PwC-Studie
Mittelständler fürchten Einfluss von Finanzinvestoren

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Rund 80 % der deutschen Mittelständler wollen keine Beteiligung eines Finanzinvestors am eigenen Unternehmen, obwohl sie die Vorteile einer Beteiligung einer Private-Equity-Gesellschaft kennen. Grund ist die weitverbreitete Furcht, die Kontrolle über das eigene Unternehmen zu verlieren und zum Befehlsempfänger des Investors zu verkümmern. Immerhin können sich 18 % der mittelständischen Unternehmer eine Private-Equity-Beteiligung an ihrem Unternehmen durchaus vorstellen. Tatsächlich sind in Deutschland Beteiligungs­gesellschaften derzeit nur in rund 1 % der mittelständischen Unter­nehmen engagiert. Das geht aus einer neuen Studie der Wirt­schaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor.

Für Dr. Peter Bartels, Mitglied des Vorstands und Leiter des Bereichs Familien­unternehmen und Mittelstand bei PwC, zeigt sich in diesen Umfrageergebnissen ein Dilemma des Mittelstands: „Einerseits würden viele Mittelständler die Beteiligung eines Finanzinvestors begrüßen, andererseits wiegt die Furcht vor einem Ausverkauf schwer.“ Eine Versachlichung der Diskussion um Private Equity sei dringend geboten.

Das aber dürfte nur schwer möglich sein, denn zwei Drittel der Befragten glauben, dass sie mit dem Einstieg eines Finanzinvestors ihre unternehmerische Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit verlieren würden. Fast die Hälfte der Mittelständler (45 %) ist sich zudem weder über die Beteiligungsmotive noch über die Strukturen der Beteiligungsgesellschaften im Klaren. Rund jeder Dritte (35 %) hält außerdem die Unternehmenskultur von Private-Equity-Fonds mit der des eigenen Betriebs für schwer oder sogar unvereinbar. Fast ebenso viele (30 %) sprechen Finanzinvestoren die notwendige soziale Kompetenz für den Umgang mit Unternehmen und Mitarbeitern ab. Demgegenüber fallen Zweifel an den unternehmerischen Fähigkeiten und Zielen der Beteiligungskapitalgeber kaum ins Gewicht.

Diesen schwerwiegenden Vorbehalten stehen allerdings auch einige Positivposten gegenüber: So wüssten Dreiviertel der mittelständischen Unternehmen die Stärkung der Kapitalstruktur und -versorgung ihres Unternehmens durch den Einstieg eines Finanzinvestors durchaus zu schätzen. Rund jeder Dritte würde sich über den Zufluss externen Wissens freuen und immerhin 14 % sähen in einem Investor eine willkommene Erweiterung des Eigentümerkreises um einen neutralen Gesellschafter.

Die PwC-Studie untersucht aber auch eigene Zukäufe mittelständischer Unternehmen. Demnach verfolgen zwar nur 9 % der Befragten konkrete Übernahme– bzw. Beteiligungspläne, aber eigene Zukäufe sind für nahezu alle Mittelständler eine Überlegung wert. 45 % der Befragten ohne konkrete Beteiligungsabsicht finden jedoch nach eigener Aussage schlicht kein passendes Kaufobjekt, und rund jedem dritten Unternehmen fehlen die zeitlichen und personellen Ressourcen, um eine derartige Transaktion zu bewältigen.

Für die Studie  Transaktionen im Mittelstand – Bestandsaufnahme und Ausblick wurden deutschlandweit 533 mittelständische Unternehmen befragt. Gesprächspartner waren Geschäftsführer (53 Prozent der Befragten), Eigentümer (29 %) sowie Finanzvorstände bzw. Prokuristen (18 %). Die Studie steht per Download kostenfrei im Internet zur Verfügung.

(PwC / ml)