Außenhandel
US-Handelskrieg mit China gefährdet auch Europa

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Der Konflikt zwischen China und den USA um den Wechselkurs des Yuan zum US-Dollar stellt nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eine große Gefahr für die Weltwirtschaft dar, zumal sich der Streit in den letzten Monaten deutlich verschärft hat. Nicht ohne Grund, denn die chinesische Währung ist nach Berechnungen des Peterson Instituts für Internationale Wirtschaft (IIE) zwischen 15 und 40 % unterbewertet und behindert deshalb die wirtschaftliche Erholung in den USA. Die Eurozone dürfte sich in diesem Handelskrieg jedoch auf Dauer keineswegs in der Rolle des berühmten lachenden Dritten wiederfinden.

DIW-Ökonom Georg Erber warnt : „Ein Handelskrieg zwischen beiden Ländern würde einen herben Rückschlag für die Konjunktur bedeuten.“ Damit könnten sich die Wachstumsperspektiven auch in Deutschland verschlechtern.

Der unterbewertete Yuan ist nach Meinung der US-Regierung auch der wesentliche Grund für die großen Defizite im Außenhandel mit China. Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) hat sich der Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA von 103 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 auf 268 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 mehr als verdoppelt. Der chinesische Anteil an US-Warenimporten liegt mittlerweile bei über 20 %. Schon heute besitzt Peking mit etwa 2,5 Billionen US-Dollar mehr Währungsreserven als Japan, Russland und die gesamte Eurozone zusammen. Zudem hält die Volksrepublik ein Fünftel aller Staatsschuldverschreibungen der Vereinigten Staaten.

DIW-Experte Erber mahnt in diesem Zusammenhang: „Länder wie Deutschland sollten sich deshalb in einem gewissen Rahmen mit den USA solidarisch verhalten, denn Europa könnte ähnliche Probleme bekommen.“ Besonders Deutschland könne längerfristig eine ähnliche Entwicklung drohen wie den USA. DIW-Experte Erber: „Deutschland muss realisieren, dass aufgrund schnell steigender Importe aus der Volksrepublik eine Schuldenfalle lauert.“ Noch profitiere Deutschland zwar aufgrund hoher Exporte vom Handel mit China – das könne sich aber schnell ändern.“

Eine umfangreiche Einschätzung des Konflikts bietet die Ausgabe 40/2010 des DIW Wochenberichts. Die Publikation steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.

(DIW / ml)