Messestandorte München, Nürnberg und Augsburg

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Nürnberg will nicht nur spielen

© Thomas Plettenberg – Messe München

Von Dirk Bongardt

Kein Bundesland empfängt mehr auswärtige Besucher als Bayern. Das ist sicher auch dem Oktoberfest geschuldet, der einladenden Landschaft und dem breiten touristischen Angebot. Der Süden Deutschlands ist zugleich aber auch die Heimat einer ganzen Reihe international bedeutender Technologiemessen.

München: Baumaschinen, Logistik und Internet

Die bayerische Landeshauptstadt kann es als Messestandort durchaus mit dem nördlichen Wettbewerber Hannover aufnehmen. Zwar ist die Systems – zu ihren besten Zeiten der Cebit ebenbürtig – lange tot. Mit der bauma ist in München aber eine der vier größten Messen Deutschlands zu Hause, nach Angaben der Ausrichter sogar die „größte Fachmesse der Welt“. Und wo die Hannover Messe Aussteller aus der gesamten industriellen Wertschöpfungskette auf eine Reihe von parallel laufenden Leitmessen verteilt, finden in München über das Jahr verteilt etliche Messen zu Themen von Elektronik über E-Commerce bis hin zur Logistik statt.

Zunächst zur bauma: Schon seit 1954 findet die Weltleitmesse für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte in München statt, seit 1998 auf dem Messegelände in Riem. Alle drei Jahre treffen sich die Größen der Branchen in München, das nächste Mal findet die Messe vom 8. bis zum 14. April 2019 statt. Zuletzt zeigten hier 3425 Aussteller ihre Produkte und Leistungen. Obwohl es sich um eine Fachmesse handelt, beschränkt sich der Zugang nicht auf Fachbesucher. Auch deshalb haben sich hier zuletzt über 580.000 Neugierige umgesehen. Die Ausrichter beziffern die Ausstellungsfläche auf 605.000 m², dazu gehören sämtliche Hallen des Messegeländes und das angrenzende Freigelände. Nur rund 37 % der Aussteller stammen aus Deutschland, die fünf am häufigsten vertretenen Ausstellerländer waren zuletzt Italien, China, die Türkei, Großbritannien und die USA.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „IT-Unternehmen stellen sich vor“. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Auch die weltweit größte Fachmesse für Logistik, Mobilität, IT und Supply Chain Management ist in München zu Hause, die transport logistic, die das nächste Mal vom 4. bis zum 7. Juni 2019 stattfindet. Sie findet alle zwei Jahre statt, die Veranstalter rechnen für das kommende Jahr mit rund 2100 Ausstellern und 60.000 Besuchern. Der Anteil von Ausstellern aus dem Ausland lag zuletzt bei 53 %, ganz vorn dabei sind die Niederlande, Italien und Belgien. Auch der Anteil ausländischer Besucher ist von 30 % in 2007 auf 44 % im Jahr 2017 gestiegen. Zuletzt sahen sich Interessierte aus 123 Ländern das Messeangebot an, das sich auf neun Hallen und das angrenzende Freigelände erstreckte. Zur Messe gehört auch ein umfassendes Konferenzprogramm mit rund 200 Expertenreferaten und -diskussionen.

Eine im Vergleich zu den vorgenannten Messen kleine, aber für ihre Branche deshalb nicht weniger bedeutende Messe ist die Internet World Expo, die das nächste Mal am 12. und 13. März ihre Tore öffnet. Dort dreht sich alles um E-Commerce, Multichannel und Online-Marketing, Logistik, Software, E-Payment, Usability und Social Media. Die Internet World gilt als Europas führende E-Commerce-Messe. Mehr als 400 Aussteller präsentieren jährlich ihre Leistungen vor einem reinen Fachpublikum, das zuletzt 17.212 Besuchern umfasste. Rund die Hälfte dieser Fachbesucher kamen aus dem Online-Handel und dem Online-Marketing, die andere Hälfte aus einem Branchenmix, zu dem Finanzdienstleister, Medienverlage, Touristikunternehmen und noch etliche weitere Branchen gehören.

