IAB-Herbstprognose
Aufschwung am Arbeitsmarkt wird 2012 schwächer

Download IAB-Kurzbericht 19/2011
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Der Aufschwung in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt wird 2012 schwächer werden. Diese Prognose veröffentlichte vor wenigen Tagen das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Experten des IAB rechnen bei einem voraussichtlichen Wirtschafts­wachstum von 1 % im kommenden Jahr mit 2,92 Millionen Arbeits­losen im Jahresdurchschnitt – immerhin 50.000 weniger als 2011. Klar ist aber auch, dass die Prognose nur greift, wenn die europä­ischen Schuldenländer stabilisiert und die Finanzmärkte beruhigt werden können. Allerdings würde sich der Aufschwung am Arbeits­markt auch ohne Schuldenkrise abchwächen, da viele der durch die Reformen erschlossenen neuen Job-Potenziale mittlerweile ausgeschöpft sind.

Die Wissenschaftler des IAB warnen allerdings, die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Konjunktur und des Arbeitsmarkts sei derzeit ungewöhnlich groß. Sie schließen nicht aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2012 sogar leicht schrumpfen könnte. Allerdings würde sich selbst bei einem Rückgang um 0,2 % die Zahl der Arbeitslosen lediglich um 20.000 auf einen Jahresdurchschnitt von 2,99 Millionen erhöhen. Anders formuliert: Auch bei leicht rezessiven Tendenzen ist noch mit einer insgesamt robusten Entwicklung zu rechnen.

Sollten sich die jüngsten Einbrüche der Konjunkturindikatoren und Finanzmärkte gar als überzogen herausstellen und die europäischen Staaten die Schuldenkrise nachhaltig eindämmen können, wäre sogar ein Wachstum des BIP um 1,6 % denkbar. Dann würde die Zahl der Arbeitslosen 2012 auf rund 2,89 Millionen sinken.

Unabhängig von der Wirtschaftsentwicklung und der Eurokrise wird das Arbeitskräfteangebot 2012 allein aufgrund der demografischen Entwicklung um fast 250.000 Personen abnehmen, haben die Forscher ausgerechnet. Zum größten Teil könne der demografische Rückgang aber ausgeglichen werden. Dies liege zum einen an der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, zum anderen an der Zuwanderung, nicht zuletzt aus den acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten, für die seit Mai 2011 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit gilt. Daher sinkt unterm Strich das Arbeitskräfteangebot im Jahr 2012 voraussichtlich nur um 40.000 Arbeitssuchende.

Die IAB-Studie steht als Ausgabe 19/2011 der Reihe IAB-Kurzbericht per Download kostenfrei im Internet zur Verfügung. (Quelle: IAB/ml)