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Von [[Dr. rer. nat. Jürgen Kaack]], [http://www.stz-consulting.de STZ-Consulting Group]
 
Von [[Dr. rer. nat. Jürgen Kaack]], [http://www.stz-consulting.de STZ-Consulting Group]
  
Product Launch oder Produkteinführung beschreibt den Prozess der Produktgestaltung über die Entwicklung und die Produktionsvorbereitung bis zur Übergabe an den Vertrieb.
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Product Launch (Produkteinführung) beschreibt den Prozess der Produktgestaltung über die Entwicklung und die Produktionsvorbereitung bis zur Übergabe an den Vertrieb.
  
 
== Produktplanung ist der erste Schritt ==
 
== Produktplanung ist der erste Schritt ==
  
Der Produkteinführungsprozess beginnt mit der Produktplanung, für den die Ergebnisse aus einem übergreifenden Business Plan bzw. einer Marketing-Planung Vorgaben ergeben sollten. Im Rahmen der Betrachtungen zu dem Marketing-Mix Faktor „Produkt“ wurden die verschiedenen Möglichkeiten zur Gewinnung von Informationen zur Produktgestaltung ausführlich dargestellt. Mit der Spezifikation des neuen Produktes beginnt der eigentliche Prozess. In der Folge sind die weiteren Voraussetzungen für eine Entwicklungsfreigabe bzw. eine Entscheidung über die Zuordnung von Mitteln in Form von Personal und Budget zu schaffen. Hierzu gehört ein produktspezifischer Business Plan, für den z.B. mit dem dynamischen Marketingplan die Potenziale und Markteinführungs- und späteren Vertriebskosten ermittelt werden. Außerdem sind die Produktionsvorlaufkosten z.B. für neue Werkzeuge zu ermitteln und die zu erwartenden Produktionsstückkosten einschließlich der Fremd- und Materialkosten. Der sich ergebende Business Plan muss mit allen später betroffenen Bereichen abgestimmt und von diesen akzeptiert werden, bevor eine Entscheidung über den Einsatz der notwendigen Ressourcen erfolgt.
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Der Produkteinführungsprozess beginnt mit der Produktplanung, für den die Ergebnisse aus einem übergreifenden Business Plan bzw. einer Marketingplanung Vorgaben ergeben sollten. Im Rahmen der Betrachtungen zu dem Marketing-Mix-Faktor „Produkt“ wurden die verschiedenen Möglichkeiten zur Gewinnung von Informationen zur Produktgestaltung ausführlich dargestellt. Mit der Spezifikation des neuen Produktes beginnt der eigentliche Prozess. In der Folge sind die weiteren Voraussetzungen für eine Entwicklungsfreigabe bzw. eine Entscheidung über die Zuordnung von Mitteln in Form von Personal und Budget zu schaffen. Hierzu gehört ein produktspezifischer Business Plan, für den z.B. mit dem dynamischen Marketingplan die Potenziale, Markteinführungs- und späteren Vertriebskosten ermittelt werden. Außerdem sind die Produktionsvorlaufkosten z.B. für neue Werkzeuge zu ermitteln und die zu erwartenden Produktionsstückkosten einschließlich der Fremd- und Materialkosten. Der sich ergebende Business Plan muss mit allen später betroffenen Bereichen abgestimmt und von diesen akzeptiert werden, bevor eine Entscheidung über den Einsatz der notwendigen Ressourcen erfolgt.
  
