Mittelstand
Erst eigene Gründungen verbessern die Frauenquote

Frauenanteil an Top-Führungspositionen in Großunternehmen, © IfM Bonn
Frauenanteil an Top-Führungspositionen

Während der Bundestag eine Frauenquote von 30 % in den großen Aufsichtsräten beschließt, legt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn neue Studienergebnisse zum Anteil weiblicher Führungskräfte in großen Unternehmen vor. Im Vergleich mit Unternehmen, bei denen Manager an der Spitze sind, stehen die großen Familienunternehmen (die das IfM zum Mittelstand zählt) besser da: Hier sitzen immerhin 7,5 % Frauen in den Vorstandsetagen. Bei den managergeführten Unternehmen sind es nur 4,9 %.

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Das IfM Bonn hat für die Untersuchung „Frauen in der Unternehmensführung – Gelangen Frauen in Familienunternehmen häufiger in Top-Positionen?“ die Daten von 6575 großen Unternehmen aller Wirtschaftszweige ausgewertet. (In der Mehrheit betrifft sie der Gesetzentwurf der Bundesregierung.) Im gewählten Segment ist der Handlungsbedarf noch größer als bei Betrachtung der wirtschaftsübergreifenden Zahlen, die der Bundesregierung als Grundlage dienen: Nur in 15 % der großen Unternehmen schafft es eine weibliche Führungskraft in die Unternehmensspitze. Zwei oder mehr Frauen im Top-Management gibt es gar nur bei 1,3 %.

Selbst bei familiengeführten Unternehmen zeigt sich, dass im Zuge der Nachfolge kaum Frauen aus der Eigentümerfamilie in die Spitze nachrücken. Dabei ist die Familie „in starkem Maße daran interessiert, die Kontrolle im und über das Unternehmen zu behalten. Dies gelingt am besten, wenn sie selber oder Familienmitglieder die Unternehmensführung übernehmen“, konstatiert Dr. Rosemarie Kay, stellvertretende Geschäftsführerin des IfM Bonn.

Der Königsweg scheint für Frauen bislang die eigene Unternehmensgründung zu sein. Gehören Frauen zu den Gründern und damit zu den Eigentümern, sind sie quasi automatisch auch in der Unternehmensführung. (Genau dieses „Kriterium der Einheit von Eigentum und Leitung“ unterscheidet die Mittelstandsdefinition des IfM von anderen Abgrenzungsversuchen.) Als Konsequenz daraus mahnt Dr. Rosemarie Kay daher eine gezielte Förderung an:

„Eine Frauenquote reicht alleine vermutlich nicht aus, um den Frauenanteil in den großen Unternehmen spürbar zu erhöhen. Flankierend könnte die Mittelstandspolitik Anreize setzen, die hoch qualifizierte Frauen stärker als bisher dazu veranlasst, Unternehmen in wachstumsträchtigen Branchen zu gründen. Auf diese Weise könnten Unternehmen entstehen, die mittelfristig in die Kategorie der Großunternehmen hineinwachsen und in denen Frauen an der Spitze stehen.“

Wer sich genauer über die Mechanismen informieren möchte, die zur Zusammensetzung der Unternehmensspitze führen, ist mit dem IfM-Gutachten „Auf dem Weg in die Chefetage – Betriebliche Entscheidungsprozesse bei der Besetzung von Führungspositionen“ (IfM-Materialien Nr. 170) gut beraten, das Dr. Rosemarie Kay 2007 für Nordrhein-Westfalen erstellte. Als partielles Update dazu ist der Materialienband Nr. 199 von Ljuba Haunschild und Hans-Jürgen Wolter zu verstehen: „Volkswirtschaftliche Bedeutung von Familien- und Frauenunternehmen“ (2010). Beide gibt es beim IfM Bonn kostenfrei als PDF zum Download. (Quelle: IfM Bonn/red)