Prof. Peter v. Mitschke-Collande

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eBusiness-Lotsen sind Sparringspartner für Firmen

M. Tüxen

Peter von Mitschke-Collande ist emeritierter Professor der Leibniz Universität Hannover. Der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler gründete einen der ersten berufsbegleitenden Studiengänge für Fach- und Führungskräfte – das Weiterbildungsstudium Arbeitswissenschaft, als dessen Institutsleiter er bis zum Ruhestand fungierte. Heute engagiert er sich als Projektkoordinator des eBusiness-Lotsen Hannover, das eines von 38 „Infobüros für Unternehmen“ des bundesweiten eKompetenz-Netzwerks ist. Das Vorhaben wird im Rahmen der Förderlinie Mittelstand-Digital zu 100% durch das BMWi finanziert. Dabei wollen Collande und sein Team vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen Hilfe zur Selbsthilfe geben und durch Wissenstransfer deren IT-Kompetenzen stärken: „Es gibt keine praktische Einzelberatung, aber Impulse, die einen roten Faden hinterlassen.“

MittelstandsWiki: Die Arbeit der eBusiness-Lotsen ist für die Unternehmen kostenlos. Stellt das nicht eine verbotene Beihilfe dar?

Prof. Peter von Mitschke-Collande Nein. Das das tut es nicht. Wir sind ja keine IT-Dienstleister und führen keine klassische IT-Beratung durch. Wir organisieren öffentliche Veranstaltungen, wie z.B. zum Thema soziale Netzwerke, moderieren Arbeitskreise mit mehreren Unternehmern, veröffentlichen Best-Practice-Beispiele und geben in einstündigen Gesprächen Hilfe zur Selbsthilfe.

MittelstandsWiki: Wie sieht diese Hilfe zur Selbsthilfe aus?

Prof. Peter von Mitschke-Collande Die Unternehmer, die zu uns kommen, spüren meist, dass sie ein Problem haben, können es aber nicht konkret benennen. Wir bieten uns als Sparringspartner an und helfen ihnen, ihre Situation zu reflektieren. Danach sind sie gewöhnlich in der Lage, das Problem nach Ursache und Wirkung einzuordnen, den Einsatz von IT-Lösungen zu reflektieren und sich die entsprechende Hilfe zu holen.

MittelstandsWiki: Die Unternehmen haben doch ganz unterschiedliche Probleme und brauchen deshalb in IT-Fragen auch ganz unterschiedlich geschulte Sparringspartner. Wie wollen Sie vor dem Gespräch feststellen, wer der richtige ist?

Prof. Peter von Mitschke-Collande Wir haben uns tatsächlich lange Gedanken darüber gemacht, wie ein Unternehmen so tickt und wie wir diesen Wust an Technikfragen sortieren. Dabei haben wir festgestellt, dass Unternehmer IT-Lösungen meist für die Bereiche Kundenkommunikation, Personalmanagement oder Ablaufoptimierung suchen. Deshalb richtet der eBusiness-Lotse Hannover sein Informationsangebot auf diese drei Handlungsfelder aus.

MittelstandsWiki: Welche Probleme tauchen am häufigsten auf?

Prof. Peter von Mitschke-Collande Wir befinden uns inmitten einer großen gesellschaftlichen Umbruchphase. Das Internet, die sozialen Netzwerke und die mobilen Technologien haben das Konsum- und das Freizeitverhalten vieler Menschen komplett verändert. Dies bringt auch Unternehmen in Zugzwang. Viele Kunden wollen heute einfach auf Facebook angesprochen werden. Oder denken Sie an die Nachwuchsrekrutierung. Viele Unternehmen setzen noch immer auf das klassische Stelleninserat in der Zeitung. Damit erreichen sie die jungen Menschen aber immer weniger. Die suchen doch zum Großteil im Internet; auf sozialen Netzwerken.