 
== Vor der Entwicklung steht die Entwicklungsplanung ==
 
== Vor der Entwicklung steht die Entwicklungsplanung ==
  
  
Der nächste Schritt ist die Erstellung einer detaillierten Entwicklungsplanung, die den Prozess in Teilschritte mit Meilensteinen und Zeitplan herunter bricht. Dabei ist auch an zu geben, welcher Aufwand für welchen Schritt notwendig ist und wie das Ergebnis des Teilschrittes aus zu sehen hat. Gerade bei größeren Entwicklungsvorhaben mit einem hohen Ressourcen-Einsatz sind anlässlich der Meilensteine jeweils Soll-/Ist-Vergleiche durch zu führen. Dabei sollte auch das Marketing bei der Beurteilung der Ergebnisse mit hinzu gezogen werden. Gerade für große Entwicklungs-Projekte sollten die Meilensteine auch mit „Sollbruchstellen“ versehen werden, damit sich ein Entwicklungsvorhaben nicht verselbständigt und entweder beim tatsächlichen Aufwand, der benötigten Zeit und/oder den Entwicklungsergebnissen deutlich von den gesetzten Zielen abweicht.
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Der nächste Schritt ist die Erstellung einer detaillierten Entwicklungsplanung, die den Prozess in Teilschritte mit Meilensteinen und Zeitplan herunterbricht. Dabei ist auch anzugeben, welcher Aufwand für welchen Schritt notwendig ist und wie das Ergebnis des Teilschrittes auszusehen hat. Gerade bei größeren Entwicklungsvorhaben mit einem hohen Ressourcen-Einsatz sind anlässlich der Meilensteine jeweils Soll-Ist-Vergleiche durchzuführen. Dabei sollte auch das Marketing bei der Beurteilung der Ergebnisse mit hinzugezogen werden. Gerade für große Entwicklungsprojekte sollten die Meilensteine auch mit „Sollbruchstellen“ versehen werden, damit sich ein Entwicklungsvorhaben nicht verselbstständigt und entweder beim tatsächlichen Aufwand, der benötigten Zeit und/oder den Entwicklungsergebnissen deutlich von den gesetzten Zielen abweicht.
  
== Entwicklung und der laufende Soll-Ist Vergleich ==
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== Entwicklung und der laufende Soll-Ist-Vergleich ==
  
Nun ist es bei Entwicklungs-Vorhaben nicht unüblich, dass sich bei der Umsetzung die Dinge anders entwickeln, als dies ursprünglich geplant war. Daher ist es sinnvoll, von Anfang an Toleranzen fest zu legen, die akzeptabel sind bei Kosten- und Zeitvorgaben, aber auch bei den Eigenschaften des Entwicklungs-Ergebnisses. Wie großzügig solche Grenzen gesetzt werden können, hängt von den spezifischen Anforderungen und der Risikobereitschaft ab, wichtig ist prinzipiell nur, dass Grenzen definiert werden und ein Überschreiten der Grenzen eine Information an die Entscheidungsträger auslöst. Wenn dieser Fall eintritt, muss der Entwicklungsprozess überarbeitet werden und es ist eine erneute Entscheidung aller Beteiligten erforderlich, ob die Entwicklung unter den neuen Randbedingungen weiter fortgeführt werden soll. Dabei ist insbesondere auch kritisch zu prüfen, ob das zu erwartende spätere Produkt in seinen Spezifikationen und dem Preis auch das ursprünglich erwartete Marktpotenzial trifft.
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Nun ist es bei Entwicklungsvorhaben nicht unüblich, dass sich bei der Umsetzung die Dinge anders entwickeln, als dies ursprünglich geplant war. Daher ist es sinnvoll, von Anfang an Toleranzen festzulegen, die akzeptabel sind. Das gilt für Kosten- und Zeitvorgaben ebenso wie für die Eigenschaften des Entwicklungsergebnisses. Wie großzügig solche Grenzen gesetzt werden können, hängt von den spezifischen Anforderungen und der Risikobereitschaft ab; wichtig ist prinzipiell nur, dass Grenzen definiert werden und ein Überschreiten der Grenzen eine Information an die Entscheidungsträger auslöst. Wenn dieser Fall eintritt, muss der Entwicklungsprozess überarbeitet werden, und es ist eine erneute Entscheidung aller Beteiligten erforderlich, ob die Entwicklung unter den neuen Randbedingungen weiter fortgeführt werden soll. Dabei ist insbesondere auch kritisch zu prüfen, ob das zu erwartende spätere Produkt in seinen Spezifikationen und dem Preis auch das ursprünglich erwartete Marktpotenzial trifft.
  
