Blockchain Engineer

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Weit mehr als Bitcoin: Blockchain-Jobs

Von Michael Praschma

Die Blockchain ist ein Beispiel dafür, wie rasant sich digitale Innovationen nicht nur etablieren, sondern auch in der Praxis großflächig ausbreiten und dabei bisher ungeahnte Dynamiken und Veränderungen in Gang setzen können. In kaum mehr als einem Jahrzehnt schaffte es die Blockchain-Technologie von der ersten implementierten Bitcoin-Software auf zuletzt an die 400 GByte – nur für Bitcoins! Der maximale Wert im Umlauf befindlicher Bitcoins lag 2021 bei über 1 Billion Euro.

In vielen Branchen auf dem Vormarsch

Bitcoin und in der Folge weitere sogenannte Kryptowährungen sind aber nur das bislang bekannteste Beispiel für den Einsatz der Blockchain-Technologie. Hier und anderswo schreibt die Fachwelt dieser Technologie ein erhebliches Disruptionspotenzial zu, d.h. grundlegende Umwälzungen von Abläufen und ganzen Geschäftsfeldern.

Eigene Blockchains betreiben z.B. Logistikunternehmen zur lückenlosen Nachverfolgung von Lieferungen; die IT nutzt sie zur Überprüfung von Verwaltung und Management bei Informations- und Kommunikationssystemen im Rahmen von Auditing-Verfahren; in der Lebensmittelbranche dokumentieren die Beteiligten an Lieferketten gemeinsam die Transaktionen von der Produktion bzw. Ernte bis in den Einzelhandel, wobei nebenher auch die Einhaltung der Kühlkette gesichert werden kann; Software-Anbieter wie SAP, IBM und Oracle haben Cloud-Lösungen unter dem Titel Blockchain as a Service (BaaS) im Programm, die Anwender weitestgehend von Infrastruktur und Datenbankmanagement in diesem Bereich entlasten.

Serie: Blockchain
Teil 1 beginnt mit den Anfängen und erklärt, wie Kryptowährungen (Bitcoin etc.) funktionieren. Teil 2 erklärt das technische Prinzip hinter diesen Neuerungen und skizziert erste Anwendungsfälle. Teil 3 geht dann ausführlicher auf die Blockchain in Lieferketten ein, vor allem bei der Logistik. Ein Extrabeitrag widmet sich zuletzt den Jobchancen und den Ausbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich.

Allgemein lassen sich jetzt bzw. zukünftig eine Reihe von betriebsinternen Prozessen sowie Datenbanken mit Blockchain-Technologie managen und sichern. Weitere Bereiche neben den genannten sind etwa die Shared Economy (Leihgeräte/-wagen usw.), öffentliche Bereiche wie Wahlen, Behördenverfahren etc. Nicht selten wird auch das Internet of Things (IoT) mit der Blockchain kombiniert.

Vielfach spielt dabei nicht bloß die Sicherheit und Transparenz der Transaktionen eine Rolle, sondern auch die entfallenden Kosten für Instanzen, die bei herkömmlichen Geschäften als Intermediäre finanziell mitschneiden. Nachteilig sind bei der Blockchain-Technologie unter anderem die bei großen Blockchains massiven Datenmengen, die die Prozesszeiten in die Höhe treiben können, sowie immer noch vorhandene Probleme bei der Einbindung in Legacy-Systeme.

Wie wird man Blockchain-Fachkraft?

Wirklich strukturierte Ausbildungsangebote mit diesem Schwerpunkt sind noch nicht weit verbreitet. Ein Anbieter ist das Blockchain Center der privaten Frankfurt School of Finance & Management. Auf der Internet-Seite gibt es auch Literatur zur ersten Orientierung ebenso wie für Fortgeschrittene, außerdem Jobangebote und zum Beispiel die Ausbildung zum „Post-Experience Master in Blockchain & Digital Assets“, freie Videokurse oder eine zwölfstündige Blockchain Masterclass.

