Edge Computing
Satelliten­daten trei­ben das IoT an den Rand des Weltraums

Copernicus ist nicht nur „das ehr­geizigste zivile Erd­beobachtungs­programm aller Zeiten“ (Euro­päische Union), sondern auch ein milliarden­schweres Inno­va­tions­programm: Stand 6. Juni 2018 sieht der EU-Haus­halts­vorschlag vor, 2021–2027 ins­ge­samt 16 Milliar­den Euro in die Welt­raum­programme zu investieren.

Davon sollen 9,7 Milliarden Euro auf die Satellitennavigationssysteme Galileo und EGNOS entfallen, 5,8 Milliarden Euro auf Copernicus. Zugleich sollen die bestehenden Anstrengungen zu einem übergreifenden neuen Weltraumprogramm zusammengefasst werden. Hintergrund dieses Haushaltsvorschlags ist zum einen das empfindlicher gewordene europäische Sicherheitsbedürfnis, das die „strategische Unabhängigkeit Europas ist im Hinblick auf kritische Infrastrukturen, Technologie, Sicherheit und Verteidigung“ als Priorität erkannt hat. Zum anderen führt die Union wirtschaftliche Argumente ins Feld: „Mehr als 10 % des BIP der EU sind bereits von weltraumgestützten Diensten abhängig“, sagt Kommissionsvizepräsident Maroš Šefcovic. Zu den konkreten Zielen gehört daher auch die Förderung von innovativen Start-ups aus der Weltraumbranche, die im Rahmen des InvestEU-Programms leichteren Zugang zu Risikokapital erhalten sollen. Insofern darf man erwarten, dass auch die DIAS-Dienste weiter ausgebaut werden, die Unternehmen den Zugang zu den Copernicus-Daten möglichst einfach machen.

Dass die Telekom hier bereits den Fuß in der Tür hat, dürfte für das größte TK-Unternehmen Europas aber auch mit Blick auf Galileo und EGNOS interessant sein. Während Copernicus vor allem für Klimadaten wichtig ist, geht es bei der Satellitennavigation um die nächste technologische Zukunft: um Infrastrukturen für autonome und vernetzte Fahrzeuge und um das Internet der Dinge. Und an diesem Ende schließt sich für die Telekom der Kreis – denn genau auf diesen Feldern ist sie mit NarrowBand-IoT und vor allem dem Mobilfunkstandard 5G bereits höchst aktiv. Ebenso wichtig ist die Nachricht aber für Edge-Ausrüster und -Lösungsanbieter. Denn den immensen Datenverkehr solcher Mobilitätsszenarien werden zentrale RZ gar nicht stemmen können. Es zeichnet sich bereits ab, dass der Löwenanteil der Rechenleistung in modularen, kompakten Kleinrechenzentren im Feld stattfinden wird. Entsprechende Micro Datacenter gibt es bereits, unter anderem von Dell, HPE und Rittal. Auf der Cebit 2018 hat zuletzt Delta aus Taiwan sein modulares Edge-Konzept präsentiert.