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Derzeit gilt: Wer im westlichen NRW nach geeigneten Standorten sucht, hat keine unbegrenzte Auswahl, auch wenn diese Region im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet sowohl mobil als auch im Hinblick auf Festnetzanschlüsse gut erschlossen ist. Die Landesregierung treibt den Ausbau nicht nur mit guten Worten, sondern auch mit viel Geld voran. Aber der Weg bleibt steinig.
 
Derzeit gilt: Wer im westlichen NRW nach geeigneten Standorten sucht, hat keine unbegrenzte Auswahl, auch wenn diese Region im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet sowohl mobil als auch im Hinblick auf Festnetzanschlüsse gut erschlossen ist. Die Landesregierung treibt den Ausbau nicht nur mit guten Worten, sondern auch mit viel Geld voran. Aber der Weg bleibt steinig.
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Version vom 13. Mai 2019, 16:03 Uhr

Sattes Grün mit weißen Flecken

Von Dirk Bongardt

„Ein flächendeckendes Gigabit-Netz“ will die Landesregierung NRW bis zum Jahr 2025 schaffen. Schulen und Gewerbegebiete sollen davon schon ab 2022 profitieren. Um das zu erreichen, will die Landesregierung insgesamt 7 Milliarden Euro in die Digitalisierung investieren, 5 davon sollen direkt in den Breitbandausbau fließen. Das ist eine eindrucksvolle Summe. Dass sie benötigt wird, zeigt aber auch: Es gibt noch viel zu tun.

Fortschritte „sehr unterschiedlich“

Nordrhein-Westfalen ist das wirtschaftsstärkste Bundesland in Deutschland. Für 2015 weist die Statistik dort eine Wirtschaftsleistung von 646 Milliarden Euro aus – ein Fünftel der gesamtdeutschen Leistung. Rund 755.000 kleine und mittlere Unternehmen sind hier beheimatet. Gut 188.000 der mittelständischen Betriebe lassen sich dem Handwerk zurechnen. An Erfolg oder Misserfolg beim Ausbau der digitalen Infrastruktur Nordrhein-Westfalens hängt deshalb letztlich die Zukunft des gesamten Wirtschaftsstandortes Deutschland.

Wie es um den Breitbandausbau steht, will das Wirtschaftsministerium des Landes mit dem Breitbandatlas NRW verdeutlichen. Die Online-Übersicht zeigt auf einer nach Regionen unterteilten Karte in unterschiedlichen Grünschattierungen, wie hoch der Anteil der Anwohner ist, die einen Anschluss mit einer Bandbreite von 50 MBit/s oder mehr nutzen können. Gerade im westlichen Nordrhein-Westfalen überwiegt die dunkelste Grünschattierung, die dafür steht, dass hier 90 % oder mehr diese Sorte von Highspeed-Internet nutzen können.

MW-PLZ45-ID04-1-atlas-nrw.jpg Breitbandversorgung in NRW: Alles im grünen Bereich? (Bild: Kompetenzzentrum Gigabit.NRW/PricewaterhouseCoopers)

MW-PLZ45-ID04-2-atlas-region-aachen.jpg Zoom auf die Städteregion Aachen: Wie sieht es vor Ort aus? (Bild: Kompetenzzentrum Gigabit.NRW/PricewaterhouseCoopers)

PLZ45-ID04-3-atlas-roetgen.jpg Beispiel Roetgen: 16 MBit/s oder mehr gibt es nur für 54 %. (Bild: Kompetenzzentrum Gigabit.NRW/PricewaterhouseCoopers)

Wie inhomogen die Anschlussqualität aber selbst dort verteilt ist, zeigt beispielhaft die Städteregion Aachen. Betrachtet ein Unternehmer, der dort eine Niederlassung plant, die Region als gesamte, so erfährt er, dass für 94 % der dort Lebenden eine Bandbreite von über 50 MBit/s zur Verfügung steht, auf eine Bandbreite von 30 MBit/s können sogar mehr als 97 % der Bevölkerung zählen.