Einen eigenen Masterkurs „Blockchain & Distributed Ledger Technologies“ bietet die Hochschule Mittweida an. Weitere Blockchain-Kurse findet man an den Technischen Universitäten München, Darmstadt und Berlin, an den Universitäten Bayreuth, Wuppertal und noch etlichen anderen. Durchaus sinnvoll können interdisziplinäre Ausbildungszüge sein, bei denen VWL, BWL oder Informatik eingebunden sind.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT & Karriere“ erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Auch Fortbildungen finden sich, etwa ein 24-wöchiger Online-Kurs bei der Cimdata Bildungsakademie. In komprimierter Form bietet das eintägige Blockchain-Kompaktseminar (Präsenzformat) von Intertek Deutschland einen thematischen Einstieg, der sich auch für Anfänger eignet. Unterschiedlichste spezielle Kenntnisse lassen sich über weitere Angebote (Webinare, Lehrmittel usw.) im Internet aufstöbern.

Blockchain-Anbieter suchen vor allem Fachkräfte, die sich exzellent mit IT-Sicherheit auskennen, um zur Absicherung ihrer Produkte nicht auf externe Security-Unternehmen angewiesen zu sein; von Fachspezialisten über Chief Security Officers bis hin zu Chief Technology Officers reichen hier die Stellen, meint die Unternehmensberatung PSD Group. Im Bereich Blockchain Development sollten sich Anwärter für die entsprechenden Tätigkeiten u.a. mit den wichtigsten der eingesetzten Programmiersprachen vertraut machen: C++, Solidity, Java, Python, Swift etc. Allgemein sind hier viele Jobs für Quereinsteiger aus dem Programmierer- und Entwicklerbereich geeignet.

Blockchain im Crashkurs

  • Blockchain ist eine Form von Datenbank mit der Besonderheit, dass sie dezentral verwaltet ist. Die Daten sind hier in miteinander über Knoten (Nodes) verbundenen Blöcken manipulationssicher und nachprüfbar gespeichert – ohne vertrauenswürdige Intermediäre wie Banken, Zollbehörden etc.
  • Blocks sind dabei die Datensätze, die vom Netzwerk verifiziert, gespeichert und dann, kryptografisch verschlüsselt, der Blockchain hinzugefügt, also an den vorangehenden Block angehängt werden.
  • Distributed Ledger Technology (DLT) steht für „verteiltes Register/Hauptbuch“. DLT ist eine allgemeinere Bezeichnung für die Technik, eine Datenbank in einem Peer-to-Peer-Netzwerk verteilt abzulegen.
  • Smart Contracts sind Verträge, die sich auf Blockchains bzw. auf webbasierten Computerprotokollen stützen, welche zugleich die entsprechende Abwicklung des Vertragsinhalts technisch unterstützen. So kann etwa die Einhaltung der Konditionen in Echtzeit überwacht und der Rechtsanspruch eines Vertragspartners automatisch durchgesetzt werden.
  • Konsensverfahren sind Protokolle, die festlegen, wie neue Blöcke geschaffen und an eine Blockchain angehängt werden. Am weitesten verbreitet ist das Proof-of-Work-Protokoll; daneben existieren noch etliche weitere Verfahren.
  • Bitcoin war die erste praktische Anwendung der Blockchain-Technologie. Weitere sogenannte Kryptowährungen wie Ethereum sind inzwischen hinzugekommen. Beim Einsatz als Zahlungsmittel steht dem Faktor der Transaktionssicherheit als Nachteil eine enorme Volatilität der Kurse gegenüber. Kritisiert wird auch häufig der hohe Energieverbrauch wegen der großen Datenmengen.

Welcher Job ist denn nun gemeint?

Wie bei einigen anderen Berufen bzw. Tätigkeiten in IT-Bereichen, die sich dynamisch entwickeln, gibt es auch hier mitunter ein Kuddelmuddel, ob nun in Fachbeiträgen oder Stellenangeboten. Es finden sich beispielsweise Jobanzeigen, die im Titel für „Blockchain Engineer (m/w/d)“ ausgeschrieben sind, in der Beschreibung dann aber Blockchain Developer erwarten. Zur groben Orientierung gilt Folgendes:

  • Blockchain Developer (Blockchain-Entwickler) schreiben Software für die Blockchain, arbeiten also daran, die Technologie auszuweiten bzw. zu konsolidieren, neue Währungen oder Token zu entwickeln. Auch Backend- und App-Entwickler fallen unter diese Sparte.
  • Blockchain Engineers (Blockchain Ingenieure) beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Bedarfsanalyse, Implementierung und Anwendung von Blockchain-Lösungen in betrieblichen Abläufen. In vielen Beschreibungen des Berufsbilds überschneidet sich die Tätigkeit aber mit der des Entwicklers. Hinzukommen können Aufgaben im Monitoring, Training für neue Fachkräfte etc.