Es kann dabei vernünftiger sein, ein Entwicklungsvorhaben ein zu stellen, wenn erkennbar ist, dass der spätere Markterfolg aufgrund von Änderungen in den Spezifikationen vermutlich nicht wie geplant eintreten wird. Dies gilt auch dann, wenn bereits erhebliche Kosten in die Entwicklung geflossen sind und es vielleicht auch schon ein erhebliches persönliches Commitment bei den beteiligten Mitarbeitern gibt. Lässt man als Unternehmer die Entwicklung trotz einer erkennbaren Gefährdung des Markterfolges zu, dann sollte man auch in der Lage sein, die in der Folge für die Produktionsvorbereitung und die Markteinführung erforderlichen Kosten auch ohne den entsprechenden Return zu verkraften. In aller Regel sind die Kosten, die nach Abschluss der Entwicklung für die Produktionsvorbereitung und die Vermarktung anfallen deutlich höher als die reinen Entwicklungskosten. Neben den Kosten sind bei einem Misserfolg auch ein möglicher Folgeschaden durch Kundenabwanderung oder Image-Einbussen zu berücksichtigen.
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Es kann dabei vernünftiger sein, ein Entwicklungsvorhaben einzustellen, wenn erkennbar ist, dass der spätere Markterfolg aufgrund von Änderungen in den Spezifikationen vermutlich nicht wie geplant eintreten wird. Dies gilt auch dann, wenn bereits erhebliche Kosten in die Entwicklung geflossen sind und es vielleicht auch schon ein erhebliches persönliches Commitment bei den beteiligten Mitarbeitern gibt. Lässt man als Unternehmer die Entwicklung trotz einer erkennbaren Gefährdung des Markterfolges zu, dann sollte man auch in der Lage sein, die in der Folge für die Produktionsvorbereitung und die Markteinführung erforderlichen Kosten auch ohne den entsprechenden Return zu verkraften. In aller Regel sind die Kosten, die nach Abschluss der Entwicklung für die Produktionsvorbereitung und die Vermarktung anfallen, deutlich höher als die reinen Entwicklungskosten. Neben den Kosten sind bei einem Misserfolg auch mögliche Folgeschäden durch Kundenabwanderung oder Image-Einbußen zu berücksichtigen.
  
== "Sollbruchstellen" schützen das Unternehmen ==
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== „Sollbruchstellen“ schützen das Unternehmen ==
  
 
Die Entscheidung zur Einstellung eines nicht erfolgreichen Vorhabens kann sich somit in vielen Fällen als unternehmerisch erfolgreich herausstellen, auch wenn es intern vermutlich nicht unbedingt eine leichte Entscheidung sein dürfte. Da die vorhandenen Ressourcen immer endlich sind, birgt die vorzeitige Einstellung einer Entwicklung allerdings die gleichzeitige Chance, ein anderes Projekt mit höheren Erfolgschancen schneller in Angriff zu nehmen!
 
Die Entscheidung zur Einstellung eines nicht erfolgreichen Vorhabens kann sich somit in vielen Fällen als unternehmerisch erfolgreich herausstellen, auch wenn es intern vermutlich nicht unbedingt eine leichte Entscheidung sein dürfte. Da die vorhandenen Ressourcen immer endlich sind, birgt die vorzeitige Einstellung einer Entwicklung allerdings die gleichzeitige Chance, ein anderes Projekt mit höheren Erfolgschancen schneller in Angriff zu nehmen!
  
Der Prozess der Entwicklung sollte bei einer ordnungsgemäßen Durchführung ohne unerwartete Probleme zu dem richtigen Zeitpunkt und mit den richtigen Eigenschaften abgeschlossen werden. Je nach entwickeltem Produkt endet die Entwicklung mit einem Musterbau oder Laboraufbau des neuen Produktes, anhand dessen die späteren Eigenschaften des neuen Produktes zum ersten Mal getestet werden können. Das Ergebnis der Entwicklungsarbeiten ist einer Prüfung durch die beteiligten Bereiche zu unterziehen. Der Produkteinführungsprozess ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Genau wie der eigentliche Entwicklungsprozess ist auch die Produktionsvorbereitung mit Zwischenschritten und einem Zeitplan vor zu bereiten.  
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Der Prozess der Entwicklung sollte bei einer ordnungsgemäßen Durchführung ohne unerwartete Probleme zu dem richtigen Zeitpunkt und mit den richtigen Eigenschaften abgeschlossen werden. Je nach entwickeltem Produkt endet die Entwicklung mit einem Musterbau oder Laboraufbau des neuen Produktes. Dann können die späteren Eigenschaften des neuen Produktes zum ersten Mal getestet werden. Das Ergebnis der Entwicklungsarbeiten ist einer Prüfung durch die beteiligten Bereiche zu unterziehen. Der Produkteinführungsprozess ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Genau wie der eigentliche Entwicklungsprozess ist auch die Produktionsvorbereitung mit Zwischenschritten und einem Zeitplan vorzubereiten.  
  
