Social Bookmarks

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Wo Websurfer Zeichen setzen

Von Loredana Covaci/Peter Riedlberger

„Social Bookmarking“ nennt man das Phänomen, wenn Webbenutzer verschlagwortete Link-Listen einander zur Verfügung stellen.

Das Prinzip ist einfach und naheliegend: Jemand sucht z.B. eine Website mit einer präzisen Fragestellung: „Wo soll ich nachsehen, mit welcher Gesellschaft man wann billig telefoniert?“ oder „Wo finde ich einen Stadtplan von Hamburg im Netz?“ Natürlich könnte er nun anfangen, selbst per Google oder mit einer vergleichbaren Suchmaschine das Web zu durchstöbern. Einfacher geht es aber, wenn ein Freund, Bekannter oder Kollege direkt Sites empfiehlt, die aus seiner Sicht die besten sind – vielleicht sogar mit Kommentar, warum die eine Website besser als die der Konkurrenz ist („lädt schneller“, „übersichtlicher“, „immer aktuell“). Social Bookmarking ist nun der Versuch, bei solchen Link-Tipps die persönlichen Kontakte durch ein organisiertes Online-System zu ersetzen.

Eingemerkt, getaggt und öffentlich

Benutzer, die sich bei einer Social-Bookmarking-Website anmelden, können dort Link-Listen einstellen. Damit andere Benutzer die Links auch finden, müssen die Webverweise mit Schlagwörtern, so genannten „Tags“, ausgestattet werden. Optional kann man die Links zusätzlich kommentieren und damit die speziellen Vorteile der Site herauszustreichen – ganz genau so, wie dies Freunde im wirklichen Leben auch tun würden.

Eine Social-Bookmarking-Website mit vielen Nutzern lässt sich dann wie ein Webverzeichnis nutzen, d.h. man sucht mithilfe von Schlagwörtern („Telefon Tarifvergleich“, „Karte Hamburg“). Die angezeigten Ergebnisse hängen allerdings davon ab, wie viele Nutzer die entsprechenden Schlagworte bei den von ihnen eingestellten Seiten verwendet haben. Im Gegensatz zu einer Suchmaschine erhält man also manuell generierte Ergebnisse, und im Gegensatz zu manchem normalen Webverzeichnis steckt nicht eine Handvoll gelangweilter oder überforderter Praktikanten dahinter, sondern die Auswahl wird von einer enormen Masse unermüdlicher Websurfer bestimmt.

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe verschiedener Social-Bookmarking-Websites. Für den passiven Anwender, der solche Sites als Verzeichnis benutzt, ist vor allem wichtig, dass sie möglichst viele Nutzer hat: Je mehr Menschen mitarbeiten, desto schneller kommen interessante Websites in Umlauf (die dann auch von anderen entdeckt, gebookmarkt und damit in der Hierarchie nach oben gebracht werden). Außerdem haben Betrüger, die nur ihre eigenen Sites bewerben wollen, viel weniger Chancen, wenn sie mit Abertausenden echter Nutzer konkurrieren müssen.

Insofern heißt die Website der Wahl del.icio.us, die älteste und größte Social-Bookmarking-Website. Für speziell deutsche Themen kann es sich auch lohnen, bei Mister Wong vorbeizusehen.

Bookmarks mit Potenzial

Wer eine solche Website aktiv nutzen will, sollte sich Gedanken darüber machen, welche Möglichkeiten er dort jeweils hat. Ausgangspunkt und Maßstab sollte dabei stets del.icio.us sein, denn dieser Klassiker hat den Vorteil der schieren Menge an Nutzern auf seiner Seite. Das heißt: Nur solche Sites, die zusätzliche Funktionen bieten, kommen überhaupt in Frage.

