, bislang keine negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Ganz ausschließen möchte Englisch negative Konsequenzen für den Standort Deutschland aber nicht: „Die notwendigen Sparanstrengungen der europäischen Regierungen werden das Wirtschaftswachstum im Euroraum – dem wichtigsten Exportmarkt Deutschlands – dämpfen. Und die anhaltende Verunsicherung an den Finanzmärkten trägt sicher nicht zur weiteren Aufhellung des Investitionsklimas bei“. Derzeit aber habe der schwache Euro in erster Linie positive Auswirkungen für das Exportland Deutschland.

Englisch kann der Diskussion um die Stabilität des Euroraums auch positive Aspekte abgewinnen: „Die aktuelle Krise legt schonungslos die Defizite und den erheblichen Reformbedarf einiger europäischer Volkswirtschaften offen – jetzt zeigen sich sehr deutlich die wahren Qualitäten der Standorte.

Für Deutschland selbst sieht Englisch derzeit kaum Handlungsbedarf – abgesehen von dem notwendigen Schuldenabbau. „Deutschland hat in den Jahren vor der Krise seine Hausaufgaben gemacht – viele andere EU-Staaten nicht. Strukturell ist die deutsche Wirtschaft grundsätzlich gesund.“

Die von den Managern in der Umfrage zugestandene Attraktivität des Standorts Deutschland deckt sich allerdings nicht ganz mit den für die Studie erhobenen Zahlen zu Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Europa. Danach konnte Deutschland 2008 nur 13 % der ausländischen Direktinvestitionen in Europa auf sich vereinigen. Damit lag Deutschland mit deutlichem Abstand hinter Großbritannien (Marktanteil: 21 %) und Frankreich (16 %). Anders als diese Länder konnte Deutschland allerdings einen Zuwachs um 7 % bei der Zahl der Investitionsprojekte verzeichnen.

Insgesamt ging die Anzahl der Auslands-Direktinvestitionen in Europa im Krisenjahr 2009 deutlich zurück. 2009 konnte Europa 3303 Auslands-Investitionsprojekte verzeichnen, 2008 waren es noch 3721. Besonders deutsche Unternehmen haben im Jahr 2009 ihre Auslandsinvestitionen reduziert: Die Zahl der von Deutschland aus getätigten Investitionen im europäischen Ausland ging um 31 % zurück. Nach wie vor ist Deutschland aber – hinter den USA – der größte Investor in Europa.

Die Studie steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(Ernst & Young/ml)