Der Mittelstand steht vor dem Problem, dass er oft keine Zeit für solche strategische Planungen hat. Er ist stark im Tagesgeschäft eingebunden. Wir versuchen hier zu helfen und bieten Veranstaltungen zu diesen Themen an, organisieren Arbeitskreise, um so die innovativen Kompetenzen zu mobilisieren.

MittelstandsWiki: Wie sehen diese Arbeitskreise aus?

Prof. Peter von Mitschke-Collande Mit diesem Format versuchen wir, verschiedene Unternehmen zusammenzuführen, die dann an sieben oder acht Terminen gemeinsam an einem Thema arbeiten. Aktuell moderieren wir einen Arbeitskreis, in dem u.a. ein Möbeltischler, ein Steinmetz, ein Caterer und ein Institutsvertreter daran arbeiten, wie die Homepage das Marketing ihrer Organisation unterstützen kann. Die Beteiligten befinden sich zwar auf unterschiedlichen Entwicklungsständen, aber sie profitieren gleicherweise von dem Erfahrungsaustausch und von den Inputs des eBusiness-Lotsen. Der Arbeitskreis findet abwechselnd in den verschiedenen Unternehmen statt. Am Ende soll jeder Teilnehmer erste Schritte für die IT-Strategie der eigenen Firma entwickeln. Es gibt keine praktische Einzelberatung, aber Impulse, die einen roten Faden hinterlassen.

MittelstandsWiki: Caterer und Steinmetze sind keine Wettbewerber. Direkte Konkurrenten werden sie wohl kaum dazu bringen, sich gegenseitig ihre Schwächen einzugestehen.

Prof. Peter von Mitschke-Collande Das dachten wir zunächst auch. Es gibt aber Bereiche, in denen selbst Wettbewerber von einer Zusammenarbeit profitieren. Hier in Niedersachsen haben sich z.B. ein paar Unternehmen zu einem Ausbildungsbund zusammengeschlossen. Sie konkurrieren zwar noch immer um die gleichen Nachwuchskräfte. Aber sie haben sich gesagt, dass ein größerer Bewerberpool allen nutzt. Die Lasten verteilen sich dabei auf mehrere Schultern.

MittelstandsWiki: Und wie erreichen Sie die Unternehmen? Sie sagen ja selbst, dass der Mittelstand stark in den Alltag eingebunden ist und wenig Zeit hat, über Strategien nachzudenken.

Prof. Peter von Mitschke-Collande Neben den bereits skizzierten Veranstaltungen bieten die beiden beteiligten Hochschulen, das Institut für Marketing und Management der Leibniz Universität Hannover und die Fakultät Wirtschaft und Informatik der Hochschule Hannover, auch ihre Praktika und Studienarbeiten als Formate des Wissenstransfers an. Sie schicken jedes Semester Studententeams in die Unternehmen, damit sie im Rahmen ihrer Ausbildung ein Betriebsprojekt, z.B. zur Prozessoptimierung durch IT-Einsatz, durchführen. Die Studenten dokumentieren ihre Arbeit per Video und wir veröffentlichen sie als Best-Practice-Beispiele zum Nutzen anderer Unternehmen auf unserer Webseite http://ebusiness-lotse-hannover.de/.

Unternehmen werden aber auch indirekt erreicht; so wenden wir uns an verschiedene Multiplikatoren, wie den VDI, die Berater der beteiligten Handwerkskammern und der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie an Berufsschullehrer. Über sie kann der Transfer des aktuellen IT-Wissens nachhaltig gestärkt und beschleunigt werden.

Das Erfolgsrezept des eBusiness-Lotsen Hannover ist also darin zu sehen, dass wichtige Player aus Unternehmen, Verbänden, Kammern sowie aus der beruflichen und wissenschaftlichen Bildung als Konsortium zusammenarbeiten. Damit werden die Kräfte gebündelt, die zur innovativen Gestaltung des digitalen Wandels in Niedersachsen nötig sind.

Das Interview führte Sabine Philipp.

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