Doch zu dieser Städteregion gehört auch Rötgen an der belgischen Grenze. Die Detailansicht verrät: Dort sind es nur noch 8 %, die eine Bandbreite von 50 MBit/s nutzen können, und selbst wer bereit ist, sich mit 16 MBit/s zu bescheiden, hat, je nach Straße und Hausnummer, nur eine 54-prozentige Chance, diese Bandbreite zu bekommen. Deshalb überschreibt die Landesregierung jede Detailansicht mit diesem Statement: „Der Breitbandausbau schreitet in den Kommunen in NRW sehr unterschiedlich voran. Während in einigen Kreisen bzw. Städten die Versorgungsqualität beim NGA-Ausbau bereits relativ hoch ist, sind in anderen Gebieten Breitbandausbau-Projekte noch in der Planung.“

Serie: 5G-Mobilfunk
Teil 1 setzt beim Bandbreitenbedarf an, der durch die Decke schießt. WLAN und Mobilfunk liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf der Zielgeraden zu 10 GBit/s. Teil 2 schildert den Stand der Standards und interessiert sich eingehend für die Konsortien der Entwicklung. Teil 3 begibt sich auf die technische Seite. Es geht um die Grundlagen der 5G-Netze, um Ping-Zeiten und Frequenzen. Teil 4 schließlich erläutert den Stand der Dinge kurz vor der Frequenzversteigerung 2019. Zwei aktuelle Sonderberichte widmen sich außerdem der Möglichkeit von 5G-Campus-Netzen und berichten vom Stand der 5G-Frequenzauktion.

Gigabit-Masterplan und Beratung

Der eingangs erwähnte, ambitionierte Gigabit-Masterplan mit dem schlagkräftigen Titel „Gigabit.NRW“ umfasst deshalb nicht nur finanzielle Förderungen, sondern soll auch Hilfestellung bieten, wenn die vor Ort Verantwortlichen konkrete Projekte angehen. Dazu richtet das Land Geschäftsstellen in den fünf Regierungsbezirken ein, die die Städte und Kreise beim Ausbau eines flächendeckenden Gigabitnetzes begleiten: Sie stoßen die erforderlichen Prozesse an, beraten die Kommunen in allen Fragen rund um die Förderung des Breitbandausbaus und bewilligen die ergänzenden Landesmittel. Jede der Geschäftsstellen soll sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark sein, wie die Landesregierung im April 2018 beschlossen hat.

Serie: Digitale Infrastruktur
Die Einführung beginnt in Berlin und klärt die Rahmenbedingungen in Deutschland. Ein erster Regionalschwerpunkt widmet sich dann dem Westen und Nordrhein-Westfalen. Weitere Regionalreports konzentrieren sich auf den deutschen Südwesten und auf Bayern. Extra-Beiträge berichten außerdem über den Stand der NGA-Netze in Österreich und über die praktische, aber schwierige Mobilfunk-Dominanz in der Alpenrepublik.

Beratungsleistungen verspricht die Landesregierung auch den zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen, allerdings nicht mit eigenem Personal. Stattdessen stockt das Land sein Förderprogramm Mittelstand.innovativ! um eine ergänzende Förderung für Beratungsleistungen auf. In den kommenden drei Jahren können Unternehmen dazu Mittel von insgesamt 21 Millionen Euro beantragen.

Dass insbesondere die 755.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Unterstützung dabei benötigen, ihre Geschäftsprozesse und -modelle zu digitalisieren, zeigt der „Digitalisierungsindex bei KMU in NRW“ 2018. Den Index hat die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld erstellt. In Kooperation mit dem Sparkassenverband Westfalen-Lippe wurde dabei im Frühjahr 2018 der Digitalisierungsstand von KMU in Nordrhein-Westfalen gemessen. Die wichtigsten Resultate dieser Untersuchung: Von 10 möglichen Indexpunkten erreichten die KMU nur einen Wert von 4,1. Vor allem kleine Unternehmen haben noch immer einen sehr niedrigen Digitalisierungsstand; er steigt mit der Unternehmensgröße. Und: Bereits 2016 hatten KMU einen guten Digitalisierungsstand bei der digitalen Infrastruktur, dieser Trend hat sich fortgesetzt. Im Vergleich zu 2016 hat sich außerdem das Engagement für Fragen der digitalen Sicherheit erhöht.

Thema: Breitbandausbau
Schnelles-Internet-in-Deutschland-Cover.jpg
Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Einige aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie. Seine gesammelten Erfahrungen sind 2016 in der Reihe MittelstandsWiki bei Books on Demand erschienen: „Schnelles Internet in Deutschland“ (Paperback, 220 Seiten, ISBN 978-3-946487-00-5, 9,99 Euro).

