Workflow Automation in der Messtechnik

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Kupfer- und LWL-Abnahme in einem Rutsch

© VIAVI Solutions Deutschland GmbH

Von Thomas Friedrich, VIAVI Solutions

Bei der Verabschiedung der ersten Version einer anwenderneutralen Verkabelung EN 50173 im Jahr 1995 (ähnlich dem Verkabelungsstandard ISO 11801) ließ sich noch nicht vorhersehen, welche Bedeutung lokale Netzwerke und Rechenzentren 25 Jahre später haben werden. Die Mobilkommunikation hat dramatisch zugenommen und die Netzknoten des weltumspannenden Internets sowie die enorm wachsende Zahl der Cloud-Rechenzentren erfordern immer wieder neue Infrastrukturlösungen. Wenn es um hohe Datenraten oder große Entfernungen geht, sind vor allem Lichtwellenleiter gefragt. Kabelinstallationsunternehmen freuen sich über volle Auftragsbücher, weil die Zahl der Anbieter von Infrastrukturdienstleistung und zentralisierten Services jeder Art über die Cloud stetig steigt. Neue Mobilfunkstandards (4G/5G) erzwingen den schnellen Ausbau von Access- und Weitverkehrsnetzen zur Übertragung der drahtlos generierten Daten sowie den Aufbau der Cloud-Rechenzentren zur zentralen Steuerung, Verkehrslenkung und Datenverarbeitung in diesem Umfeld.

Serie: DSGVO-konformes Cloud Computing
Teil 1 beginnt dort, wo der Daten­schutz am wichtigsten ist: bei den Auftrags­daten­verarbeitern für Kommunen. Dabei geht es auch gleich um die zentralen Vorgaben. Teil 2 nimmt sich dann den deutschen Norden und Osten vor, um zu prüfen, welche Rechen­zentren sich dort anbieten. Teil 3 berichtet mitten aus dem Digitalisierungskessel an Rhein und Ruhr, Teil 4 sichtet die Lage im deutschen Südwesten. Auch ein Ausblick auf Österreich ist bereits online, ebenso eine Vorschau auf das Projekt Gaia-X, das namentlich für den Mittelstand interessant sein könnte. Weitere Regional­reports sind in Vorbereitung.

Leider gestaltet es sich für Kabelinstallationsunternehmen enorm schwierig, geeignete Fachleute in ausreichender Zahl zu finden. Die Systemhersteller versprechen unterdessen immer mehr Plug-and-play. Um dies sicherzustellen, verweisen Netzwerkausschreibungen stets auf relevante Verkabelungsstandards. Diese erfordern natürlich auch Zertifizierungs- und Abnahmemessungen.

Messgeräte­management über die Cloud

Durch den erwähnten Mangel an entsprechenden Fachkräften suchen größere Installationsfirmen heute ohne Ausnahme Messlösungen, die für jeden Techniker fehlerfrei bedienbar sind. Die Lösungen müssen die benötigten Messprotokolle schnell und eindeutig erstellen sowie möglichst verzögerungsfrei für die finale Rechnungsstellung verfügbar machen. Idealerweise hat der verantwortliche Bauführer auch jederzeit einen Überblick darüber, welche Teile der Infrastruktur fertiggestellt sind und wie die Abnahmemessungen fortschreiten. Da man es sich bei dem heutigen Kostendruck kaum noch leisten kann, zweimal zum Kunden zu fahren, wäre es wünschenswert, einem Handwerker im Ernstfall auch remote helfen zu können. Das reicht vom Fernzugriff (Smart Access Anywhere) auf seine Messmittel durch einen zentralen Spezialisten bis hin zu Augmented Reality. Der Spezialist in der Zentrale sieht dann durch die Kamerabrille des Technikers, wo er anschließt, was er einstellt und was das Gerät anzeigt. Und er kann ihm dabei quasi die Hand führen.

