Datacenter Automation

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Version vom 10. Juli 2019, 10:54 Uhr von FEichberger (Diskussion | Beiträge) (Von ITIL zur holistischen Automation: Gastbeitrag:Infrastruktur-Monitoring)

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Strategischer Aufbruch aus den Datensilos

© Petya Petrova – Fotolia

Von Alessandro Bello, Sysback

Keine Probleme bereitet in der Regel die Automatisierung des Commodity-Stacks, also der Standard-IT-Komponenten (Windows- und Linux-basierte Umgebungen, Netzwerktechnologie, Storage- und Server-Umgebungen, Security-Farmen etc.). Mit wenig Aufwand lassen sich hier schnelle und gute Ergebnisse erzielen. Doch je mehr proprietäre Systeme im Einsatz sind und je mehr unterschiedliche Abteilungen beteiligt sind, desto aufwendiger wird die Aufgabe. Die meisten Automationstools bringen für proprietäre Technologien zwar Konnektoren mit, aber trotzdem gilt: Automatisierung lässt sich am besten und schnellsten umsetzen, je höher der Standardisierungsgrad ist.

Von ITIL zur holistischen Automation

Als Grundlage für die Teilautomatisierung im Rechenzentrum diente bislang oft das ITIL-Framework (IT Infrastructure Library). Im Rahmen von ITIL-Prozessen interagieren die Komponenten Monitoring, Konfigurationsmanagement, Ticketsystem und Automationsengine mit verschiedenen Management-Tools. Hierzu gehören Deployment Management, Event Management, Konfigurationsmanagement, Incident Management, Change Management und Service Request Management. Diese Tools wiederum leiten automatisiert Maßnahmen in einzelnen Serverbetriebssystemen, Dateiservern, Hypervisoren, Datenbanken, Cloud-Services, in der REST API oder im Active Directory ein. Die Ticketanalyse mithilfe einer speziellen Software ist dabei ein wesentlicher Baustein, da im Ticketsystem alle wesentlichen Daten und täglichen Anforderungen zusammenlaufen. Hier haben viele Firmen ungenutztes Datengold.

Viele Unternehmen wissen auch gut, dass sie ihre Prozesse standardisieren und automatisieren müssen, um Kosten zu sparen oder um innovativ zu bleiben oder um die Qualität zu erhöhen. Wenn sich ein Unternehmen intern schon intensiv mit seinen ITIL-Prozessen auseinandergesetzt hat oder schon feststeht, was automatisiert werden soll, dann geht das Automatisierungsprojekt erst richtig los. Meistens sind schon diverse Prozesse oder technologische Silos automatisiert, aber eben nicht alles entsprechend einem ganzheitlichen Ansatz. So kann es sein, dass es einzelne Bereiche im Rechenzentrum gibt, die zwar automatisiert, aber nicht in das große Ganze integriert sind. Wichtig ist daher eine geordnete Vorgehensweise anhand einer Roadmap, die keine Lücken lässt. Denn bei der holistischen Automation werden nicht nur ITIL-Prozesse und die dazugehörige Infrastruktur automatisiert, sondern auch die notwendigen Applikationen und Services wie zum Beispiel die ERP-, CRM- und HR-Systeme.

KommRZ1.2019.ID02-Workflow Datacenter Automation-1.jpg Die Potsdamer Flowster Solutions GmbH bietet mit Flowster Studio eine gut ausgebaute, grafisch ausgelegte Plattform zur systemübergreifenden Datacenter Automation, die eine Vielzahl von Bausteinen für Routinen bereits mitbringt und sich daher relativ leicht umsetzen lässt. Anbieter wie Sysback richten solche Umgebungen als Managed Service ein und kümmern sich auch um den laufenden Betrieb. (Bild: Flowster Solutions)

Plattform mit Repository

Die holistische Automation bietet gegenüber dem silobasierten Ansatz von vornherein mehrere Vorteile. Sie ist zentral organisiert und damit strategisch umsetzbar. Meist steht hierfür eine zentrale Automationsplattform bereit, die Automaten, Workflows und Wissensbausteine aus einem zentralen Automationsrepository verwendet. Die bereits genannten gängigen Skripte, Utilitys und Tools können integriert werden, und alle Prozesse werden siloübergreifend automatisiert. Durch einen Full-Audit-Trail und ein vollständig integriertes Schnittstellenkonzept in die ITSM-Welt, einschließlich Monitoring, Tickets und Konfigurationsmanagementdatenbank (CMDB), werden auch gängige Compliance-Anforderungen erfüllt.

