Mobile Datenkommunikation
LTE-Router von AVM bei 1&1 schon heimlich lieferbar

Viele Internet-Benutzer und kleine Firmen kennen und lieben die funktionsreichen FRITZ!Boxen von AVM, etwa die DSL-to-WLAN-Modelle 7170 und 7270 oder das VDSL-to-WLAN-Modell 7390. In einer weiteren Entwicklungsstufe ersetzt AVM nun das verbaute VDSL-Modul durch ein LTE-Funkmodul für den drahtlosen Internet-Empfang. Dieser neue FRITZ!Box-Leckerbissen nennt sich AVM FRITZ!Box 6840 LTE. Ein erster Prototyp dieses LTE-Routers wurde schon im Dezember 2010 im Ebersberger LTE-Testnetz von O2 im kleinen Kreise vorgeführt.

Nun war auf Nachfrage zur Münchener Händlermesse Tech Data Forum 2011 zu erfahren, dass die rote LTE-Box ab Mitte November 2011 endlich an den Handel ausgeliefert werden soll. Außerdem schult AVM seine Händler auf einer Roadshow just dieser Tage (5.10.–9.11.2011) rund ums Thema LTE, damit sie ihre Endkunden bald zu allen LTE-Belangen vom Router bis zur Außenantenne kompetent beraten können.

O2 und Vodafone ganz, Telekom nur halb

AVM FRITZBox LTE
Zusätzlich zu Multi­band-LTE und WLAN-11n soll die AVM FRITZ!Box 6840 LTE analoge, digitale und DECT-Tele­fonie unter­stützen

Rein theoretisch müsste die Berliner Box ja in den LTE-Netzen aller drei deutscher LTE-Provider funktionieren, denn sie hat keinen SIM-Lock. Allerdings unterstützen die derzeit verbauten LTE-Chips von Altair Semiconductor aus Israel vorerst nur Dualband-LTE bei 800 und bei 2600 MHz. Bei 1800 MHz wird LTE dagegen erst in künftigen Hardware-Chargen der AVM-Box funken; ein reines Software-Upgrade auf LTE-1800 wird nicht möglich sein, wie wir aus technisch gut informierten Kreisen erfahren konnten.

AVM FRITZ!Box LTE – Grafik AVM
Aktuelle LTE-Geräte wie die FRITZ!Box LTE deckeln die Downloadspeed bei 100 MBit/s und den Upload bei 50 MBit/s.

Da nun die Telekom ihr erstes LTE-Stadtnetz in Köln ausgerechnet bei 1800 MHz aufbaut und weitere LTE-City-Netze des rosa Riesen ebenfalls auf dieser Frequenz folgen dürften, eignet sich die AVM-LTE-Box derzeit noch nicht für solche Telekom-Stadtnetze. O2 und Vodafone D2 dagegen funken derzeit bei 800 MHz auf dem Lande und bei 2600 MHz in ersten Städten: Diese beiden Bänder beherrscht die neue FRITZ!Box-LTE schon rundum. Also eignet sich die rote AVM-Box für die Netze von O2 und Vodafone ganz, für das LTE der Deutschen Telekom jedoch nur halb. Keiner der drei großen LTE-Provider O2, Telekom und Vodafone hat die AVM-LTE-Box aber schon final im Angebot.

DSL-Umberatung auf 1&1-LTE-Homeserver

Dagegen kursieren schon seit Monaten Gerüchte, dass 1&1 den LTE-Router von AVM in Bälde vertreiben werde. Doch beim Durchsuchen der 1&1-Website zum Stichwort LTE hieß es am Ende Oktober 2011 noch immer: Null Treffer. Auf Nachfrage klärt 1&1-Pressesprecherin Ingrun Senft den Widerspruch so auf:

„1&1 bietet im Rahmen der DSL-Umberatung LTE-Tarife im D2-Netz an. Das Angebot gilt ausschließlich für Kunden, die keine DSL-Verfügbarkeit haben. Sofern LTE verfügbar ist, kann damit eine schnelle Mobilfunkverbindung mit Surfgeschwindigkeiten von bis zu 7,2 MBit/s bzw. 21,6 MBit/s genutzt werden. Technisch erhält der Kunde einen LTE-fähigen Homeserver (FRITZ!Box 6840 LTE), in den eine LTE-SIM-Karte zum Surfen eingelegt wird. Telefonie erfolgt dabei ausschließlich über gebundelte Handy-SIM-Karten, von denen bis zu vier Stück pro Vertrag für 0 Euro Grundgebühr erhältlich sind. Gespräche ins deutsche Festnetz sowie ins 1&1-Mobilfunknetz sind damit kostenfrei, für andere nationale Gespräche fallen 9,9 Cent pro Minute an.“

1&1-LTE nur bei Nichtverfügbarkeit von DSL

Nach weiterem Nachhaken präzisiert Frau Senft: „Unser Umberatungsangebot auf LTE-Basis ist seit 19. September erhältlich. Einen Link zum Angebot gibt es nicht, da es sich ja um ein reines Umberatungsprodukt handelt, das ausschließlich bei Nichtverfügbarkeit von DSL angeboten wird.“ Das klingt ja fast, als ob 1&1 das Angebot vorerst nicht an die große Glocke hängen wollte. Das macht auch Sinn, denn wer den Menschen in der DSL-Diaspora als erster Provider den Sprung von schneckenlahm auf ganz schön schnell verschaffen kann, hat sie vermutlich für die nächsten Jahre oder für den Rest des Lebens voll des Dankes an der Breitband-Internet-Angel.

