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Aktuelle Version vom 18. Juni 2021, 09:07 Uhr

Rollender Start

Von Dirk Bongardt

Spurhalteassistent, Tempomat, sensorgestützte Einparkautomatiken – das ist längst die Gegenwart der motorisierten Mobilität. Die Zukunft gehört alternativen Antriebsarten, vollautonomen Fahrzeugen und durch Vernetzung optimierten Verkehrsflüssen. Wer an den Fahrzeugen von morgen arbeiten oder sie gar entwickeln möchte, für den reichen Kenntnisse der mechanischen Abläufe längst nicht mehr aus. Ohne geht es aber auch nicht.

Besonders bei der Fahrzeugdiagnose sind IT-Kenntnisse gefragt, etwa beim Auslesen von Fehlerspeichern, bei der Prüfung verknüpfter Fahrzeugsysteme, beim Festlegen von Fehlersuchstrategien oder wenn es gilt, Störungen in der Kommunikation der einzelnen Bauteile auf die Spur zu kommen.

Von der Mechanik zur Mechatronik

Erst vor sieben Jahren, im Jahr 2013, trat in Deutschland die Ausbildungsverordnung in Kraft, die das Berufsbild Kfz-Mechatroniker/Mechatronikerin aktuell definiert. Darin vereinen sich die Kenntnisse und Fertigkeiten der älteren Berufe Kfz-Mechaniker, Kfz-Elektriker und Automobilmechaniker mit den Anforderungen der modernen Fahrzeugtechnik. Die Ausbildung dauert regulär dreieinhalb Jahre. Wer dabei außerordentlich gute Leistungen zeigt oder bereits eine andere einschlägige Ausbildung abgeschlossen hat, ist unter Umständen schneller fertig.

Kraftfahrzeugmechatroniker ist einer der vielen Ausbildungsberufe, die in Deutschland im dualen System vermittelt werden: Auszubildende verbringen nur einen Teil ihrer Ausbildungszeit im Ausbildungsbetrieb, einen weiteren Teil in der Berufsschule und in überbetrieblichen Bildungseinrichtungen. Dabei müssen sich für einen von fünf Schwerpunkten entscheiden, in denen ihnen dann vertiefte Kenntnisse vermittelt werden: Personenkraftwagentechnik, Nutzfahrzeugtechnik, Motorradtechnik, System- und Hochvolttechnik oder Karosserietechnik.

Unter den Berufen des dualen Ausbildungssystems liegt der Kfz-Mechatroniker im Image weit vorn, wie eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der TU Braunschweig aus dem Jahr 2019 zeigt: Kfz-Mechatroniker liegen im Ansehen gleichauf mit akademischen Berufen wie Physikern, Bauingenieuren oder Gymnasiallehrern.

Nach der Ausbildung gibt es eine ganze Reihe von Arbeitsmöglichkeiten. Reparatur- und Vertragswerkstätten gehören dazu, aber auch in den Fertigungshallen der Fahrzeughersteller sind Mitarbeiter mit spezifischen Kenntnissen gefragt. Die Fuhrparks von Unternehmen unterschiedlichster Branchen werden ebenfalls von erfahrenen Kfz-Mechatronikern gewartet, darunter sind nicht zuletzt auch die Verkehrsunternehmen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT & Karriere“ erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Ingenieurberufe zum Draufsatteln

Dass es mit dem Lernen nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung nicht vorbei ist, das ist eine Binsenweisheit. Das Berufsbild der Kraftfahrzeugexperten ändert sich gegenwärtig dynamisch, vielleicht noch mehr als in vielen anderen IT-Berufen, und diese Entwicklung dürfte sich über viele weitere Jahre hin fortsetzen. Der Gesellenbrief ist für viele aber ohnehin eher Sprungbrett als Endstation.

Eine Option ist Ingenieur/Ingenieurin für Mechatronik, was ein einschlägiges Studium voraussetzt, das sich an die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker anschließen könnte. Wer sich nicht auf Mobilitätslösungen beschränken oder im Bereich Konstruktion oder Entwicklung tätig werden möchte, mag ein solches Studium in Erwägung ziehen. Ein Ingenieur für Mechatronik kann jenseits der Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrttechnik etwa in Bereichen wie Robotik und künstliche Intelligenz, Automatisierungstechnik, Maschinen- und Anlagenbau oder Medizintechnik arbeiten. In praktisch allen Branchen sind entsprechende Kenntnisse gefragt.

Speziell in der Automobilbranche kommt eine Reihe weiterer Ingenieurberufe in Betracht. Am direktesten auf die Kenntnisse aus der Mechatronikerausbildung baut man als Ingenieur/Ingenieurin für Fahrzeugtechnik auf. Hier geht es darum, komplette Fahrzeuge sowie einzelne Fahrzeugbestandteile oder Baugruppen zu entwickeln und zu konstruieren. Arbeitsmöglichkeiten bieten sich in allen Bereichen der Automobilindustrie: bei Herstellern, Zulieferern, als Sachverständige, in Ingenieurbüros mit entsprechender Spezialisierung und nicht zuletzt auch in Forschung und Lehre. Die Entlohnung hängt vom konkreten Aufgabengebiet ab, aber insgesamt gehört dieser Zweig zu den bestbezahlten Ingenieurberufen.

