Außenhandelsprognose
Demnächst wieder Vizeweltmeister beim Warenexport

Ja, Deutschland werde 2011 voraussichtlich wieder Vizeweltmeister im Warenexport, glauben die Experten des Münchner ifo Instituts. Nachdem Deutschland im vergangenen Jahr den Titel währungsbedingt an die USA abgeben musste, dürfte es in diesem Jahr – dank der seit Jahresbeginn zu beobachtenden Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro – wieder für Platz zwei reichen. Zählt man zu den Warenexporten jedoch die ex­portierten Dienstleistungen hinzu, rangiert Deutschland unverändert auf Platz drei.

Einen zweiten Platz bei den Gesamtexporten dürfte Deutschland auch die nächsten Jahren nicht erreichen. Der Grund: Bei Dienstleistungen wie Tourismus, Finanzdienstleistungen, Consulting oder IT-Services sind die USA mit 515 Milliarden Dollar unangefochtener Exportweltmeister. Immerhin konnte Deutschland beim Dienstleistungsexport im vergangenen Jahr Großbritannien (227 Milliarden Dollar) mit 230 Milliarden Dollar knapp überholen.

Den langjährigen Titel des Warenexportweltmeisters, den Deutschland von 2003 bis 2008 innehatte, kann Deutschland aber voraussichtlich nicht mehr zurückerobern. China hat seine führende Position mit einem Warenexport von 1.578 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr nämlich weiter ausgebaut.

Im vergangenen Jahr lagen China und die USA (1,278 Billionen Dollar) beim Export von Waren vor Deutschland (1,269 Billionen Dollar), obwohl Deutschland zugelegt hatte. Der Sprung der USA auf Platz 2 ergab sich jedoch vor allem durch Effekte bei Preisen und Wechselkursen. Die nominalen Warenexporte in den USA stiegen wegen der höheren Exportpreise um 21 %, in Deutschland dagegen nur um 18,5 %. Wesentlicher Grund war die Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro um gut 5 %.

In realen Preisen gerechnet lag das Wachstum der Warenexporte in Deutschland bei gut 15 % und damit über dem Wachstum der Warenexporte der USA (14,7 %). Die USA hatten – auch unter dem Druck des hohen Haushaltsdefizits – im vergangenen Jahr die Exportförderung massiv verstärkt. In den kommenden fünf Jahren sollen die Ausfuhren verdoppelt werden.

(ifo Institut / ml)