Kienbaum-Vergütungsstudie
Gehälter von Ingenieuren steigen langsamer

Die Gehälter der Ingenieure in Deutschland steigen laut einer aktuellen Studie der Ma­nage­ment­be­ra­tung Kienbaum langsamer als in den Vorjahren. Nachdem das Inge­nieurs­sa­lär von 2008 auf 2009 noch um durchschnittlich 2,7 % anstieg, haben die Unternehmen von 2009 auf 2010 die Grundgehälter der Ingenieure nur noch um durchschnittlich 1,8 % angehoben. Für das laufende Jahr werden Gehaltserhöhungen von 1,5 % prognostiziert. Für die Vergütungsstudie wurden die Daten von 635 Unternehmen und 4802 Einzel­po­si­tionen ausgewertet.

Christian Näser, Vergütungsexperte bei Kienbaum weiß um die Gründe für die geringere Steigerung: „Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind noch deutlich zu spüren: Viele Unternehmen sind weiterhin zu Kostenreduzierungen gezwungen. Deshalb fallen die Grundgehaltssteigerungen mit 1,8 % knapp einen Prozentpunkt geringer aus als 2008. Auch bei den variablen Vergütungskomponenten sparen viele Unternehmen krisenbedingt.“

Aktuell verdient ein Ingenieur in leitender Funktion im Schnitt 102.000 Euro im Jahr. Je nach Funktion variiert die Gehaltshöhe jedoch deutlich: Spitzenverdiener sind die Leiter Verkauf/Vertrieb mit Jahresgesamtbezügen von durchschnittlich 141.000 Euro. Auf Platz zwei folgt die Position Technische Gesamtleitung mit 139.000 Euro und an dritter Stelle liegen die Werkleiter mit 128.000 Euro. Eine Fachkraft erhält durchschnittlich 61.000 Euro im Jahr. Die Spanne der Durchschnittsgehälter auf dieser Hierarchieebene reicht dabei laut Studie vom Produktmanager mit 80.000 Euro bis zum Sachbearbeiter Materialwirtschaft/Logistik, der auf 44.000 Euro jährlich kommt.

Parallel zu einer gebremsten Gehaltssteigerung sinkt auch die Höhe der ausgezahlten variablen Vergütung weiter. Derzeit werden wie im Vorjahr 77 % der Führungskräfte und 54 % der Fachkräfte leistungsbezogen entlohnt. Damit ist zwar der Rückgang der Beschäftigten mit variabler Vergütung vorerst zum Stillstand gekommen. Jedoch sinkt die Höhe der tatsächlich ausgezahlten Vergütung weiter: Betrug der jährliche Bonus bei Ingenieuren in Führungspositionen 2008 noch durchschnittlich 21.050 Euro, waren es 2009 nur 19.770 Euro. Die Ingenieure in Fachpositionen erhielten im Schnitt 6330 Euro und damit 970 Euro weniger als ein Jahr zuvor. Die größeren Gehaltseinbußen verzeichneten damit jedoch die Führungskräfte, da bei ihnen der Anteil der variablen Vergütung am Gesamtgehalt mit 15 % wesentlich höher ausfällt als bei den Fachkräften mit lediglich 9 % variablem Anteil.

Die Studie belegt auch dieses Mal wieder, dass der Standort eines Unternehmens die Gehaltshöhe wesentlich beeinflusst: Überdurchschnittlich verdienen Ingenieure in Führungspositionen zurzeit in Düsseldorf, Köln, Dortmund und München; ihre Gehälter liegen 6 bis 15 % über dem Bundesdurchschnitt. Mit einem Drittel unter dem Bundesdurchschnitt verdienen Ingenieure in Dresden und Halle/Leipzig am wenigsten. Insgesamt verharren die Gehälter der Fach- und Führungskräfte in Ostdeutschland bei knapp 70 % der durchschnittlich in Deutschland gezahlten Bezüge.

Trotz der Sparmaßnahmen angesichts der Krise steht mehr Ingenieuren ein Firmenwagen zur Verfügung als im Vorjahr: Aktuell hat die Hälfte aller Führungskräfte einen Anspruch auf einen Firmenwagen, 2008 waren es noch 46 %. „Die Gewährung eines Firmenwagens wird immer weniger von dienstlichen Erwägungen bestimmt“, stellt Näser fest. Vielmehr sähen die Unternehmen darin eine gute Möglichkeit, vor allem Inhabern von Führungspositionen ein steuergünstiges Extra zu bieten.

Bei den Fachpositionen liegt der Anteil der Firmenwagenfahrer nur bei 17 %. Ausreißer sind Produktmanager und Vertriebsingenieure, von denen ein Drittel beziehungsweise zwei Drittel einen Dienstwagen zur Verfügung haben. Klammert man diese beiden Gruppen aus, liegt der durchschnittliche Anteil der Firmenwagenbesitzer unter den Fachkräften lediglich bei 4 %.

Die komplette kostenpflichtige Studie kann bei der Kienbaum Vergütungsberatung bezogen werden.

(Kienbaum / ml)