Smarte Technologie, Teil 1

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Intelligenztest für Kühlschränke

Von Oliver Schonschek

„Wenn ich das nächste Mal im Einkaufszentrum bin, sehe ich mir das neue Geschäft genauer an“, denkt sich der Kunde auf dem Weg nach Hause. Er greift zu seinem Smartphone und macht sich eine Notiz. Eine Woche später ist er wieder in der Gegend, und sein Mobiltelefon erinnert ihn an seinen Vermerk. Diese Erinnerung ist aber nicht zeitlich, sondern an den Ort gebunden. Ein Smartphone, das z.B. über die App Google Keep verfügt, kann nämlich auch ortsabhängig an Vorhaben erinnern.

Hier wird ein Smartphone wieder einmal seinem Namen gerecht: Es ist auf eine bestimmte Weise „intelligent“. Die App für die digitalen Notizen speichert nicht nur die Erinnerungen, sondern wertet – bei entsprechender Einstellung – den aktuellen Standort aus, um dann passend zum Ort die Meldungen für den Nutzer auszugeben.

Je nach Umgebung und Nutzer

Was ein Smartphone smart macht, sind nicht einfach die zahlreichen Möglichkeiten, zu telefonieren, E-Mails zu senden oder zu empfangen, im Internet zu surfen, Fotos zu machen oder Videos zu schauen. Denn bei all diesen Funktionen folgt das Gerät zuerst den Befehlen des Nutzers. Eine „Intelligenz“ oder gewissermaßen Eigeninitiative entwickelt das Mobilgerät erst, wenn es selbstständig reagiert – auf die aktuelle Umgebung, auf den Nutzer oder auf andere Parameter.

Die OECD hat dafür sogar eine Definition parat: Ihr zufolge bedeutet smart, dass eine Anwendung Daten sammeln kann, auf die jeweiligen Entwicklungen reagiert und die Resultate anderen Diensten oder dem Nutzer kommuniziert. Die OECD-Studie „Building Blocks of Smart Networks“ geht davon aus, dass 2017 ein Durchschnittshaushalt mit zwei Teenagern 25 Internet-fähige Geräte haben wird, 2022 sollen es bereits 50 sein.

Schon heute kann man von zehn Internet-fähigen Geräten pro Haushalt ausgehen. Viele dieser Produkte haben smarte Funktionen, Tendenz stark steigend. Wir sind von immer mehr Sensoren umgeben, die Daten sammeln, von Anwendungen, die Auswertungen vornehmen, und von Displays oder anderen Ausgabegeräten, die Meldungen an uns Nutzer abgeben.

Immer unterstützt und überwacht

Viele der smarten Produkte sollen menschliche Schwächen bei Krankheit und im Alter kompensieren; sie sollen uns helfen, möglichst lange selbstständig und selbstbestimmt zu leben. So können intelligente Systeme im Haus dafür sorgen, dass Patienten ihre Medikamente nicht vergessen, dass die Vorräte im Kühlschrank nicht ohne Vorwarnung ausgehen oder dass Notfälle nicht unbemerkt bleiben, weil die smarte Hilfe selbsttätig einen Alarm absetzt.

Manchmal aber geben uns die smarten Lösungen auch das Gefühl, fast ferngesteuert zu sein. Denn nicht immer ist es eine selbst eingestellte Erinnerung, die sich meldet, wenn man das Einkaufszentrum betritt. Oft genug ist es eine Werbung oder ein aktuelles Sonderangebot, die ein vor Ort ansässiges Geschäft auf den Weg geschickt hat. Nähert man sich dem Laden, wird dann die passende Werbung angezeigt. Auf Wunsch führt die sogenannte hyperlokale Werbung auch per Indoor-Navigation direkt in die Verkaufsräume.

Während der Autofahrt können intelligente Systeme z.B. den Füllstand des Tanks im Blick behalten und rechtzeitig die nächste Tankstelle als Navigationsziel empfehlen. Gerade das moderne Auto enthält inzwischen eine Vielzahl von sogenannter Car IT und bietet dadurch viel Komfort und Service.

Serie: Smarte Technologie
Teil 1 versucht den Hype zu verstehen: Was genau macht Smartphones, Smartwatches und Smart-TVs schlau? Teil 2 erkundigt sich nach dem Datenschutz und warnt davor, dass sich die klugen Helfer selbstständig machen. Teil 3 geht schließlich auf den Markt und sieht sich an, was smarte Produkte bereits können. In einem Extrabeitrag gibt außerdem Dr. Harald Karcher Auskunft, wie ihm die LG G Watch R mit Google-Wear-Software bekommt.

Smarte Technik schaut auf ihre Anwender

Solange die automatischen Hinweise hilfreich und erwünscht sind, sind solche Funktionen mehr als wünschenswert. Wird aber der Nutzer ungewollt über sein Smartphone verfolgt und beeinflusst, wird die Intelligenz der Produkte unheimlich.

Im zweiten Teil dieser Serie wollen wir deshalb zuerst einen Blick aus der Sicht des Datenschutzes auf die Auswirkungen smarter Produkte werfen. Es ist nun einmal so: Intelligente Produkte machen das Leben nicht nur komfortabler, sie erfordern auch einen ebenso smarten Datenschutz. Das sogenannte Smart Metering, also die intelligente Messung von Verbrauchswerten, ist nur ein Beispiel, bei dem der Datenschutz zur Vorsicht rät.

Bitte beachten Sie: Die nationalen Datenschutzgesetze in der EU, also auch das BDSG, wurden zum 25. Mai 2018 durch die Bestimmungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung ersetzt.

Im weiteren Verlauf betrachtet diese Artikelserie noch verschiedene smarte Produkte genauer, z.B. Smartwatches, Smart-TVs oder Smart Homes. Außerdem gibt es neben den intelligenten Produkten auch zunehmend smarte Produktionsverfahren. Auch hier gilt es, darauf zu achten, dass bequeme Funktionen nicht zu einer Einschränkung der Privatsphäre im Privatleben oder im Beruf führen – wirklich smarte Produkte dürften das erst gar nicht zulassen. Ob Nutzer oder Beschäftigter, immer sollten die intelligenten Funktionen eine Unterstützung sein und nicht ein Nachteil.

Zunächst aber sieht sich Teil 2 dieser Serie an, wann man mit Wearables und intelligenten Begleitern datenschutzrechtlich gegen die Wand läuft.
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Oliver Schonschek bewertet als News Analyst auf MittelstandsWiki.de aktuelle Vorfälle und Entwicklungen. Der Fokus liegt auf den wirtschaftlichen Aspekten von Datenschutz und IT-Sicherheit aus dem Blickwinkel des Mittelstands. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen, insbesondere in seinem Spezialgebiet Datenschutz und Datensicherheit.


Oliver Schonschek, Tel.: 02603-936116, www.schonschek.de

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