Damit sind die Fachmessen in München bei Weitem nicht ausgeschöpft. Die Tage vom 16. bis 19. Juni 2020 etwa können Interessierte sich für die automatica, die „Leitmesse für intelligente Automation und Robotik“, vormerken. Noch 2018, vom 13. bis zum 16. November läuft die electronica, die Weltleitmesse und Konferenz für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Elektronik. Knapp ein Jahr danach, vom 12. bis 15. November 2019 findet am selben Ort die productronica statt, auf der es um die gesamte Prozesskette der Elektronikfertigung geht, von Verfahrenstechniken bis zur Qualitätssicherung.

MW-PLZ89-ID02-2017 itsa t 2279.jpg Starken Zulauf verzeichnen auf der it-sa in Nürnberg das Konferenzprogramm und insbesondere die Live-Hacking-Sessions. (Bild: Thomas Geiger – NürnbergMesse)

Nürnberg: Spielwaren, Automatisierung und IT-Sicherheit

Wer „Nürnberg“ sagt und von Messen redet, denkt unweigerlich an die International Toy Fair, die Spielwarenmesse. Die ist zwar nur für Fachpublikum geöffnet, ihre Neuheiten finden aber dank umfassender Begleitung durch Presse, Funk und Fernsehen den Weg in fast jedes Wohn- und Kinderzimmer. Über 2800 Aussteller präsentieren in der fränkischen Metropole ihre Neuheiten. Die Ausrichter erwarten mehr als 70.000 Besucher aus 130 Ländern, davon rund 30.000 Besucher, die nur zur Spielwarenmesse kommen. 2019, vom 30. Januar zum 3. Februar, feiert die Spielwarenmesse übrigens ihr 70. Jubiläum.

Ebenfalls rund 70.000 Besucher erwarten die Ausrichter bereits in diesem Jahr vom 27. bis 29. November zur SPS IPC Drives. Die Messe bildet nach Darstellung der Veranstalter das „komplette Spektrum der smarten und digitalen Automation ab – vom einfachen Sensor bis hin zu intelligenten Lösungen, vom heute Machbaren bis hin zur Vision einer umfassend digitalisierten Industriewelt.“ 1675 Aussteller haben zuletzt auf dem Nürnberger Messegelände ihre Angebote rund um die Automation präsentiert. Die Themen reichen von Steuerungstechnik, IPCs und elektrischer Antriebstechnik über Software und IT in der Fertigung bis hin zu mechanischer Infrastruktur und Sensorik. Parallel zur Messe findet an den ersten beiden Messetagen der Automation 4.0 Summit statt. Am ersten Messetag behandelt er die Themen „Edge Computing in der Industrie – Möglichkeiten und Grenzen“ und „TSN und OPC UA in der Industrie“; am zweiten Messetag der SPS IPC Drives geht es um die Themen „IoT-Plattformen in der Industrie“ und „Sensorik für Industrie 4.0“.

Serie: Messestandorte
Teil 1 geht gleich einmal die Schwergewichte an: Berlin und Hannover, wo IFA und Hannover Messe sich um Aussteller und Besucher bewerben. Und was wird aus der Cebit? Teil 2 blickt nach Bayern, wo die Nürnberger it-sa München ein ordentliches Stück vom IT-Kuchen weggeschnappt hat. In Augsburg könnte die Experience Additive Manufacturing etwas werden. Österreich hat seinen Schwerpunkt klar in Wien, aber auch Innsbruck oder Salzburg bieten interessante Fachmessen und -kongresse. Weitere Regionalreports sind in Arbeit.