Weniger mit der Technik in den Fahrzeugen als mit ihrer Herstellung beschäftigen sich Ingenieure/Ingenieurinnen für Fahrzeugbau. In diesem Zweig geht es konkret um die Entwicklung von Produktionsprozessen für Fahrzeuge und einzelne Komponenten. Die Aufgaben erstrecken sich von der Planung der Fertigungsabläufe über die Entwicklung von Produktions- und Antriebstechnik bis hin zur kompletten Fabrikplanung. Zum Studium gehören Themen wie Technische Mechanik, Werkstofftechnik und Materialien im Fahrzeugbau, Elektrotechnik sowie Fertigungs- und Messtechnik. Stoff aus verschiedenen Gebieten der Informatik gehört selbstverständlich ebenfalls dazu.

Diesseits der Uni: die Meisterschule

Wer eine Führungsposition anstrebt oder eine Selbstständigkeit im Kraftfahrzeughandwerk anstrebt, kann – erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker vorausgesetzt – sich weiterbilden und Meister/Meisterin im Kfz-Technikerhandwerk werden. Diese Möglichkeit steht außerdem allen offen, die eine Gesellenprüfung in einem anderen Handwerk abgelegt haben, aber drei Jahre im Kfz-Handwerk berufstätig waren.

Die Meisterprüfung gliedert sich in die vier Bereiche Fachpraxis, Fachtheorie, Unternehmensführung und Arbeitspädagogik. In Vollzeit nimmt der Unterricht zur Vorbereitung auf die Prüfung etwa ein Jahr in Anspruch. Wer sich nebenberuflich weiter qualifizieren will, muss die rund 1600 Stunden Unterricht entsprechend über einen längeren Zeitraum hinter sich bringen.

Die Lerninhalte konzentrieren sich, den Prüfungen entsprechend, zwar zu weiten Teilen auf technische Aspekte wie Motorentechnik, Antriebstechnik, Fahrwerkslenkung, Räder, Bremsentechnik oder elektronische Systeme, vermittelt wird aber auch Wissen zu Betriebswirtschaft, Arbeits- und Umweltschutz, den Arbeitsstättenrichtlinien, der Betriebsorganisation oder der StVZO.

Wer sich vom Umfang der in der Meisterschule vermittelten Inhalte überfordert sieht oder vor allem an praktisch-technischen Aspekten interessiert ist, kann, wie in vielen Handwerksberufen, auch eine Techniker-Fortbildung in Betracht ziehen: Die Weiterbildung Kfz-Servicetechniker/Servicetechnikerin umfasst im Wesentlichen die Inhalte des ersten Teils der Meisterprüfung, die Fachpraxis, die in 320 Unterrichtsstunden vermittelt wird. Neben Weiterbildungsangeboten der Handwerkskammern können ausgebildete Kfz-Mechatroniker sich auch um die Teilnahme an herstellereigenen Lehrgängen bewerben. Die Prüfung müssen sie aber in jedem Fall vor einem Prüfungsausschuss der jeweiligen Handwerkskammer ablegen. Wer sich später doch noch für eine Weiterbildung zum Meister entscheidet, braucht als Kfz-Servicetechniker den Prüfungsteil Fachpraxis nicht mehr abzulegen.

Und wer eine Meister- oder Techniker-Weiterbildung abgeschlossen hat, kann sich von dort aus noch weiter qualifizieren: als Kfz-Sachverständiger/Sachverständige. Diese Weiterbildung ist nicht gesetzlich geregelt. Sie wird von einer Reihe von Institutionen angeboten, etwa von der DEKRA, dem TÜV oder den Industrie- und Handelskammern. Die Titel „Sachverständiger“ oder „Gutachter“ sind in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. In der Vergangenheit haben sich Gerichte bis hin zum Bundesgerichtshof allerdings damit beschäftigt, wer sich als sachverständig nennen darf: Eine „entsprechende fachliche Qualifikation“ ist nach Auffassung der Richter unverzichtbar.

Mein Antrieb, mein Ziel

Wer sich entscheidet, seinen Berufsweg in der Mobilbranche zu gehen, hat eine breite Auswahl. Die duale Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker ist in vielen Fällen die Grundlage, auf der sich an der Universität, in Meister- oder Technikerschulen aufbauen lässt. Vom hoch qualifizierten Schrauben bis zur anspruchsvollen Planung ganzer Fertigungsstraßen bietet die Branche Aufgaben für nahezu jedes berufliche Interesse.

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Dirk Bongardt hat vor Beginn seiner journalistischen Laufbahn zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen in Vertriebsabteilungen industrieller und mittelständischer Unternehmen gesammelt. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Informationen rund um Gegenwarts- und Zukunftstechnologien, vorwiegend in den Bereichen Mobile und IT.


Dirk Bongardt, Tel.: 05262-6400216, mail@dirk-bongardt.de, netknowhow.de

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