Forschung und Entwicklung
Hidden Champions wachsen im richtigen Klima

© Warren Wong – Unsplash

Das Institut für Mittelstands­forschung (IfM) Bonn und der Förder­kreis Gründungs-Forschung e.V. (FGF) haben ihre Reihe „Mittel­stand aktuell“ zum Jahres­ende 2019 in „Unter­nehmer­tum im Fokus“ um­benannt. Die Stoß­richtung ist die­selbe geblie­ben: wirt­schafts­wissen­schaft­liche Er­kennt­nisse in konkrete Politik­empfehlungen zu über­setzen. Die erste Aus­gabe 2020 be­schäf­tigt sich mit den Hidden Champions.

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Hidden Champions sind die „heimlichen Helden“ des Mittelstands: schnell wachsende familiengeführte Unternehmen, die zwar nicht börsennotiert sind, aber gleichwohl international erfolgreiche Marktführer in ihrem Segment. Michael Holz, Dr. Susanne Schlepphorst und Dr. Nadine Schlömer-Laufen vom IfM Bonn haben sich bereits in einem früheren Working Paper mit diesem Thema beschäftigt (03/16: „Determinants of hidden champions – Evidence from Germany“). Das Unternehmertum-im-Fokus-Papier „Worauf der Erfolg der Hidden Champions beruht“ ist nun das Abstract eines Aufsatzes, der für den Themenband entstanden ist, den Prof. Dr. Jan-Philipp Büchler von der FH Dortmund zusammen mit Dr. Di Deng von der Jinan University in Guangzhou demnächst bei Springer Gabler herausgibt („Global Compendium of Hidden Champions“).

Holz, Schlepphorst und Schlömer-Laufen machen vier Faktoren aus, die Hidden Champions von vergleichbaren Unternehmen unterscheiden: 1. die Internationalisierung, 2. FuE-Aktivitäten, 3. eine zielstrebige, auf Marktanteile ausgerichtete Wachstumsstrategie sowie 4. stetig verbesserte, technologiegestützte Prozesse. Dass darüber hinaus eine gewisse Größe nötig ist, um international marktführend zu werden, versteht sich fast von selbst. Bemerkenswert ist dagegen der abermals bestätigte Befund, dass öffentliche Fördermittel direkt keine Rolle spielen.

„Konkret bedeutet das: Bereits als Hidden Champions etablierte Unternehmen legen keinen besonderen Wert auf öffentlich zugängliche Fördermittel.“

Vielleicht haben Hidden Champions Fördermittel schlicht nicht nötig, vielleicht passen die Förderprogramme aber auch nicht zu den speziellen Bedürfnissen dieser Unternehmensklasse. Relevant ist das insofern, als Deutschland eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Hidden Champions aufweist, speziell in Nordrhein-Westfalen. (Vorwerk, devolo und weitere Beispiele beschreibt z.B. Büchlers „Fallstudienkompendium Hidden Champions“). Daraus ergibt sich die praktische Frage, wie diese Spitzenstellung zu halten bzw. noch auszubauen wäre.

Eine wichtige Rolle spielen offenbar die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Hierzu zählt etwa das duale Ausbildungssystem, aber auch die (halb-)öffentlichen FuE-Einrichtungen, die Auslandshandelskammern, die Industrie- und Handelskammern und Germany Trade & Invest (GTAI) gehören dazu. Als Beispiele für die Unterstützung bei Technologietransfer, (Grundlagen-)Forschung und Entwicklung nennt das Papier die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft sowie die Max-Planck-Gesellschaft.

Die daraus abgeleiteten Empfehlungen zielen entsprechend auf diese Rahmenbedingungen. Gerade die (halb-)öffentlichen Unterstützungseinrichtungen sollten „zielgenaue Angebote“ entwickeln, damit Unternehmen anstehende Herausforderungen wie die Digitalisierung oder den Fachkräftemangel bewältigen können. Das Fazit hebt hervor, dass diese Angebote im Gegensatz zur Einzel- oder Konsortialförderung „grundsätzlich allen interessierten Unternehmen für ihre jeweilige Entwicklung zur Verfügung stehen“. Empfehlenswert seien „regionale Kompetenzzentren“ – das entspricht der Beobachtung, dass Hidden Champions „sowohl regional verwurzelt als auch gezielt auf ausländischen (Nischen-)Märkten unterwegs“ sind. Das IfM hat diesen Erfolgsfaktor andernorts unter dem Label „Glocalisation“ gefasst.

Künftige Hidden Champions bereits in der Frühphase ihrer Entwicklung gezielt zu fördern, sei dagegen kaum möglich, da sich die Kandidaten praktisch nicht identifizieren ließen. Dagegen könne die Politik durch „eine Außenwirtschaftspolitik, die langfristig stabile, positive Rahmenbedingungen und Planungssicherheit gewährleistet“, viel dazu beitragen, ihren Hidden Champions die nötige Handelsfreiheit zu sichern.