 
== Produktionsvorbereitung und Überleitung ==
 
== Produktionsvorbereitung und Überleitung ==
  
  
Nach dem Abschluss der Produktionsvorbereitung sind Produktionstests durch zu führen und die Ergebnisse zunächst intern einem Praxistest zu unterziehen. Dabei sollte vorher ein Testplan aufgestellt und ein Protokoll-Formular entwickelt werden, damit die Beurteilung des neuen Produktes nach vergleichbaren Kriterien beurteilt werden. Auch dieser Schritt sollte einen definierten Zeitplan haben und durch die Auswertung der Beurteilungen abgeschlossen werden. Hierbei kann ein Ergebnis sein, dass Nacharbeiten erforderlich sind, die Qualität verbessert wird o.ä.. Wenn alle internen Bereiche mit dem Ergebnis zufrieden sind, sollte sich ein externer Test mit ausgewählten Testkunden anschließen, um für die anschließende Vermarktungsphase Sicherheit zu gewinnen. Die Anzahl der Testkunden sollte nicht zu groß gewählt werden, da diese Kunden vermutlich am Anfang mehr Unterstützung brauchen bzw. mehr Fragen haben, als der spätere Verbraucher.
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Nach dem Abschluss der Produktionsvorbereitung sind Produktionstests durchzuführen und die Ergebnisse zunächst intern einem Praxistest zu unterziehen. Dabei sollte vorher ein Testplan aufgestellt und ein Protokollformular entwickelt werden, damit die Beurteilung des neuen Produktes nach vergleichbaren Kriterien erfolgt. Auch dieser Schritt sollte einen definierten Zeitplan haben und durch die Auswertung der Beurteilungen abgeschlossen werden. Hierbei kann ein Ergebnis sein, dass Nacharbeiten erforderlich sind, die Qualität verbessert wird o.Ä. Wenn alle internen Bereiche mit dem Ergebnis zufrieden sind, sollte sich ein externer Test mit ausgewählten Testkunden anschließen, so dass man für die anschließende Vermarktungsphase Sicherheit gewinnt. Die Anzahl der Testkunden sollte nicht zu groß gewählt werden, da diese Kunden vermutlich am Anfang mehr Unterstützung brauchen bzw. mehr Fragen haben als der spätere Verbraucher.
  
 
== Vertriebsmaterialien und Schulungen stehen vor der Markteinführung ==
 
== Vertriebsmaterialien und Schulungen stehen vor der Markteinführung ==
  
Nach Abschluss dieser entscheidenden Testphase ist die Markteinführung vor zu bereiten. Je nach Produkt sind hierfür folgende Aufgaben zu erledigen:
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Nach Abschluss dieser entscheidenden Testphase ist die Markteinführung vorzubereiten. Je nach Produkt sind hierfür folgende Aufgaben zu erledigen:
  
* Produktbeschreibung erstellen
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* eine Produktbeschreibung erstellen,
* Bedienungsanleitung schreiben und produzieren
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* eine Bedienungsanleitung schreiben und produzieren,
* Verpackung gestalten und bereit stellen
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* eine Verpackung gestalten und bereitstellen,
* Preislisten produzieren
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* Preislisten produzieren,
* Produktschulungen für Vertrieb, Service etc. durchführen
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* Produktschulungen für Vertrieb, Service etc. durchführen,
* Evtl. Schulungsprogramme für externe Vertriebspartner (Fachhändler, Handelsvertreter, Kooperationspartner) ausarbeiten
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* evtl. Schulungsprogramme für externe Vertriebspartner (Fachhändler, Handelsvertreter, Kooperationspartner) ausarbeiten,
* Werbemaßnahmen gestalten  
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* Werbemaßnahmen gestalten,
* Gegebenenfalls Produkt-PR erstellen
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* gegebenenfalls Produkt-PR erstellen und
* Vorführgeräte für den Vertrieb bereitstellen
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* Vorführgeräte für den Vertrieb bereitstellen.
  
 
Erst nach Abschluss dieser Aufgaben ist der Produkteinführungsprozess abgeschlossen.
 