Die Arbeit mit Blockchains erfordert zwar ein hohes Maß an Kenntnissen in der Informationstechnologie. Außerhalb des engen IT-Expertenbereichs haben aber auch Business-Analysten, Juristen oder Social-Media-Manager mit der Blockchain zu tun.

Mehr Stellen als Bewerber

Sowohl als Freelancer als auch in angestellter Position gibt es zahlreiche Beispiele für Bereiche, in denen Blockchain-Experten beschäftigt werden. Dazu gehören Finanzinstitute, Softwareanbieter, die Konsumgüterwirtschaft, Medizin (Versorgungsmanagement), KI etc. – bis hin zu hier eher unvermuteten Institutionen, wie etwa der Welthungerhilfe. Hervorstechend sind natürlich die Jobangebote, die im Bereich Blockchain bei Tech-Konzernen wie Microsoft, SAP, IBM oder Amazon zu finden sind. Hardware-Hersteller bieten vor allem Stellen für Embedded-Software-Entwickler, Experten für HPC (High Performance Computing) oder Supercomputing, da der Einsatz der Blockchain maximale Rechnerleistung erfordert.

Das Umfeld für die Tätigkeit als Blockchain Engineer oder Developer ist oft von Start-ups geprägt. Diese erwarten eine Jobeinstellung, die mit ihrem dynamischen Wachstum und einer generell unternehmerischen Haltung harmoniert. Das sollte Bewerberinnen und Bewerbern bei der Stellensuche bewusst sein.

MW-ITuK1.2022.ID08 01.jpg Wen wundert’s? In Deutschland scheint Berlin ein Eldorado für Blockchain-Start-ups zu sein. (Bild: chaineurope.org/Statista)

Zur Stellenmarktsituation bringt z.B. das Handelsblatt Zahlen der Online-Jobbörse Indeed, wonach im August 2021 40 % mehr sogenannte Kryptojobangebote als vor drei Jahren und 60 % mehr als im Vorjahr (!) verzeichnet wurden. Dazu wurden alle Jobanzeigen mit den Schlagwörtern Kryptowährung, Bitcoin, Ethereum, Litecoin oder Blockchain herangezogen und Jahresgehälter bis 90.000 Euro gefunden. Nach anderen Quellen liegen Brutto-Jahresgehälter sogar zwischen 135.000 und 160.000 Euro.

Mein Job als Kettenschmied

Blockchain ist eine noch relativ junge Technologie. Zusammen mit der rasant beschleunigten digitalen Transformation bzw. mit dem Strukturwandel in vielen Branchen – plus den meist ausgebuchten IT-Kräften mit Blockchain-Expertise – macht dies den Beruf als Blockchain Engineer bzw. Blockchain Developer für die absehbare Zukunft zu einer höchst attraktiven Wahl. Man kann sich hier tatsächlich oft noch Tätigkeiten aus einem breiten Stellenangebot aussuchen – natürlich ohne sich auf ewig an den einen Job zu ketten.

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Michael Praschma ist Texter, Lektor und Redakteur. Er beherrscht so unterschiedliche Gattungen wie Werbetext, Direct Marketing, Claims, Webtext, Ghostwriting, Manuals oder PR. Außerdem treibt er sich – schreibend und anderweitig engagiert – in Journalistik, Non-profit-Organisationen und Kulturwesen herum. Seine Kunden kommen aus verschiedensten Branchen. Am MittelstandsWiki schätzt er die Möglichkeit, mit eigenen Recherchen auf den Punkt zu bringen, was Verantwortliche in Unternehmen interessiert. → https://praschma.com/

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