DGPPN-Positionspapier
Burnout ist nicht immer Folge der Arbeitsbelastung

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Das Thema Burnout beschäftigte wochenlang die Menschen in Deutschland, oft verbunden mit Klagen über zu hohe Anforderungen im Arbeitsleben und der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen. Stimmt das oder handelt es sich bei Burnout lediglich um eine Modekrankheit ohne ernsten Hintergrund? Mit einem Positionspapier versucht nun die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) die Debatte zu versachlichen. Sie warnt davor, die Zusammenhänge allzu sehr zu vereinfachen.

Die Fachgesellschaft DGPPN mahnt: So sehr die breite öffentliche Diskussion um das Thema Burnout und um schädliche psychosoziale Bedingungen der modernen Arbeitswelt aus ihrer Sicht auch zu begrüßen sei, so sehr müsse doch auch vor Missverständnissen und irreführenden Sichtweisen gewarnt werden. In ihrem Positionspapier kritisiert die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft deshalb den unkritischen Gebrauch des Begriffs Burnout für psychische Störungen, die im Zusammenhang mit einer Arbeitsbelastung stehen.

Diese allumfassende Anwendung des Begriffs habe zwar zu einem offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen geführt. Betroffenen falle es erkennbar leichter, ohne Scham über ihre psychischen Erkrankungen zu sprechen. Aber oftmals werde Burnout mit der schweren und nicht selten lebensgefährlichen Krankheit der Depression gleichgestellt. Damit drohe eine besorgniserregende Unter- oder Fehlversorgung der Betroffenen, heißt es in dem Positionspapier.

Burnout ist gemäß der Internationalen Klassifikation (ICD-10) von Erkrankungen keine medizinische Diagnose und das wird sich laut DGPPN bei der anstehenden Revision der Klassifikation auch nicht ändern. Burnout wird lediglich im Anhang der Klassifikation als einer der „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“ erwähnt.

Dennoch habe Burnout für Diagnostik und Therapie eine mehrfache Bedeutung, so die Experten: Burnout könne zu Erkrankungen wie Depression, Alkoholmissbrauch, Angststörungen, chronisches Schmerzsyndrom, Tinnitus, Bluthochdruck oder chronische Infektionskrankheiten führen. Er könne aber auch ein Frühsymptom oder eine Folge von Krankheiten wie beispielsweise Psychosen, Multipler Sklerose oder Tumorerkrankungen sein. Nur durch eine gründliche medizinische Untersuchung könne eine zugrundeliegende Krankheit erfasst und gezielt behandelt werden.

Ist Burnout Auslöser einer psychischen oder somatischen Erkrankung sollte in der dann indizierten Therapie die Belastung am Arbeitsplatz allerdings noch stärker als bisher berücksichtigt werden. Die Betriebe müssten daher mehr als bisher auf „psychisch gesunde“ Arbeitsplätze achten, fordern die Experten. Dafür sei es nötig, die Position von Betriebsärzten zu stärken. Wie in den meisten anderen europäischen Ländern sollten nach Meinung der Fachgesellschaft auch in Deutschland gesetzliche Regelungen zum Schutz vor gesundheitsgefährdendem psychischem Stress erfolgen. Psychische Belastungen am Arbeitsplatz seien medizinischen Risiken von Lärm, Licht, Vibrationen oder Toxinen gleichzustellen.

In der medizinischen Forschung wurde der Risikofaktor „psychisch ungesunder Arbeitsplatz“ bisher kaum untersucht, klagt die Gesellschaft. Das Thema „Psychische Krankheit und Arbeitsplatz“ müsse deshalb auch Gegenstand einer breit angelegten wissenschaftlichen Forschungsinitiative der Bundesregierung werden.

Das vollständige Positionspapier der DGPPN steht per PDF-Download kostenfrei im Internet bereit. (Quelle: DGPPN /ml)