ZEW-Studie
Noch immer zu wenig High-Tech-Gründungen

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Obwohl die eben überstandene Krise und die besonders schnelle Erholung Deutschlands deutlich machen, wie sehr der Wohlstand im Land von den Hightechbranchen abhängt, ist deren Zukunft alles andere als sicher. Mit insgesamt nur 14.000 Neugründungen im High-Tech-Bereich liegt die Gründungstätigkeit weiterhin auf einem der niedrigsten Niveaus seit Mitte der 90er Jahre. Auch die nur schwache Zunahme der High-Tech-Neugründungen um 3,1 % im Vergleich zum Vorjahr kann kaum beruhigen, da einige wichtige Bereiche sogar abnehmen. Das zeigt eine gemeinsame Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Softwareunternehmens Microsoft Deutschland.

Ein Beispiel für eine Branche mit hohem Zukunftspotenzial aber schrumpfenden Neugründungen ist die Medizintechnik. Lediglich die Software-Branche glänzt mit einem Gründungswachstum von 15 %.

Zum Glück machten sich im vergangenen Jahr zahlreiche Arbeitnehmer als Ein-Personen-Unternehmen selbständig. Die Reform der deutschen GmbH und die neu eingeführte Rechtsform Unternehmergesellschaft boten dafür einen neuen Rahmen. Der Beitrag dieser High-Tech-Gründer zum Innovationsgeschehen in Deutschland ist jedoch gering. „Erst die weitere Entwicklung wird zeigen, ob aus diesen Kleinstunternehmen tragfähige Geschäftsmodelle resultieren“, warnt Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung beim ZEW. Damit die deutsche Gründerszene stärker an Fahrt aufnimmt, bedürfe es weiterer Start-ups mit technologischen Produktinnovationen, die Impulswirkung für die Gesamtwirtschaft haben, so Licht weiter. Der Innovationsstandort Deutschland drohe sonst international den Anschluss zu verlieren.

Im Rahmen der aktuellen Studie, die auch Forschungsergebnisse anderer Institute aufgreift, wird deutlich, mit welchen Hemmnissen sich Gründer in Deutschland auseinandersetzen:

  • 36 % der Befragten haben vor allem bei der Auftragsakquisition und dem Aufbau eines Kundenstamms Probleme (Gründerpanel des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn). Gerade etablierte Unternehmen hätten in Deutschland Bedenken, mit jungen Start-ups zusammenzuarbeiten, so die Gründer.
  • Generell sind für viele Entrepreneure auch Finanzierungsengpässe eine bedeutende Hürde, mit der sie sich in der Gründungsphase konfrontiert sehen. Die vom ZEW befragten Unternehmer kritisierten den eingeschränkten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten bei traditioneller Kreditfinanzierung sowie die zu geringe Zahl an Venture-Capital-Gebern. Letztere hätten sich in den vergangenen zehn Jahren zunehmend auf die Wachstumsphase konzentriert, sich aus der Finanzierung der ersten Lebensphase dagegen vollkommen zurückgezogen.
  • Hinzu kommen Probleme bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter.
  • 25 % der Gründer nannten im KfW-Gründungsmonitor 2010 darüber hinaus die Belastung für die Familie als Hemmnis. Für junge Unternehmen stellen somit auch persönliche Ängste und Sorgen ihrer Gründer große Entwicklungshürden dar.

Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland bedauert: „Deutschland bleibt als Land der technologischen Innovationen weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.“ Das müsse sich dringend ändern. Trotz einer positiven Entwicklung zeige die aktuelle ZEW-Studie, dass Deutschland als High-Tech-Gründerland gefährdet ist. Deshalb setze sein Unternehmen Microsoft mit seinen Förderprogrammen für High-Tech-Start-ups wie unternimm was. und BizSpark genau bei den Problemen an. Microsoft biete damit innovativen Gründerunternehmen Technologie- und Vertriebs-Know-how sowie den Zugang zu Kunden- und Partnernetzwerken.

Von der deutschen Politik fordert Haupter steuerliche Anreize für Investoren, so wie es im europäischen Ausland bereits praktiziert wird und wie es die Koalition im Grunde vereinbart hat. Haupter mahnt: „Wie so oft haben wir hier kein Erkenntnis-, sondern ein Handlungsdefizit. Deutschland muss zu einer der attraktivsten Regionen für Business Angels und Venture-Capital-Geber werden.“

Von allen Seiten unbestritten ist, dass innovative High-Tech-Gründungen für den Standort Deutschland eine bedeutende Rolle spielen. Besonders positive Effekte haben sie nicht zuletzt auch für den Arbeitsmarkt: Unternehmensgründer aus der High-Tech-Branche beschäftigen laut ZEW im Durchschnitt doppelt so viele Mitarbeiter wie Gründer in anderen Branchen. Nach fünf Jahren Geschäftstätigkeit steigt der Faktor sogar auf das Zweieinhalbfache. „Die High-Tech-Industrie zählt zu den Impulsgebern der deutschen Wirtschaft und besitzt in punkto Innovationskraft eine richtungsweisende Funktion“, weiß auch Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Tatsache ist: Innovation und Beschäftigung in der IT-Industrie werden in großem Maße von kleinen Unternehmen und Neugründungen geprägt. Start-ups sind etablierten Unternehmen in Sachen Dynamik, Flexibilität und Innovationsbereitschaft deutlich überlegen. Dennoch müssen sie häufig gegen Vorurteile kämpfen. „Kunden haben bei jungen Unternehmen oft Bedenken, ob die Leistungen langfristig zur Verfügung gestellt werden“, berichtet Stefan Lemper, Geschäftsführer der Cooee GmbH aus eigener Erfahrung mit seinen Kunden. Da könne eine Kooperation mit großen, eingeführten Partnern, wie Microsoft oft Wunder bewirken.

Ein Hemmschuh ist nach Meinung Ralph Haupters aber auch die zu geringe Risikofreude der Deutschen. „Deutsche streben oft nach einer Vollkasko-Gründung.“ Etablierte Unternehmen der Old Economy sollten mehr Bereitschaft zeigen, mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Außerdem sollten junge Menschen größeres Interesse an unternehmerischem Denken an den Tag legen, dann bringe „das Land von Bosch, Daimler und Co. auch in diesem Jahrhundert herausragende Gründerpersönlichkeiten hervor“, so Haupter abschließend.

Die komplette Studie steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(ZEW / Microsoft / ml)