Der holistische Ansatz geht meist mit der Integration eines ebenso automatisierten Reportings einher. Holistische Automation funktioniert in der bimodalen Welt von herkömmlichen Enterprise-Legacy-Umgebungen ebenso wie bei modernen Agile-DevOps-Initiativen. Dabei greifen drei Wirkungsbereiche ineinander: Automation und Prozesse, Managed Services sowie Projektmanagement und Service Delivery Management:

  • Zum Bereich Automation und Prozesse zählen ITIL, ITSM (IT-Servicemanagement), Runbook-Automation, RPA (Robotergesteuerte Prozessautomatisierung) und intelligente Ticketanalyse.
  • Managed Services umfassen den Betrieb von Rechenzentrums- und Desktopumgebungen sowie Automationstools; auch die Pflege der individualisierten Automaten wird für Unternehmen vollständig übernommen.
  • Zum Bereich Projektmanagement und Service Delivery Management gehört schließlich auch das Transition Management.

Die Kosten und andere Fragen

In den Fachabteilungen werden immer mehr IT-Projekte angestoßen, und die IT muss sie irgendwie umsetzen und betreiben. Ein Großteil der IT-Kosten ist bereits am Jahresanfang für den Betrieb der bestehenden IT-Umgebung verplant, jedes weitere Projekt belastet das chronisch knappe Budget zusätzlich. Auch die Automatisierung erfordert eine gewisse Anfangsinvestition, um die erhoffte Kosteneinsparung und Qualitätssteigerung ins Rollen zu bringen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „Rechen­zentren und Infra­struktur“. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten stellen sich einige typische Fragen: Können bestimmte Prozesse überhaupt automatisiert werden? Welche Tools sind in der spezifischen Umgebung am hilfreichsten? Wie könnte die Implementierung zwischen den Applikationen und der Automationsplattform aussehen? Wie breche ich Silostrukturen auf und entwickle meine Organisation in einer Form, dass holistische Automation erfolgreich werden kann? Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten. Jedes Unternehmen steht vor individuellen Herausforderungen, die am besten mit Erfahrung und Methodenkompetenz gemeistert werden. Es gibt daher spezialisierte Berater, die im Idealfall herstellerunabhängig vorgehen und alle Aspekte der Automation abdecken.

Solche spezialisierten Dienstleister begleiten Unternehmen von der Kalkulation über die Evaluierung einer Automatisierungslösung bis hin zu deren Einfluss auf den ROI. Einige Unternehmen fangen die Automatisierung bei null an, andere haben schon einzelne Prozesse oder Silos automatisiert und möchten nun wissen, ob sie alle essenziellen Punkte, insbesondere Schnittstellen oder Integrationen, berücksichtigt oder etwas vergessen haben. Hier geht es darum, den aktuellen Implementierungsstatus und Reifegrad des Unternehmens und seiner IT-Infrastruktur zu ermitteln. Oft ist es personell nicht möglich, unterschiedliche Automatisierungsplattformen intern zu evaluieren, einen Livetest in der Umgebung durchzuführen oder ein Proof of Concept durchzuführen. Auch hierbei können Dienstleister helfen.

Strukturierte Umsetzung

Einige Unternehmen haben bereits das richtige Tool ausgewählt, die Prozesse werden entsprechend umgesetzt, und eigentlich sollte alles optimal laufen. Trotzdem gibt es Widerstand im Projekt, oder es läuft aus dem Zeit- und/oder Kostenplan. Oftmals liegt das an den Mitarbeitern, die nicht im Projekt mitgenommen wurden. Dem kann man aber vorbeugen, etwa durch Workshops und aktive Einbeziehung. Parallel helfen Weiterbildungsmaßnahmen, fachliche Defizite gezielt zu beseitigen.