Erst nach Abschluss dieser Aufgaben ist der Produkteinführungsprozess abgeschlossen.

Version vom 17. Oktober 2006, 12:47 Uhr

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Product Launch (Produkteinführung) beschreibt den Prozess der Produktgestaltung über die Entwicklung und die Produktionsvorbereitung bis zur Übergabe an den Vertrieb.

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© Heise Business Services

Produktplanung ist der erste Schritt

Der Produkteinführungsprozess beginnt mit der Produktplanung, für den die Ergebnisse aus einem übergreifenden Business Plan bzw. einer Marketingplanung Vorgaben ergeben sollten. Im Rahmen der Betrachtungen zu dem Marketing-Mix-Faktor „Produkt“ wurden die verschiedenen Möglichkeiten zur Gewinnung von Informationen zur Produktgestaltung ausführlich dargestellt. Mit der Spezifikation des neuen Produktes beginnt der eigentliche Prozess. In der Folge sind die weiteren Voraussetzungen für eine Entwicklungsfreigabe bzw. eine Entscheidung über die Zuordnung von Mitteln in Form von Personal und Budget zu schaffen. Hierzu gehört ein produktspezifischer Business Plan, für den z.B. mit dem dynamischen Marketingplan die Potenziale, Markteinführungs- und späteren Vertriebskosten ermittelt werden. Außerdem sind die Produktionsvorlaufkosten z.B. für neue Werkzeuge zu ermitteln und die zu erwartenden Produktionsstückkosten einschließlich der Fremd- und Materialkosten. Der sich ergebende Business Plan muss mit allen später betroffenen Bereichen abgestimmt und von diesen akzeptiert werden, bevor eine Entscheidung über den Einsatz der notwendigen Ressourcen erfolgt.

Vor der Entwicklung steht die Entwicklungsplanung

Der nächste Schritt ist die Erstellung einer detaillierten Entwicklungsplanung, die den Prozess in Teilschritte mit Meilensteinen und Zeitplan herunterbricht. Dabei ist auch anzugeben, welcher Aufwand für welchen Schritt notwendig ist und wie das Ergebnis des Teilschrittes auszusehen hat. Gerade bei größeren Entwicklungsvorhaben mit einem hohen Ressourcen-Einsatz sind anlässlich der Meilensteine jeweils Soll-Ist-Vergleiche durchzuführen. Dabei sollte auch das Marketing bei der Beurteilung der Ergebnisse mit hinzugezogen werden. Gerade für große Entwicklungsprojekte sollten die Meilensteine auch mit „Sollbruchstellen“ versehen werden, damit sich ein Entwicklungsvorhaben nicht verselbstständigt und entweder beim tatsächlichen Aufwand, der benötigten Zeit und/oder den Entwicklungsergebnissen deutlich von den gesetzten Zielen abweicht.

Entwicklung und der laufende Soll-Ist-Vergleich

Nun ist es bei Entwicklungsvorhaben nicht unüblich, dass sich bei der Umsetzung die Dinge anders entwickeln, als dies ursprünglich geplant war. Daher ist es sinnvoll, von Anfang an Toleranzen festzulegen, die akzeptabel sind. Das gilt für Kosten- und Zeitvorgaben ebenso wie für die Eigenschaften des Entwicklungsergebnisses. Wie großzügig solche Grenzen gesetzt werden können, hängt von den spezifischen Anforderungen und der Risikobereitschaft ab; wichtig ist prinzipiell nur, dass Grenzen definiert werden und ein Überschreiten der Grenzen eine Information an die Entscheidungsträger auslöst. Wenn dieser Fall eintritt, muss der Entwicklungsprozess überarbeitet werden, und es ist eine erneute Entscheidung aller Beteiligten erforderlich, ob die Entwicklung unter den neuen Randbedingungen weiter fortgeführt werden soll. Dabei ist insbesondere auch kritisch zu prüfen, ob das zu erwartende spätere Produkt in seinen Spezifikationen und dem Preis auch das ursprünglich erwartete Marktpotenzial trifft.