Viel zu tun, auch im Mobilnetz

Bei der Versorgung mit schnellen Internet-Zugängen via Mobilfunk sieht es im westlichen Nordrhein-Westfalen ganz ähnlich aus wie beim Breitbandausbau: In der Gesamtansicht scheint alles im grünen Bereich, bei näherer Betrachtung gibt es aber auch bei der LTE-Versorgung etliche weiße Flecken. Ein flächendeckendes Netz ist aber eine der Grundbedingungen, wenn der künftige Mobilfunkstandard 5G je die hohen Erwartungen erfüllen soll, die Unternehmen in ihn setzen: Die hohen Übertragungsraten bei minimalen Latenzzeiten werden vernetztes oder gar autonomes Fahren nur dann voranbringen, wenn die Fahrzeuge nicht alle paar Kilometer von „Connected Cars“ zu „Disconnected Cars“ mutieren. Wer sich häufig von einem Navigationssystem zum Ziel führen lässt, weiß, wie lästig es sein kann, wenn unter Brücken oder Unterführungen das GPS-Signal verloren geht, kurz bevor sich die Fahrspuren teilen. Connected Cars sind von einer permanenten Netzanbindung mindestens ebenso abhängig wie von verlässlichen GPS-Signalen – auf die ist aber (noch) weit weniger Verlass, zumal viele der weißen Flecken der Netzabdeckung entlang von Verkehrswegen anzutreffen sind.

Eine entscheidende Rolle soll der Mobilfunkstandard 5G außerdem in der automatisierten Fertigung spielen, bei der Maschinen über das Internet der Dinge miteinander kommunizieren, sowie auf dem Gebiet der Telemedizin.

Im Sommer 2018 hat das Land deshalb mit der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland eine Vereinbarung geschlossen, der zufolge die drei Netzbetreiber bis zum Jahr 2020 freiwillig rund 1350 neue Mobilfunkbasisstationen errichten. Außerdem sollen die Unternehmen rund 5500 Standorte modernisieren. Im Gegenzug will das Land Standorte des Behördenfunks für die Mobilfunkanbieter öffnen. Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart hat den Netzbetreibern außerdem beschleunigte Genehmigungsverfahren versprochen, um einen zügigen Netzausbau zu unterstützen.

Allerdings sieht man insbesondere bei der Deutschen Telekom die geplanten Vergaberichtlinien für die 5G-Frequenzen kritisch, wie Dirk Wössner, Deutschlandchef der Telekom, in einem Interview mit dem Handelsblatt bereits Anfang September 2018 deutlich machte. Einerseits werden die Netzbetreiber nicht gezwungen, ihr Netz mit einem Neueinsteiger zu teilen und es gibt keine harte Verpflichtung, ihre Dienste an Mobilfunkdiscounter zu vermieten. Andererseits fürchtet Wössner eine „Regulierung durch die Hintertür“. Er bemängelt einen „klaren Rahmen, damit die, die in neue Netze investieren wollen, wissen, zu welchen Bedingungen sie das tun müssen.“

Serie: Glasfaser
Teil 1 sagt, warum Lichtwellenleiter bei Breitband das Maß der Dinge sind und erklärt die Ausbauvarianten von FttN bis FttH. Teil 2 sichtet den deutschen Markt und erläutert sinnvolle Optionen für Geschäftskunden.

Schwierige Antennenstandorte

Neben Landesregierung und Mobilfunkbetreibern spielen die Bürger selbst eine zentrale Rolle bei der Frage, ob und wie gut der 5G-Ausbau gelingt. Denn während sich kaum ein Bürger gegen die Verlegung von Glasfaserkabeln ausspricht, sind Mobilfunkmasten vielen um ihre Gesundheit besorgten Bürgern seit jeher ein Dorn im Auge. Proteste und Klagen entsprechender Bürgerinitiativen haben schon manche Mobilfunkantenne zu Fall gebracht, ehe sie überhaupt errichtet war. Die 5G-Technologie verschärft dieses Problem: Wegen der kurzen Wellenlänge der 5G-Frequenzen benötigt die Technologie etwa dreimal so viele Sendestationen. Unabhängig davon, ob Elektrosensibilität eher eine Angststörung als eine Reaktion des Körpers auf Elektrosmog ist, dürfte sich mit der Zahl der benötigten Antennen auch die Zahl derjenigen erhöhen, die sich gegen solche Antennen engagieren.

Derzeit gilt: Wer im westlichen NRW nach geeigneten Standorten sucht, hat keine unbegrenzte Auswahl, auch wenn diese Region im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet sowohl mobil als auch im Hinblick auf Festnetzanschlüsse gut erschlossen ist. Die Landesregierung treibt den Ausbau nicht nur mit guten Worten, sondern auch mit viel Geld voran. Aber der Weg bleibt steinig.

Dirk Bongardt-Quadrat.jpg

Dirk Bongardt hat vor Beginn seiner journalistischen Laufbahn zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen in Vertriebsabteilungen industrieller und mittelständischer Unternehmen gesammelt. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Informationen rund um Gegenwarts- und Zukunftstechnologien, vorwiegend in den Bereichen Mobile und IT.


Dirk Bongardt, Tel.: 05262-6400216, mail@dirk-bongardt.de, netknowhow.de

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