Wenn die Auswahl der richtigen Automatisierungsplattform getroffen ist, der ROI stimmt und die Tests erfolgreich verlaufen sind, muss die Lösung aufgebaut und in die Umgebung implementiert werden. Hier gilt es zu entscheiden, ob die Mitarbeiter in Sachen Automation und für das gewünschte Tool adäquat ausgebildet sind. Anderenfalls empfiehlt es sich, die Implementierung der Umgebung, die Installation, Konfiguration und Anpassung aller Tools besser dem Dienstleister zu überlassen. Die Mitarbeiter werden dann gezielt geschult, damit sie den Betrieb eigenhändig gewährleisten können.

Damit solche Projekte hinsichtlich Zeit und Kosten optimal laufen, ist natürlich ein verlässliches Kosten- und Zeitmanagement erforderlich, das mit einer umfassenden Planung beginnt und sämtliche Arbeitsschritte kontrolliert. Erforderlich ist daher ein übersichtlicher, detailreicher Projektplan, dessen Einhaltung in Bezug auf Leistungen, Zeit und Kosten überwacht wird. Besonderes Augenmerk gilt der Einführungsphase, denn hier entstehen durch unterschiedliche Schnittstellen zu verschiedenen Tools viele spezielle Anforderungen, damit die ganzheitliche Automation, einschließlich Infrastruktur und Applikationen, auch wirklich funktioniert. Zu den Aufgaben der Projektleitung gehören daher die Analyse, Konzeption, Erstellung und Anpassung der notwendigen Schnittstellen. Dabei geht es darum, unterschiedliche Formate und RESTful-APIs zu beherrschen. Effektive und saubere Übergänge sorgen dafür, dass der Rollout und der nachfolgende Betrieb reibungslos verlaufen.

Wenn die gewünschte Automationsplattform erfolgreich eingeführt ist und die ersten Automaten laufen, kommt normalerweise bald der Wunsch nach mehr auf. Welche Prozesse können noch automatisiert werden, welche Erweiterungen wären sinnvoll? Gibt es noch Funktionen, die vorher nicht bedacht wurden und jetzt erforderlich erscheinen? Die entsprechenden Weiterentwicklungen unter Berücksichtigung der Anforderungen von Kunden und Mitarbeitern gehören daher zu den nachgelagerten Schritten, ebenso wie die Wartung der installierten Automaten.

Alessandro Bello ist VP Automation & ITSMplus bei der 2002 gegründeten SYSback AG. Neben dem Hauptsitz in Hamburg hat das Systemhaus Niederlassungen in Dresden, Darmstadt, Köln und München. SYSback ist Spezialist für Hochverfügbarkeitsszenarien; ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Automation, Automationsplattformen und ITSM-Systemen (IT-Service-Management).


SYSback AG, Theresienstieg 11, 22085 Hamburg, Tel.: 040-809033500, info@sysback.de, www.sysback.de

Vorteile im Wettbewerb

Holistische Automation ist der Schlüssel zum hochautomatisierten Rechenzentrum. Anvisiert wird ein Automatisierungsgrad von 70 % oder mehr. Dadurch ergeben sich Einsparungen im sechs- bis siebenstelligen Eurobereich oft schon nach weniger als einem Jahr – in welcher Höhe genau, hängt von der Größe des Unternehmens und der automatisierten Umgebung ab. Damit einher gehen im Schnitt eine Effizienzsteigerung um 30 % und eine Risikooptimierung um 15 %. Die Qualität des IT-Betriebs steigt insgesamt, SLAs verbessern sich und die Standardisierung vereinfacht viele Prozesse. All dies sind überaus wettbewerbsrelevante Faktoren im agilen Geschäftsbetrieb von heute.

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