Es kann dabei vernünftiger sein, ein Entwicklungsvorhaben einzustellen, wenn erkennbar ist, dass der spätere Markterfolg aufgrund von Änderungen in den Spezifikationen vermutlich nicht wie geplant eintreten wird. Dies gilt auch dann, wenn bereits erhebliche Kosten in die Entwicklung geflossen sind und es vielleicht auch schon ein erhebliches persönliches Commitment bei den beteiligten Mitarbeitern gibt. Lässt man als Unternehmer die Entwicklung trotz einer erkennbaren Gefährdung des Markterfolges zu, dann sollte man auch in der Lage sein, die in der Folge für die Produktionsvorbereitung und die Markteinführung erforderlichen Kosten auch ohne den entsprechenden Return zu verkraften. In aller Regel sind die Kosten, die nach Abschluss der Entwicklung für die Produktionsvorbereitung und die Vermarktung anfallen, deutlich höher als die reinen Entwicklungskosten. Neben den Kosten sind bei einem Misserfolg auch mögliche Folgeschäden durch Kundenabwanderung oder Image-Einbußen zu berücksichtigen.

„Sollbruchstellen“ schützen das Unternehmen

Die Entscheidung zur Einstellung eines nicht erfolgreichen Vorhabens kann sich somit in vielen Fällen als unternehmerisch erfolgreich herausstellen, auch wenn es intern vermutlich nicht unbedingt eine leichte Entscheidung sein dürfte. Da die vorhandenen Ressourcen immer endlich sind, birgt die vorzeitige Einstellung einer Entwicklung allerdings die gleichzeitige Chance, ein anderes Projekt mit höheren Erfolgschancen schneller in Angriff zu nehmen!

Der Prozess der Entwicklung sollte bei einer ordnungsgemäßen Durchführung ohne unerwartete Probleme zu dem richtigen Zeitpunkt und mit den richtigen Eigenschaften abgeschlossen werden. Je nach entwickeltem Produkt endet die Entwicklung mit einem Musterbau oder Laboraufbau des neuen Produktes. Dann können die späteren Eigenschaften des neuen Produktes zum ersten Mal getestet werden. Das Ergebnis der Entwicklungsarbeiten ist einer Prüfung durch die beteiligten Bereiche zu unterziehen. Der Produkteinführungsprozess ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Genau wie der eigentliche Entwicklungsprozess ist auch die Produktionsvorbereitung mit Zwischenschritten und einem Zeitplan vorzubereiten.

Produktionsvorbereitung und Überleitung

Nach dem Abschluss der Produktionsvorbereitung sind Produktionstests durchzuführen und die Ergebnisse zunächst intern einem Praxistest zu unterziehen. Dabei sollte vorher ein Testplan aufgestellt und ein Protokollformular entwickelt werden, damit die Beurteilung des neuen Produktes nach vergleichbaren Kriterien erfolgt. Auch dieser Schritt sollte einen definierten Zeitplan haben und durch die Auswertung der Beurteilungen abgeschlossen werden. Hierbei kann ein Ergebnis sein, dass Nacharbeiten erforderlich sind, die Qualität verbessert wird o.Ä. Wenn alle internen Bereiche mit dem Ergebnis zufrieden sind, sollte sich ein externer Test mit ausgewählten Testkunden anschließen, so dass man für die anschließende Vermarktungsphase Sicherheit gewinnt. Die Anzahl der Testkunden sollte nicht zu groß gewählt werden, da diese Kunden vermutlich am Anfang mehr Unterstützung brauchen bzw. mehr Fragen haben als der spätere Verbraucher.

Vertriebsmaterialien und Schulungen stehen vor der Markteinführung

Nach Abschluss dieser entscheidenden Testphase ist die Markteinführung vorzubereiten. Je nach Produkt sind hierfür folgende Aufgaben zu erledigen:

  • eine Produktbeschreibung erstellen,
  • eine Bedienungsanleitung schreiben und produzieren,
  • eine Verpackung gestalten und bereitstellen,
  • Preislisten produzieren,
  • Produktschulungen für Vertrieb, Service etc. durchführen,
  • evtl. Schulungsprogramme für externe Vertriebspartner (Fachhändler, Handelsvertreter, Kooperationspartner) ausarbeiten,
  • Werbemaßnahmen gestalten,
  • gegebenenfalls Produkt-PR erstellen und
  • Vorführgeräte für den Vertrieb bereitstellen.

Erst nach Abschluss dieser Aufgaben ist der Produkteinführungsprozess abgeschlossen.