KI-Manager

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KI für Entscheider

Von Dirk Bongardt

Unternehmen haben das Potenzial künstlicher Intelligenz längst erkannt, und auch im Alltag der Privatanwender hat KI inzwischen seinen festen Platz: Amazon Alexa, die Gesichtserkennung in Google Fotos, sogar die individuelle Auswahl an Filmen, die Netflix den Nutzern anzeigt – all das basiert auf künstlicher Intelligenz. In modernen Unternehmen errechnet KI die optimalen Wartungsintervalle, steuert Prozesse der Logistik, sorgt für eine intelligente Planung von Transportrouten und kommt immer öfter auch bei der Personalauswahl zum Einsatz. Und das ist erst der Anfang.

Bei einer Bitkom-Untersuchung sagten 68 % der Befragten, dass sie KI „vor allem als Chance“ sähen, zwei Drittel (66 %) erhoffen sich eine Stärkung der Wirtschaft durch KI, und drei Viertel (75 %) wünschen sich eine deutsche Führungsrolle auf diesem Technologiefeld. Die Nachfrage nach Spezialisten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz dürfte in den nächsten Jahren jedenfalls noch spürbar steigen.

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© just 4 business

Zertifikats­lehrgang für KI-Manager

Doch wie kommt künstliche Intelligenz ins eigene Unternehmen? Wer kann gezielt die Anwendungspotenziale erschließen, geeignete Verfahren auswählen und die praktische Umsetzung koordinieren? Um dem Bedarf an geschultem Fachpersonal zu begegnen, bietet die Bitkom Akademie in Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) jetzt den bundesweit ersten Zertifikatslehrgang „Ausbildung zum KI Manager“ an. „Nach 4.0 und Big Data sind Lernende Systeme die nächste Stufe der digitalen Transformation. Für die meisten Firmen ist das Thema jedoch noch sehr abstrakt, es fehlt an geschulten Experten“, sagt Anja Olsok, Geschäftsführerin der Bitkom Akademie. „Mit unserer neuen praxisbezogenen Ausbildung zum KI Manager wollen wir Unternehmen dabei unterstützen, Mitarbeiter weiter zu qualifizieren und Künstliche Intelligenz ganz konkret für ihr eigenes Geschäft nutzbar zu machen.“

Der berufsbegleitende Kurs adressiert nach Bitkom-Angaben Verantwortliche in den Bereichen strategische Unternehmensentwicklung, Geschäftsentwicklung, Digitalisierung sowie operativ tätige Projektmanager bzw. Teamleiter. Vorkenntnisse auf einem Gebiet der Informatik oder der KI sind ausdrücklich keine Voraussetzung.

Der Lehrgang umfasst die Grundlagen von künstlicher Intelligenz und hybrider Wertschöpfung durch Heuristiken, wissensbasierte Systeme und maschinelles Lernen. Die Teilnehmer setzen sich mit konkreten Anwendungsbeispielen zu künstlicher Intelligenz und Praxiserfahrungen aus Forschung und Entwicklung sowie von Unternehmen und Start-ups auseinander. Dabei erproben sie auch KI-Dienste und Services im Internet und erhalten die Möglichkeit, sie an den Anforderungen ihrer eigenen Geschäftsfelder zu reflektieren. Die Teilnehmer sollen damit befähigt werden, Anwendungsfälle zur Generierung KI-basierter, hybrider Wertschöpfung für das eigene Unternehmen zu konzipieren und kritisch zu reflektieren.

In fünf Modulen zum KI-Manager

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Der von der Bitkom Akademie und dem DFKI angebotene Zertifikatslehrgang setzt sich aus fünf Modulen zusammen, die an je einem oder zwei Tagen behandelt werden.

  1. Was ist künstliche Intelligenz? KI zum Anfassen: Historie, Beispiele, Gesellschaft, Ethik (2 Tage).
  2. Grundlagen und Voraussetzungen von KI: Methoden, Werkzeuge, Hands-on, maschinelles Lernen, Data Mining (2 Tage).
  3. Hybride Wertschöpfung durch KI -- Grundlagen, Methoden. Anwendungen Industrie 4.0 und Smart Services (1 Tag).
  4. Künstliche Intelligenz in Forschung und (Geschäfts-)Anwendung. Cognitive AR, Retail Solutions, Watson, Leonardo (2 Tage).
  5. Entwicklung von Geschäftsfeldern, Veränderung von Unternehmenskultur, Gestaltung von Transformationsprozessen (1 Tag).
Für Interessierte, die bereits konkrete KI-Projekte planen oder durchführen, gibt es ein Vertiefungsseminar. Veranstaltungsort des Zertifikatslehrgangs ist Berlin. Aktuelle Termine erfährt man auf der Website der Bitkom-Akademie. (Bild: Bitkom Akademie)