Zu den bedeutendsten IT-Security-Messen weltweit gehört inzwischen die jährliche it-sa. Sie hat ihren Ursprung rund 170 km weiter südlich, im Security Forum der Systems München, die aber im Jahr 2008 zum letzten Mal ausgerichtet wurde. Seit 2009 findet die it-sa jährlich im Messezentrum Nürnberg statt. 2017 haben über 12.780 Fachbesucher die Messe genutzt, um sich rund um das Thema IT-Security zu informieren und auszutauschen. Insgesamt 630 Unternehmen aus 24 Ländern stellten ihre Produkte und Dienstleistungen vor. 2019 findet die nur für Fachbesucher offene Messe vom 8. bis 10. Oktober statt. Im Mittelpunkt stehen Produkte und Lösungen für die IT-Sicherheit, Angebote rund um die physische IT-Sicherheit sowie Dienstleistungen und Forschung zu diesem Themenkomplex. Zu den Highlights der vergangenen Jahre gehörten immer wieder Live-Hacking-Veranstaltungen, bei denen sich die Besucher von der Sicherheit oder Unsicherheit der im doppelten Sinne „vorgeführten“ Systeme überzeugen konnten.

Die Sicherheit von IT-Systeme ist außerdem ein wichtiges Thema, wenn in Nürnberg die Kommunale läuft. Die Fachmesse für Städte und Gemeinden samt Kongress hat in den vergangenen Jahren den Bereich Kommunalsoftware und digitale Lösungen stetig ausgebaut. Der nächste Termin ist der 16. und 17. Oktober 2019.

MW-PLZ89-ID02-Messe Augsburg 140.jpg 2018 fand erstmals die 3D-Druck-Messe Experience Additive Manufacturing statt. Die Messe Augsburg könnte sich damit dauerhaft auf diesem Innovationsfeld etablieren. (Bild: Marco Kleebauer – Messe Augsburg)

Augsburg: 3D-Druck, Aufzüge und Schleiftechnik

Unter dem Namen Experience Additive Manufacturing (EAM) hatte in diesem Jahr eine neue, anwendungsorientierte Fachmesse für additive Fertigung in Augsburg Premiere. Vom 25. bis zum 27. September kamen rund 1800 Besucher, um sich die Angebote und Leistungen von 70 Ausstellern anzusehen. AM-Neuigkeiten, Prozesse, Dienstleistungen und Produkte, vor allem in den Bereichen Mobility und Automotive, Luft- und Raumfahrt, Werkzeug- und Formenbau, Maschinen- und Anlagenbau sowie Medizin- und Dentaltechnik waren zu sehen. In Augsburg waren Aussteller aus allen drei wesentlichen Wertschöpfungsstufen der additiven Fertigung vertreten (Pre-Process, In-Process, Post-Process). Die EAM verfolgt ein Multi-Location-Konzept, das neben der Messe auch Seminare, Workshops, Firmen- und Institutsbesichtigungen umfasst. Eine zweite Auflage der EAM soll vom 24. bis zum 26. September 2019 abermals in Augsburg stattfinden.

Im Gegensatz zur EAM ist die im Zweijahresrhythmus abgehaltene interlift bereits seit 1991 etabliert. 2017 kamen über 21.000 Besucher zur Weltleitmesse der Aufzugsbranche, die nächste Messe ist für den 15. bis 18. Oktober 2019 geplant. Die Aussteller zeigen den Fachbesuchern hier Aufzugsanlagen und vorgefertigte Komponenten, Fahrtreppen und Laufbänder, Parksysteme, Getriebe, Steuerungen und Regelungen, Überwachungs- und Sicherheitssysteme, Kabinen, Türen, Seile, Bedien- und Anzeigenelemente sowie alles, was sonst noch bei der Herstellung von Aufzügen eine Rolle spielt.

Immerhin schon seit 1998 findet in Augsburg außerdem die GrindTec statt, die nächste vom 13. bis 21. März 2020. Alles, was sich auf dem Gebiet der Schleiftechnik und Werkzeugschleiftechnik tut, ist hier versammelt. Werkzeugbearbeitungssysteme, Schleifmaschinen, Technologie, Prozesstechnik, aber auch Bildung, Forschung und Entwicklung gehören zum Spektrum dessen, was die zuletzt 645 Aussteller zu zeigen hatten.

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