Durch Cloud-Services vernetzte Techniker und Messgeräte ermöglichen es heute, dass man bei einem Projekt jederzeit einheitliche Test- und Zertifizierungsanforderungen sicherstellen und die gewonnenen Ergebnisse in Echtzeit verwalten kann. Ein Beispiel für eine derartige Lösung ist CERTiFi von VIAVI. Über eine Plattform zum Gerätemanagement werden darüber hinaus Firmware-Stand und Kalibrierintervalle der verwendeten Messgeräte verwaltet. So lassen sich dann auch Statistiken über alle durchgeführten Messungen erstellen.

Workflow Automation in vier Phasen

Die Umsetzung der Workflow Automation erfolgt in vier Phasen mit entsprechenden Rollen. Es gibt den Administrator des Systems, den Projektmanager für die Definition der Messaufgaben, den Techniker zur Ausführung der Messungen und einen Verantwortlichen für die Endabrechnung mit dem Kunden.

VIAVI-Bild1.jpg Workflow Automation für Kupfer- und LWL-Kabelzertifizierung: Die Lösung wird auf dem PC verwaltet und kommuniziert mit einer Mobile App. (Bild: VIAVI Solutions)

Planungs­phase

Ein Projektleiter strukturiert in einem Messmittel-Managementsystem nach Planungsvorgabe die Messaufgaben. Er kann aus einer Datenbank sowohl standardisierte Abnahmemessungen und Grenzwerte auswählen (TIA-xxx, ISO 11801, EN 50173 etc.) als auch eigene Mess- und Toleranzmasken erstellen und anwählen. Um dem Messtechniker jede Unsicherheit zu nehmen, kann der Projektleiter sogar Bilder oder Videos der örtlichen Gegebenheiten beifügen. Das System stellt ihm idealerweise auch die in den TIA-Standards definierten Struktur- und Label- Masken zur Verfügung. Offene APIs bieten die Möglichkeit, ein solches Messmittelmanagement als Baustein in größere Kommissionierungs-, Abrechnungs-, und Datenbanksysteme zu integrieren.

Aufgaben­verteilung

Der Projektleiter kann mit diesem Messmittel-Managementsystem die Messaufgaben an die verfügbaren Ressourcen (Messtechniker) verteilen und zuweisen. Heute hat jeder Techniker ein Smart Device mit einer App zur Anzeige der ihm zugeteilten Aufgaben dabei. Er ist auch in der Lage, die Aufgabe an Kollegen zu delegieren, wenn er verhindert oder überlastet ist. Sein Mobilgerät ist die dezentrale Instanz, die vom Projektleiter die Aufgaben bekommt und an sein Messgerät weitergibt. Der Projektleiter wiederum hat jederzeit einen Überblick über sein gesamtes Team und über den Stand der zu leistenden Messungen.

VIAVI-Bild4.jpg Die Mobile App CERTiFi meldet dem Techniker Aufgaben und die zugehörigen Einstellungen für sein Messgerät. (Bild: VIAVI Solutions)

Testausführung

Im Unterschied zu früher kommt nun der neuralgische Punkt. Jeder aus dem Metier weiß, dass man früher mit seiner Erfahrung die passende Einstellung am Messgerät gefunden hat, um ein gutes Messergebnis zu erzielen. Wenn aber viele Techniker parallel unterwegs sind, ist es hilfreich, in seinem Messkoffer eine Liste mit Standardeinstellungen zu haben. Da man nie weiß, ob ein Kollege sein Gerät möglicherweise anders eingestellt hat, sind Messergebnisse ohne strengen Workflow oft nicht einheitlich und vergleichbar. Im Zuge der heutigen Workflow Automation soll der Techniker vor Ort gar keine Einstellungen mehr vornehmen. Stattdessen überträgt er die Messaufgaben per Bluetooth oder WLAN komplett mit dem richtigen Setup und Labeling aus seiner Mobile App auf seine Messgeräte. Bei guter Planung ist das ein enormer Gewinn an Zeit und Sicherheit im Ablauf.

