Digitale Agenda

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Schönreden hilft nicht

© Julien Eichinger – Fotolia

Von Oliver Schonschek

Man muss nicht immer einer Meinung sein, denn Widerspruch tut manchmal gut. Doch in wichtigen Fragen gilt es, eine gemeinsame Sicht zu erzielen. In der IT-Branche scheint dies nicht der Fall zu sein, wenn es um die Umsetzung der Digitalen Agenda der Bundesregierung geht. So meldet einerseits der Digitalverband Bitkom, dass die Digitale Agenda der Bundesregierung nach zwei Jahren zu großen Teilen umgesetzt sei. Der Verband der Internetwirtschaft eco jedoch sieht dies anders und erklärt in seiner Bewertung, dass ein Jahr vor der Bundestagswahl ein Großteil der Vorhaben zur Digitalen Agenda noch nicht umgesetzt seien.

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Das Thema der Digitalen Agenda ist allerdings zu wichtig, als es darauf beruhen zu lassen, dass Verbände nun einmal verschiedene Sichtweisen haben können. Immerhin umfasst das Aktionsprogramm der Bundesregierung konkrete Maßnahmen, die entweder umgesetzt sind oder eben nicht. Es geht um digitale Infrastrukturen, um die Digitalisierung der Wirtschaft, um digitales Arbeiten, um digitale Lebenswelten, um Bildung, Forschung, Kultur und Medien, um Sicherheit und Vertrauen im Internet und um europäische sowie internationale Aspekte der Digitalisierung.

Digitalisierung verlangt Klarheit und Transparenz

Damit die Wirtschaft in Deutschland wirklich die Vorteile der Digitalisierung realisieren kann, müssen die Maßnahmen der Digitalen Agenda so umgesetzt sein, dass Klarheit darüber herrscht, wie die Unternehmen dies für sich nutzen können. Wenn schon die Verbände den Stand der Umsetzung so unterschiedlich sehen, scheint es an der Transparenz etwas zu hapern. Offensichtlich ist es, dass Ziele wie „Schnelles Internet für alle. Überall“ noch lange nicht erreicht sind. Das zeigt nicht nur der Blick auf die Digitalisierung im ländlichen Raum.

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Oliver Schonschek bewertet als News Analyst auf MittelstandsWiki.de aktuelle Vorfälle und Entwicklungen. Der Fokus liegt auf den wirtschaftlichen Aspekten von Datenschutz und IT-Sicherheit aus dem Blickwinkel des Mittelstands.

Umfragen zur Digitalisierung zeigen ebenfalls, dass Maßnahmen aus der Digitalen Agenda noch nicht umgesetzt sind oder aber (noch) nicht greifen. Accenture zum Beispiel kommt zu dem Schluss, dass es noch zu wenige Unternehmen gibt, die digitale Geschäftsmodelle konsequent nach einem strukturierten Plan aufbauen. Laut Arthur D. Little schwächeln knapp 80 % der deutschen Unternehmen bei der Digitalisierung. Der Großteil der befragten Unternehmen sei nicht reif für die Digitalisierung, so der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Eine Bitkom-Studie zeigt, dass viele Unternehmen unzureichend auf den digitalen Wandel vorbereitet sind. Gut ein Viertel (28 %) hat noch immer keine Digitalstrategie. Der deutsche Mittelstand schöpft die Potenziale der Digitalisierung bisher nicht aus, findet auch KfW Research. Zudem meldet der DGB, die Digitalisierung führe zu einer hohen Belastung der Arbeitnehmer.

Jedes Unternehmen braucht seine Digitale Agenda

Die Politik ist somit weiterhin in der Pflicht, die Wirtschaft bei der Digitalisierung zu unterstützen. Dazu reicht es aber nicht, dass die Bundesregierung ihr Aktionsprogramm mehr oder weniger gut abarbeitet. Jedes einzelne Unternehmen muss eine eigene Digitale Agenda aufstellen und kann dafür durchaus die Vorgaben der Bundesregierung als Blaupause nehmen. Die Punkte, die von der Politik bereits umgesetzt sind, sollten geprüft und entsprechend dem eigenen Bedarf auch genutzt werden.

Die Punkte, die bei der Bundesregierung noch offen sind, sollten eingefordert werden, aber auch als eigene Lücken erkannt werden. Es reicht nicht, auf die Bundesregierung zu warten, sondern es besteht Handlungsbedarf im eigenen Unternehmen. Dies wird besonders deutlich im Bereich der digitalen Sicherheit. Hier steht fest: Die Angreifer warten nicht auf die Umsetzung der Digitalen Agenda, die Unternehmen dürfen dies auch nicht tun.

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