Die TOP 10 im Social Bookmarking
Diese zehn Treffer sind die besten, wenn es um kommentierte Link-Empfehlungen im Web geht:

  • Del.icio.us | Del.icio.us selbst bietet neben der bereits erklärten Grundfunktionalität die Möglichkeit, RSS-Feeds für bestimmte Tags zu abonnieren; auch wird die Verwaltung durch Browser-Plugins für Internet Explorer und für Firefox vereinfacht.
  • Mister Wong | Die deutsche Site Mister Wong zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie deutschsprachig ist. Das mag für den einen ein Vorteil sein, für den anderen, der vielleicht auch oder gerade fremdsprachige Links nutzen will, eher ein Nachteil. (Der Start des USA-Ablegers hat bereits dazu geführt, dass die Site nach Protesten ihr Logo ändern musste.) In jedem Fall ist die Oberfläche sehr übersichtlich, und die Gruppenfunktionen sind elegant gelöst.
  • Furl | Die amerikanische Site Furl hat als Spezialfunktion die Möglichkeit, eine besuchte Webseite sofort bei Furl abzuspeichern. So etwas ist nicht zu unterschätzen: Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, dass ein früher angelegtes Bookmark heute nur noch zu einer Fehlermeldung führt?
  • Diigo | Die ebenfalls amerikanische Site diigo hat gleichfalls ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: Websites können mit Notizen versehen werden, ganz als würde man sie ausdrucken und mit einem Stift beschriften. Für viele Arten von Seiten mag das wenig sinnvoll sein – was sollte man etwa zu einem Telefontarifvergleich anmerken? –, aber bei textlastigen Angeboten, die man auswerten möchte, ist dies mit Sicherheit von großem Vorteil.
  • Ma.gnolia | Ma.gnolia ist ein weiterer Bookmarkdienst mit größerer Verbreitung. Die Site bietet zwar kaum mehr Features als der Marktführer del.icio.us, besticht aber mit einer hübschen Oberfläche.
  • Yahoo My Web | Yahoo My Web integriert Social Bookmarking in einen breiteren Kontext, nämlich den des Yahoo-Portals. Offiziell hat der Dienst noch Beta-Status, aber er ist bereits jetzt voll benutzbar.
  • BlinkList | BlinkList zeichnet sich durch seine innovative AJAX-Oberfläche aus. Diese Website verbindet also vorbildlich den sozialen mit dem technischen Web-2.0-Aspekt.
  • Wink | Wink ist ein kleiner, aber sehr cleverer Dienst. Was ihm an Größe fehlt, macht er dadurch wett, dass er sich mit einem del.icio.us-Account synchronisieren kann. Zusätzlich werden bei Suchen auch die del.icio.us-Ergebnisse abgefragt.
  • LinkARENA | Bei LinkARENA handelt es sich um einen weiteren deutschsprachigen Bookmarking-Dienst. Man setzt einen besonderen Akzent darauf, die Bookmarks auch für mobile Geräte verfügbar zu machen.
  • Simpy | Simpy hat eine teilweise deutsche Oberfläche und bietet zahlreiche Features, wird aber von weniger Surfern genutzt als andere Dienste.

Unsere zehn Spitzenreiter sind nur eine winzige Auswahl aus der Masse an Websites, die Social Bookmarking anbieten. Weil sich dieser Service relativ einfach programmieren lässt, die Anbieter keine immensen Hardware-Investitionen benötigen (wie etwa bei einem YouTube-Clone) und zudem der Platzhirsch del.icio.us durchaus Raum für Verbesserungen lässt, haben mehrere Dutzend Start-ups und Einzelkämpfer eigene Websites für Social Bookmarking eingerichtet.

Fazit: Kurz vor der kritischen Masse

Social Bookmarking dürfte eines der Web-2.0-Phänomene sein, bei dem die weitere Entwicklung erst noch interessant wird. Denn bislang fallen die Suchergebnisse für deutschsprachige Sites noch etwas dürftig aus. Weil das System desto besser wird, je mehr Leute sich beteiligen – und je präziser die Tags gesetzt sind –, klappt das Ganze momentan auf Englisch bereits sehr viel besser. In jedem Fall kann man die jeweils beliebtesten Links der Portale gut als eine Art Trendscout betrachten.

Wer sich selbst beteiligen möchte, wird finden, dass es ganz praktisch sein kann, seine eigenen Links von jedem Rechner aus zur Verfügung zu haben; sogar die Tags sind da sinnvoll, denn auf diese Weise findet man sich in seinen eigenen Lesezeichen auch noch zurecht, wenn man vergessen hat, weshalb man sich wohl „home page“ eingemerkt hatte. Beachtenswert ist außerdem der Seitenspeicherservice von Furl, der auch flüchtige Seiteninhalte für Empfehlungen festhält.

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