Konjunkturprognose
Inländische Nachfrage gewinnt an Bedeutung

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Die deutsche Wirtschaft werde auch 2011 stärker wachsen als die meisten anderen Euro-Länder, prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach dem Rekordwachstum von 3,6 % im Jahr 2010 werde das Wachstum des preisbereinigten Brut­toinlandsprodukts im laufenden Jahr 2,7 % erreichen. 2012 wird das Wachstum allerdings an Fahrt verlieren und sich auf 1,4 % ver­lang­sa­men, glauben die DIW-Ex­per­ten. Allerdings gewinne die Binnen­nachfrage an Einfluß. So werde sich die Investitionstätigkeit in dem immer noch günstigen Zins­um­feld sehr dynamisch entwickeln. Dank der guten Arbeitsmarktlage wird nach Einschätzung der DIW-Ex­per­ten aber auch der Konsum zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Ferdinand Fichtner, DIW-Leiter Konjunkturpolitik, ist sich deshalb sicher: „Der Aufschwung büßt zwar an Schwung ein, steht aber auf einer soliden Grundlage.“

Seit Februar überschreitet die Teuerung – nach über zwei Jahren – erstmals wieder die Marke von 2 %. Auch für den Jahresdurchschnitt 2011 und für das nächste Jahr rechnen die Experten mit Raten von über 2 %. Die Inflationsrisiken aus den Lohnverhandlungen seien derzeit allerdings gering. „Die Tarifabschlüsse waren bislang moderat, so dass kein relevanter Preisdruck auf der Lohnseite entstanden ist. Eine Lohn-Preis-Spirale ist damit bislang nicht in Sicht“, so DIW-Kuratoriumsvorsitzender Bert Rürup. Für 2012 sei dieses Risiko dagegen größer. Dank der kräftigen Produktions- und damit Produktivitätszuwächse seien Lohnsteigerungen von bis zu 3 % für die Unternehmen aber gut zu verkraften.

Der Arbeitsmarkt werde sich weiter erholen, glauben die DIW-Experten. Für 2011 rechnen sie mit einem spürbaren Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,2, %, im Jahr 2012 werde sie dann nur noch leicht sinken. In diesem Jahr dürften durch die verbesserte Arbeitsmarktsituation die Löhne und Gehälter in der Summe im Vergleich zu 2010 allerdings kräftig zulegen. Dabei spielt aber nach Einschätzung des DIW vor allem die Ausweitung der durchschnittlichen Arbeitszeit, etwa durch den Abbau der Kurzarbeit eine wichtige Rolle.

2012 werden de Tariflöhne dann vor allem von der guten Konjunktur profitieren können. Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts für Arbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa im Mai 2011 wird nach Einschätzung der DIW-Experten weder die Lohnentwicklung noch die Arbeitslosigkeit in Deutschland stark beeinflussen.

Das staatliche Defizit wird 2011 mit 2,1 % klar unter der Maastricht-Grenze liegen. Für das kommende Jahr ist ein weiterer Rückgang auf 1,7 % zu erwarten. In erster Linie kann der Staat nach Einschätzung der DIW-Experten viel Geld durch zurückgehende Sozialleistungen sparen. Außerdem sprudeln dank hoher Gewinne die Ertragssteuereinnahmen. Zusätzlich nutze die Politik in Deutschland die gute Konjunktur, um die Staatsfinanzen noch weiter zu verbessern. „Dies geschieht bisher aber vor allem durch Steuer- und Beitragserhöhungen, nicht durch niedrigere Ausgaben“, kritisiert DIW-Experte Fichtner. „Von Sparpaketen kann daher nicht wirklich die Rede sein.“

Die Exportindustrie kann nach Einschätzung der DIW-Experten weiterhin vom anhaltend kräftigen Wachstum der Weltwirtschaft profitieren. „Das Wachstum findet vor allem in den Schwellenländern wie China statt“, weiß DIW-Konjunkturchef Christian Dreger. Für die deutsche Industrie mit ihrer Spezialisierung vor allem im Maschinen- und Anlagenbau sei das eine große Chance.

Die Risiken für die Konjunktur sind aber weiterhin hoch. Wegen der Schuldenkrise im Euroraum ist die Stimmung an den Kapitalmärkten noch immer angespannt. Eine Ausweitung könnte weltweite Verwerfungen nach sich ziehen, warnen die Experten. Auch die Rohstoffpreise bleiben ein Unsicherheitsfaktor – besonders angesichts der Unruhen im arabischen Raum, die das Angebot an den Ölmärkten deutlich verknappen könnten. Die Folgen der Katastrophe in Japan sind nach wie vor schwer einzuschätzen. Von größeren realwirtschaftlichen Auswirkungen sei beim derzeitigen Stand der Dinge aber nicht auszugehen.

Weitere Prognosedetails und Zahlen bietet die Ausgabe 14–15/2011 des Wochenberichts. Das Heft steht als kostenloser Download online zur Verfügung.

(DIW / ml)