Kompliment ans Marketing
Etwas über Apple, Differential Privacy und die Sache mit den Daten

Axel Oppermann, © A. Oppermann

Alle wollen deine Daten! Zumindest fast alle der großen Mega-Tech-Hyper-Super-Social-Cloud-Mobile-Follower-Anbieter wollen deine Daten. Google, Facebook, Microsoft und andere brauchen die Informationen der Konsumenten – der Menschen –, um ihre Algorithmen zu füttern und stärker zu machen. Sie erhoffen sich davon, dich als Menschen besser kennenzulernen, dein Verhalten vorherzusagen und dieses Wissen im besten Falle zu monetarisieren. Nebenbei verkaufen sie ihre Algorithmen, ihre kognitiven intelligenten APIs und smarten Services. Nun auch Apple. Der Konzern hat angekündigt, Differential Privacy für die Analyse von Kundendaten zu nutzen. Ist Apple mit dieser Strategie besser als Google, Microsoft oder Facebook?

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Doch mit den Daten ist es so eine Sache. Auch wenn kaum noch jemand seine (digitale) Privatsphäre schützt, reagieren einige Menschen auf die Verarbeitung ihrer Daten sensibel. Daten schaffen es, auch Menschen auf die Barrikaden zu bringen, die sich zuvor nicht sonderlich für Datenschutz interessiert haben. Kurzum: Privacy ist ein Thema. Daher positionieren sich auch sehr viele Anbieter von IT und Digitalem mit dem vermeintlichen Schutz des ach so hohen Gutes Privacy.

Bis jetzt war Apple in der Vorreiterrolle, wenn es um den Schutz der Privatsphäre seiner Kunden ging, zumindest wurde das den Kunden suggeriert. Starkes Marketing – gute Positionierung gegen die Wettbewerber. Nicht mehr und nicht weniger. Im Marketing-Sprech klingt das dann ungefähr so: ‚Ja, unser Ziel ist es, tolle Produkte zu verkaufen.‘

Aber gerade diese tollen Produkte müssen natürlich ebenfalls weiterentwickelt werden. Eine Auswertung des Nutzungsverhaltens der Apple-User ist dafür ein probates Mittel. So ist das halt. Kannste gut finden, musste aber nicht. Wird aber trotzdem so gemacht.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass es gerade jetzt, wo zwar noch immer Milliarden verdient werden, aber die Wachstumsgeschichte nicht mehr stimmt und so langsam das Talent ausgeht, gilt, neue Umsatzquellen zu erschließen. Scheiß auf Marketing, scheiß auf den Kunden, scheiß auf den letzten Funken von Moral und Ethik! Gesagt, getan. Da das Image also eh schon ruiniert ist, steigt Apple in die Verarbeitung der Daten der Kunden ein.

So richtig will man sich die Finger aber noch nicht schmutzig machen. Die eigene Weste soll ja zumindest weißer bleiben als die der Konkurrenz. Rückschlüsse aus dem Verhalten und den Kommunikationsgewohnheiten der einzelnen Nutzer sollen nicht gezogen, sondern es sollen den Kunden lediglich nützlichere Empfehlungen angeboten werden. Frei nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Eigentlich will man alles über den Anwender wissen, aber dann irgendwie doch nicht – jedenfalls nicht auf Ebene des Individuums, wenigstens nicht sofort und schon gar nicht öffentlich. Und des Weiteren … Ach, machen wir es kurz: Apple nutzt Differential Privacy. Das Konzept, bei der Verarbeitung von Daten die Privatsphäre des Einzelnen zu bewahren, ist bereits seit Längerem bekannt. Es geht dabei darum, so viel wie möglich über eine Zielgruppe zu lernen, andererseits aber nichts über einzelne Personen zu erfahren. (Wie das geht, erklärt ein eigener Schwerpunktbeitrag.)

Damit kann Apple kommunizieren, dass es die derzeit beste Lösung zum Schutz privater Daten einsetzt. Von Apple ist wohl zu erwarten, dass die Verfremdung der Daten und auch die Umsetzung eines Algorithmus der die Privatsphäre bewahrt, mit viel Aufwand und konsequent implementiert wird. Jedenfalls zunächst. Solange bis der Hunger, die Gier noch größer wird. Ganz nach dem Motto: Wer einmal dran geleckt, der weiß, wie’s schmeckt!

Jedenfalls: Was Apple hier abzieht, ist gutes Marketing. Andere Unternehmen sollten dem Beispiel folgen und nicht nur auf Algorithmen setzen, sondern auch auf Definitionen. Ein grundsätzlich gut genordeter moralischer Kompass kann auch nicht schaden. (Axel Oppermann)