Crowdfunding

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Entdecker schwärmen für Neues

Olivier Le Moal

Von Stefan Probst, OSBF, und der MittelstandsWiki-Redaktion

Crowdfunding als eine „Finanzierungsform durch viele einzelne Personen“ ist eine noch junge Idee, die sich seit einigen Jahren immer mehr zu einer ernst zu nehmenden Alternative zu klassischen Finanzierungswegen entwickelt. Das Modell der Schwarmfinanzierung löst gleich zwei wesentliche Probleme auf einmal: Im Idealfall lässt sich damit ausreichend Risikokapital beschaffen, und zwar ohne dass man den sonst üblichen Kontrolleinfluss eines Investors in Kauf nehmen müsste. Gleichzeitig ist Crowdfunding ein ausgesprochen relevanter Praxistest: ob für das geplante Produkt überhaupt ein ausreichend großer Markt besteht.

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Hinzu kommt, dass die Unterstützer, die man auf diese Weise gewinnt, meist ausgesprochen eifrige Multiplikatoren sind: „Wenn mich das Produkt begeistert und ich 250 Euro oder mehr in das Start-up investiert habe, will ich doch, dass es erfolgreich wird“, argumentiert Seedmatch-Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer. „Warum sollte ich dann damit hinter dem Berg halten?“ Mit erfolgreichem Crowdfunding ist zum Markteintritt also oft auch ein entscheidender Schritt im Marketing geschafft.

Privileg der ersten Stunde

Möglich wurde Crowdfunding durch die einfache Umsetzung von Marktplätzen im Internet. Das Prinzip dahinter ist schnell erklärt: Jemand hat eine Idee für ein innovatives Produkt, aber nicht das notwendige Kapital zur Umsetzung. Also sucht er über eine Online-Plattform nach möglichen Kunden und bittet darum („Pledging“), die Realisierung der Idee bereits vorab finanziell zu unterstützen.

Meist gibt es dabei mehrere Preisstufen. Diejenigen, die vorab Geld geben und somit auch einen kleinen Teil des unternehmerischen Risikos mittragen, erhalten als Erste ein Exemplar des Produkts, sobald es ausgeliefert wird. Je nach Höhe des Beitrags gibt es oft darüber hinaus weitere Leistungen: besondere Ausführungen, zusätzliche Services etc.

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Schwarz auf Weiß: Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazinreihe. Einen Überblick mit Download-Links zu sämtlichen Einzelheften bekommen Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki.

Allein auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter haben 2012 über 2 Mio. Menschen aus über 150 Ländern insgesamt mehr als 250 Mio. Euro in über 18000 erfolgreich umgesetzte Projekte investiert. Schwerpunkte sind neben neuartigen Produkten vor allem Kunst, Musik, Filme, Spiele, Bücher und Theater. Solche Projekte lassen ihre Fans, ähnlich wie bei der klassischen Subskription, die nächste Album oder das nächste Buch vorfinanzieren. Die vermittelnden Plattformen bekommen dafür in der Regel eine Art Erfolgshonorar.

Start-ups und Social Payment

Mittlerweile kämpft eine Vielzahl von Plattformen um Aufmerksamkeit, die jeweils verschiedene Arten und Facetten von Crowdfunding für unterschiedliche Zielgruppen und Interessen bieten. So haben sich auch ganz spezielle Varianten wie Flattr hervorgetan, die es ermöglichen, einen bestimmten monatlichen Betrag auf Inhalte im Internet zu verteilen, die man persönlich als herausragend empfindet (das sogenannte „Flattern“). Für die Ersteller von Blogs, Podcasts, Videos oder Musik lassen sich damit ganz neue Geschäftsmodelle denken – ein ausgesprochen spannender Weg, der vielleicht gerade die Branchen aus der verfahrenen Situation führen könnte, die am meisten unter der Digitalisierung ihrer Inhalte leiden.

Crowdfunding-Plattformen*

* in Auswahl, alphabetisch sortiert

Eine andere Variante beschreiten Unternehmensfinanzierer wie Seedmatch, die Crowdfunding darauf anwenden, nicht nur einzelne Produkte, sondern gleich ganze Unternehmen – vorzugsweise Start-ups – durch die Masse von Einzelpersonen zu finanzieren. Hier liegen die Investitionsbeträge deutlich höher und die Zahl der Beteiligten ist geringer. Jens-Uwe Sauer erklärt: „Bei Seedmatch erwerben Sie eine stille Beteiligung an dem Unternehmen und werden entsprechend Ihres prozentualen Anteils an künftigen Gewinnausschüttungen beteiligt – sofern es welche gibt.“

Fazit: Niedrige Beteiligung, hohes Risiko

In jedem Fall birgt Crowdfunding nicht nur die Chance, einem neuen Produkt oder einer Idee zur Realisierung zu verhelfen, sondern auch das Risiko, dass das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Die investierten Beträge werden meist treuhänderisch entgegengenommen und so entfällt immerhin das Risiko, seine Einlage zu verlieren, falls sich nicht genug Unterstützer finden und das Finanzierungsziel nicht erreicht wird. Doch ob sich z.B. das Smartphone am Ende tatsächlich praktikabel mit einem Teelicht aufladen lässt, kann keiner der Unterstützer vorab wissen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die über Kickstarter mit Rekordergebnissen finanzierte Spielekonsole Ouya. Die ersten ausgelieferten Geräte machen an vielen Stellen leider mehr den Eindruck einer Baustelle als den eines fertigen – und vor allem: konkurrenzfähigen – Produkts.

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