KI-Produkt­manager

Andere Fortbildungsangebote sind weniger umfassend ausgelegt und legen ihre Schwerpunkte auf einzelne Aspekte des KI-Managements. So gibt es zahlreiche produktbezogene Workshops und Online-Seminare, die etwa den Einsatz von Chatbots in der Kundenkommunikation thematisieren oder die Teilnehmer beim Umgang mit KI-Lösungen für das Management großer Datenmengen, wie sie beispielsweise in einem CRM-System anfallen können, fit machen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT & Karriere“ erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Einen speziellen Online-Kurs für die Ausbildung zum AI Product Manager bietet die US-Plattform Udacity an. Neben allgemeinen betriebswirtschaftlichen Aspekten der künstlichen Intelligenz lernen die Absolventen, wie sie mit großen Datensätzen und Trainingsmodellen umgehen, und erfahren, wie sich mithilfe von KI sicherstellen lässt, dass ein Produkt in Hinsicht auf Skalierbarkeit und Compliance markttauglich ist. Laut Udacity fokussiert das Lehrprogramm auf Teilnehmer, die die Vorteile der KI in produktorientierten Geschäftsbereichen nutzen wollen, aber die technische Implementierung von neuralen Netzwerken und ML-Modellen weder beherrschen wollen noch müssen.

Technische KI-Spezialisten

Doch Manager allein können die Entwicklung KI-basierter Geschäftsmodelle im Unternehmen nicht vorantreiben. Technisch versierte Spezialisten werden ebenso dringend benötigt, um die Konzepte in die Praxis umzusetzen. Insbesondere drei Gruppen solcher Fachleute sind gesucht.

  1. Spezialisten für maschinelles Lernen trainieren Computerprogramme, riesige Datenmengen zu analysieren, damit die KI auf der Basis dieser Daten selbstständig Problemlösungen entwickelt. Systeme, die auf maschinellem Lernen basieren, kommen in der Bilderkennung zum Einsatz – etwa um die Hand eines Arbeiters an einer Fertigungsstraße zuverlässig von einem zu bearbeitenden Werkstück zu unterscheiden oder, in der Medizin, um aus den Bildern von Gewebeproben mit hoher Zuverlässigkeit Erkrankungen diagnostizieren zu können.
  2. Spezialisten für autonome Systeme sind an der Entwicklung von kognitiven Systemen beteiligt, die selbstständig, unabhängig von menschlicher Steuerung, operieren. Autonome Fahrzeuge gehören ebenso dazu wie Pflegeroboter oder Cobots an Fertigungsstraßen, die in der Produktion im Wortsinne Hand in Hand mit menschlichen Kollegen arbeiten.
  3. Spezialisten für Sprachtechnologie schließlich sind jene Entwickler, denen Konsumenten Alexa, den Google Assistant, Siri und Cortana zu verdanken haben, deren Entwicklungen aber auch in Navigationssystemen mit Sprachein- und -ausgabe zum Einsatz kommen, in sprechenden Handbüchern oder in Echtzeitübersetzungssystemen. Im Business-Bereich entwickeln diese Experten sprachgestützte Kundensupportsysteme, die Bestellungen entgegennehmen, Auskünfte geben oder sogar Servicefragen beantworten können.

Meine Zukunft mit KI

KI-Manager und technische Spezialisten in Sachen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen gehören derzeit zu den gefragtesten IT-Fachkräften. Wer hier eine Fort- und/oder Ausbildung absolviert, investiert klug in die (berufliche) Zukunft und kann mit guten Erträgen seiner Investition rechnen. Bei entsprechender Bewährung sind nach einigen Berufsjahren durchaus Gehälter im sechsstelligen Bereich möglich.

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Dirk Bongardt hat vor Beginn seiner journalistischen Laufbahn zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen in Vertriebsabteilungen industrieller und mittelständischer Unternehmen gesammelt. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Informationen rund um Gegenwarts- und Zukunftstechnologien, vorwiegend in den Bereichen Mobile und IT.


Dirk Bongardt, Tel.: 05262-6400216, mail@dirk-bongardt.de, netknowhow.de

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