Wire und Tube 2012
Drähte und Rohre sind ergiebige Forschungsfelder

Ob in filigranen Brillen, als lebensrettende Überrollbügel im Sportwagen oder hunderte Meter tief auf dem Meeresgrund in Gestalt von Pipelines für wichtige Rohstoffe – Rohre und Drähte bestimmten unser tägliches Leben. Es sind „die stillen Helden in unserem Alltag“. Die einst geheime Kunst der Drahtzieher und die Technik der Rohrwalzen nimmt man heute zwar für selbstverständlich, doch das Feld ist ständig offen für neue Innovationen.

Bis zu hundert Spiralfedern pro Minute produziert z.B. die Weltneuheit der Wafios AG aus Reutlingen, die momentan im Rahmen der Parallelmessen von Wire und Tube in Düsseldorf ausstellt. Aus bis zu 11 mm breitem Stahlband entstehen so Federn, die in Uhrwerken oder Türklinken zum Einsatz kommen, sagt Vorstand Dr. Uwe-Peter Weigmann:

„Immer, wenn Sie die Klinke betätigen, dann wird ja die Klinke hinterher wieder hochgestellt. Und dort befinden sich solche Spiralfedern, die dafür sorgen, dass die Klinke wieder in die richtige Position geht. Im kleinen Bereich haben Sie diese Federn in Uhren oder in Pkw, um dort letztlich Gurte oder Ähnliches in Bewegung zu versetzen.“

Eine ganz andere Anwendung findet am und im Ozean statt. Dort ist die herkömmliche Methode, Offshore-Windkraftanlagen im Meeresgrund zu verankern, mit bis zu 200 dB deutlich lauter als ein startender Düsenjet: Große Rammen treiben Rohre mit 6 m durchmesser in den Boden – und schaden dabei den empfindlichen Sinnesorganen vieler Meeresbewohner. Eine neue Technik verzichtet nun auf das lautstarke Hineinrammen und setzt auf schlankere Lösungen. Die Anlagen werden jetzt sozusagen im Meeresgrund verdübelt – und das ist laut Hersteller sogar kostengünstiger. Dazu Daniel Paschke von Vallourec & Mannesmann:

„Dadurch, dass wir mit Bohrungen arbeiten, brauchen wir noch nicht mal mehr aufwändige Bodenanalysen durchzuführen, sondern die Bohrungen haben die Möglichkeit, durch sämtliche Gesteinsschichten zu arbeiten, und somit können wir dem entgehen. Wir sparen also Geld, nicht nur im Sinne der ganzen Vorbereitungen, sondern auch Material. Alles das, was im Vorfeld geschieht, kann mit der neuen Lösung wesentlich einfacher, schneller und besser durchgeführt werden.“

Mit rund 75 dB ist dieser Bohrvorgang nur etwa so laut wie ein vorbeifahrendes Auto. So ist der umweltfreundliche Strom aus Windenergie nicht nur klimaneutral, sondern jetzt auch beim Aufbau weniger schädlich für die Unterwasserwelt. (mtx)