Kommentar
Studie über junge Muslime erregt die Deutschen

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Eine Studie des Bundesinnenministeriums zum Integrationswillen junger Muslime erhitzt seit heute die Gemüter der Deutschen. Im Fokus der Diskussion steht das Ergebnis, dass unter nichteingebürgerten jungen Muslimen jeder Vierte eine Integration ab­lehnt. Zahlreiche Politiker und Organisationen be­fürchten, das Studienergebnis werde die Integrations­probleme noch verstärken. Manche halten die Veröf­fentlichung bereits für schädlich. Dabei fehlt es viel­mehr an konstruktiven Lösungsvorschlägen für die wissen­schaftlich belegte Schräglage. Gefragt ist vor allem auch die Wirtschaft.

So weisen schon frühere Studien zur Situation junger Migranten in eine deutliche Richtung: Religiöser Fanatismus bis hin zum Terrorismus – nicht nur im Islam – findet vor allem dort seinen Nährboden, wo andere Perspektiven fehlen. Dementsprechend sollte darüber diskutiert werden, den jungen Migranten positive Leitbilder und berufliche Perspektiven näher zu bringen, statt darüber, ob man die Probleme nicht lieber totschweigen sollte.

Vor allem die mittelständischen Betriebe können viel dazu beitragen, auch weniger gut ausgebildeten Jugendlichen eine Perspektive zu vermitteln. Schon jetzt ist der Mittelstand einer der wirksamsten, wenn nicht sogar der wirksamste gesellschaftliche Integrator und Vermittler in Deutschland, der als einziger Wirtschaftsbereich quer über alle Bildungsschichten hinweg attraktive Berufsperspektiven – und damit auch Aufstiegschancen – anbieten kann.

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob sich die Wirtschaft das Problem der muslimischen Jugendlichen zueigen macht und damit ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung auch in diesem Bereich stellt. Letztlich würde sie angesichts des demografischen Wandels ohnehin am meisten von der Mobilisierung und Eingliederung der jungen Muslime in unsere Gesellschaft profitieren, denn religiöser Fanatismus ist kein Zeichen mangelnder Bildungsfähigkeit, sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Betreffenden bereit sind, sich für gemeinsame Ziele und Werte zu engagieren. Sie müssen solche Ziele außerhalb religiöser Heilswelten nur gezeigt bekommen und sehen können.

Die im Auftrag des Bundesinnenministeriums entstandene Studie Lebenswelten junger Muslime in Deutschland steht per Download kostenfrei im Internet bereit. (Quelle: BMI/ml)