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Cloud Computing für den Mittelstand, Teil 1

Aus MittelstandsWiki
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Lieber mehr Umsatz und weniger IT

bluebay2014

Von Sabine Philipp im Auftrag der Comarch AG

Dass die gesamten Kundendaten für zwei Stunden einfach weg waren, stellte Anfang August kein großes Problem dar. Viele Kunden und Geschäfts­partner waren ohnedies im Urlaub. Gegen Jahres­ende aber rollt das Weihnachts­geschäft an und viele Mittel­ständler machen jetzt den besten Umsatz. Umso wichtiger ist, dass die Systeme dann sauber laufen. Für solche Stoß­zeiten eignen sich Cloud-Lösungen ganz besonders.

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Modellvarianten der Cloud

Der Trick am Cloud Computing besteht darin, bestimmte IT-Segmente nicht direkt vor Ort zu betreiben, sondern über den Ethernet- bzw. Internet-Anschluss als Dienstleistung (Service) zu beziehen. Technisch gesehen ist das problemlos möglich. Unternehmen stehen damit zentral gehostete Ressourcen zur Verfügung, die sie je nach Bedarf nutzen können: Software (Software as a Service), Hardware, wie z.B. Speicherplatz (Infrastructure as a Service), sowie Hardware-Komponenten mit kompletten Betriebssystemen (Platform as a Service). Eine relativ neue Unterart heißt Business Process as a Service. Dabei geht es darum, ganze Geschäftsprozesse in die Cloud auszulagern.

Unterschieden wird außerdem zwischen Private und Public Clouds. Bei einer Private Cloud steht der Server(verbund) im eigenen Rechenzentrum, bei einer Public Cloud teilen sich verschiedene Unternehmen Ressourcen eines externen Rechenzentrums. Der Zugriff erfolgt hier über das Internet.

Was auf den ersten Blick fast abenteuerlich klingt, birgt gerade für Mittelständler beträchtliche Vorteile. Mit Cloud Computing kommen sie z.B. in den Genuss komplexer Business-Lösungen, die sich sonst nur größere Unternehmen leisten können.

Alles, und zwar sofort

Hinzu kommt, dass die Anwendungen relativ schnell einsatzbereit sind, denn sie laufen bereits auf den Rechnern des Betreibers. Damit entfällt die Installation auf den Firmenrechnern. In vielen Fällen spart das Unternehmen auch die Ausgaben für Hardware. Denn aufwendige Programme wie ERP (Enterprise Resource Planning) oder Warenwirtschaftssysteme benötigen Rechenleistung, die im Eigenbetrieb inhouse erbracht werden müsste. Als Cloud-Services laufen sie auf den Rechnern des Anbieters und brauchen die Power dort.

Als Anwenderunternehmen profitiert man zudem von stets aktuellen Software-Versionen, spart sich das immer komplexere Lizenzmanagement und bezahlt – je nach Vertrag – nur die Dienste, die man gerade benötigt, um das anstehende Projekt umzusetzen. Das heißt auch: Die Anwendungen „wachsen“ mit dem Unternehmen. Gerade bei ERP oder E-Commerce-Systemen benötigen Unternehmen anfangs meist nur wenige Module. Vergrößert sich das Geschäft, können sie zusätzliche Funktionalitäten oder Vertriebskanäle freischalten, z.B. einen Webshop.

Auf der finanziellen Seite ist nicht zu unterschätzen, dass man als Nutzer die Ressourcen lediglich mietet. Das bedeutet: kleinere Monatsraten statt einer größeren Einmalzahlung. Das erhöht die Liquidität.

Serie: Cloud Computing für den Mittelstand
Teil 1 erklärt, wann kleine und mittlere Unternehmen von Cloud-Services profitieren. Teil 2 geht durch, was bei der Anbieterwahl zu beachten ist. Sicherheit, rechtliche Vorgaben, technische Voraus­setzungen und das Service Level Agreement sind die wichtigsten Punkte.

Administrator inbegriffen

In Deutschland sind Unternehmen bekanntlich sehr empfindlich, wenn es um Datenschutz und Datensicherheit geht. Das ist gut und richtig. Eine grundlegende Sicherheitsmaßnahme besteht darin, für stets aktuelle Software-Versionen zu sorgen. Bei Cloud-Lösungen übernimmt das automatisch der Anbieter. Er spielt Updates und Sicherheitspatches zentral auf, sodass alle Nutzer automatisch auf die aktuellste Version zugreifen – auch von Home-Office-Arbeitsplätzen und mit mobilen Geräten. Das spart obendrein eine Menge Zeit und Arbeit und ist besonders für Firmen mit einer eher kleinen IT-Abteilung interessant. Je nach Auftrag übernimmt der Cloud-Betreiber auch weitere Aufgaben, z.B. die Datensicherung. In puncto IT-Sicherheit sind große Rechenzentren ohnehin eindeutig besser aufgestellt als kleinere Unternehmen. Cloud-Dienstleister haben Experten, die sich nur damit beschäftigen.

Bitte beachten Sie: Die nationalen Datenschutzgesetze in der EU, also auch das BDSG, werden zum 25. Mai 2018 durch die Bestimmungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung ersetzt.

Kleine und mittlere Unternehmen, die sich auf diese Weise den größten Teil der Administration vom Hals schaffen, setzen oft beträchtliche Kapazitäten frei und sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Da mehrere Mitarbeiter gleichzeitig auf die Anwendung zugreifen können, ergeben sich außerdem ganz neue Formen der Zusammenarbeit. Mitunter ergeben sich mit Lösungen aus der Cloud sogar ganz neue Geschäftsmodelle (der BITKOM hat hierfür einen eigenen Leitfaden mit praktischen Tipps herausgebracht).

Fazit: Eine Frage des Vertrauens

Trotz aller Vorteile zögern viele Mittelständler, weil sie sich nicht wohl dabei befinden, Daten außer Haus zu geben. Solche Vorbehalte sind durchaus ernst zu nehmen. Man muss fairerweise sagen, dass Cloud Computing nicht in jedem Fall eine sinnvolle Option ist – und auch, dass es auf dem Markt leider immer wieder unprofessionelle Anbieter gibt.

Teil 2 dieser Serie erklärt darum genau, was bei der Auswahl des Cloud-Anbieters zu beachten ist – auch was seine Anbindung ans Internet betrifft. Denn schließlich muss der Service vor allem dann laufen, wenn die Zahl der Zugriffe – wie vor Weihnachten – besonders groß ist.

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