Echtzeitanalyse, Dokumentation und Rechnungs­stellung

Wer als erfahrener Leser vor 20 Jahren Messergebnisse rapportieren musste, kennt die Anfänge mit handschriftlichem Aufschrieb. Dann kamen die ersten Messgeräte mit COM1/V24 oder integriertem Thermodrucker – am besten schnell kopieren, sonst ist nach kurzer Zeit kaum noch was lesbar! –, schließlich das Diskettenlaufwerk, dann die CD-ROM und bis heute der USB-Port oder die Ethernet-Datenschnittstelle. Wie umständlich war es, das Messergebnis im richtigen Format an die richtige Stelle zu transportieren, wenn man es nicht per E-Mail absetzen konnte!

Aber Workflow Management kann sogar mehr als nur Daten übertragen: Sobald der Techniker wieder online ist, werden alle neuen Messergebnisse sofort per Mobile App in die Cloud auf dem zentralen Server abgelegt. Ab diesem Zeitpunkt sieht der Projektmanager den Stand der Dinge und kann bei Bedarf eingreifen, bevor die Messergebnisse in ein integriertes oder übergeordnetes Datenbanksystem übertragen werden. Der amerikanische Manager nennt das in bildhafter Sprache „Project Burndown“. Und, noch wichtiger: Erst bei Vorliegen der Messprotokolle ist der Auftrag abgeschlossen und kann in Rechnung gestellt werden. Messergebnisse können auch direkt auf den Server oder an das Netzmanagement des Auftraggebers übergeben werden, um diesem verzögerungsfrei Einblick in den Projektverlauf zu geben.

VIAVI-Bild 6.jpg Stratasync-Dashboard zur Übersicht über den Gerätebestand, die Messungen, die Zahl der Anwender, ihre Rollen, die Lizenzierung der Geräte, den Kalibrier- und den Firmware-Status. (Bild: VIAVI Solutions)

Zuverlässig einheitliche Abnahmemessungen

Messlösungen, bei denen nicht nur die Geräte Cloud-Zugang haben, sondern auch ein Workflow-Management-System aktiv ist, ermöglichen dem Installateur ein deutlich effizienteres Arbeiten.Durch den hohen Automatisierungsgrad können auch fachlich weniger versierte Arbeitskräfte die Abnahmemessungen ausführen, ohne dass die Zuverlässigkeit darunter litte oder Messungen übersehen würden. Der Projektmanager kann die Messaufgaben vom Planungstool aus an die richtigen und geeigneten Mitarbeiter verteilen. Er kann damit virtuelle Teams für verschiedene Projekte bilden. Weil dadurch die üblichen Mehrfachanfahrten deutlich weniger werden, steigen auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter und das Renommee des Unternehmens. Ein konsistentes Workflow-Management ist die Eintrittskarte zur reibungslosen Zertifizierung des Installationsunternehmens.

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Dipl. Ing. Thomas Friedrich ist Consultant und Focal Account Manager bei VIAVI Solutions mit einem nebenberuflichen Lehrauftrag für Kommunikationstechnik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. VIAVI ist ein weltweit führender Anbieter sowohl für die Bereitstellung von Netzwerkdiensten als auch von Produkten und Lösungen für optische Sicherheit und Performance. VIAVI bedient damit eine breites Kundenspektrum, von den weltweit größten Betreibern von Mobilfunknetzen über Behörden und Anbieter von Enterprise-Netzen und Anwendungen bis zu den Installateuren, die die Glasfasern verlegen und Funkmasten errichten.


VIAVI Solutions Deutschland GmbH, Arbachtalstraße 5, 72800 Eningen u.A., Tel.: 07121-86-0, sales.germany@viavisolutions.com, www.viavisolutions.de

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