Warum klemmt es bei Voice-over-IP-over-LTE?

Die Frage, warum Telefonie bei dieser DSL-Umberatung „nur“ über gebundelte Handy-SIM-Karten und nicht als Voice-over-IP-over-LTE gelöst wird, lässt Ingrun Senft von 1&1 unbeantwortet. Das Schweigen deutet auf ein weltweit bekanntes LTE-Problem hin: Beherrscht die neue LTE-FRITZ!Box etwa noch kein Voice-over-LTE? Oder gibt es noch ein Voice-over-LTE-Problem im Netzbereich von Vodafone? Oder harmonieren Box und Netz bei LTE-Voice noch nicht miteinander?

Wer als User seine schnurlosen DECT- und WLAN-Telefone elegant mit der FRITZ!Box-internen Telefonanlage konfiguriert und verkoppelt, der will seine Externgespräche doch idealerweise per VOIP-over-LTE in den Rest der Welt verbinden. So lange das nicht funktioniert, muss man – wie die ländlichen LTE-Kunden von 1&1 – entweder ganz konservativ über herkömmliche Mobilfunkhandys telefonieren oder zusätzlich zum Highspeed-LTE noch eine Lowspeed-Telefonie über Analog- oder ISDN-Kabel dazu ordern. Letzteres verursacht weitere Kosten und vergrößert das Sammelsurium an Kabeln und Kästchen. Da wirken die vier Handy-Flatrates von 1&1 für null Euro fast eleganter.

Genauer gesagt gibt es bereits zwei LTE-Tarife von 1&1 mit jeweils kostenloser AVM-LTE-Box-Dreingabe:

1&1 Surf-Flat 7.200 LTE

  • 29,99 Euro für die ersten 24 Monate, danach 34,99 Euro
  • Laufzeit: 24 Monate
  • Internet-Flat mit bis zu 7200 kBit/s, ab 10 GByte Drosselung auf 384 kBit/s
  • Zugang außerhalb der Homezone: 19,9 Cent/MByte (pro angefangenem MByte)
  • 1&1 HomeServer LTE für 0 Euro inklusive
  • WLAN Stick n (300 MBit/s) optional für 29,99 Euro
  • Bis zu vier Handy-Flats¹ (für 0 Euro) bzw. Handy-Flat & Internet² (für jeweils 9,99 Euro pro Monat) optional zubuchbar, jeweils 9,60 Euro Aktivierungsgebühr

1&1 Surf-Flat 21.600 LTE

  • 34,99 Euro für die ersten 24 Monate, danach 39,99 Euro
  • Laufzeit: 24 Monate
  • Internet-Flat mit bis zu 21.600 kBit/s, ab 15 GByte Drosselung auf 384 kBit/s
  • Zugang außerhalb der Homezone: 19,9 Cent/MByte (pro angefangenem MByte)
  • 1&1 HomeServer LTE für 0 Euro inklusive
  • WLAN Stick n (300 MBit/s) optional für 29,99 Euro
  • Bis zu vier Handy-Flats¹ (für 0 Euro) bzw. Handy-Flat & Internet² (für jeweils 9,99 Euro pro Monat) optional zubuchbar, jeweils 9,60 Euro Aktivierungsgebühr

Brancheninsider rechnen damit, dass O2 als nächster Provider die AVM FRITZ!Box 6840 LTE in den regulären Vertrieb aufnehmen könnte. O2-Pressesprecher Markus-Oliver Göbel konnte das Gerücht auf Anfrage jedoch weder bestätigen, noch dementieren.

Wer für seinen LTE-Zugang unbedingt eine FRITZ!Box nutzen will, kann so einen LTE-Router auch bald bei einem AVM-Fachhändler kaufen, meint auch Pressechef Urban Bastert von AVM aus Berlin (hk).

¹ Handy-Flat: Telefonflat ins deutsche Festnetz sowie 1&1-Mobilfunknetz; in andere nationale Mobilfunknetze fallen 9,9 Cent/Minute an.
² Handy-Flat & Internet: Wie Handy-Flat, aber zusätzlich mobile Surfflat (bis 7200 kBit/s, ab 250 MByte/Monat 64 kBit/s).