Klimaschutz in Entwicklungsländern kostengünstiger

Deutschland und andere Industrieländer können die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimaschutzes durch emissionssparende Investitionsprojekte in Entwicklungsländern deutlich senken. Berechnungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, zeigen, dass die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls durch diesen so genannten „Clean Development Mechanism“ weitaus günstiger erreicht werden können als durch Maßnahmen im eigenen Land. Auch die damit verbundenen Transaktionskosten und Investitionsrisiken wiegen die Vorteile nicht auf.

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Webcast Fortinet 28.5.2020

Die Industrienationen müssen ihre zukünftigen Klimaschutzziele nicht zwingend im eigenen Land erreichen. Für eine flexible Erreichung der vereinbarten Verringerung von Treibhausgasen erlaubt das Kioto-Protokoll Investitionen in „saubere“ Technologien (wie etwa erneuerbare Energieträger) in Entwicklungsländern. Die entsprechenden Emissionsminderungen werden dem investierenden Industrieland gutgeschrieben. Dies bezeichnet man in Anlehnung an Entwicklungshilfeinvestitionen als Clean Development Mechanism (CDM). Vor allem China, Indien und Brasilien haben bereits zahlreiche dieser umweltfreundlichen Investitionsprojekte angezogen.

Die CDM-Investitionen sind oftmals günstiger als Klimaschutzanstrengungen im eigenen Land, da in Industrieländern der Stand der Technik und die bereits umgesetzten Maßnahmen zum Klimaschutz viel weiter fortgeschritten sind als in Entwicklungsländern, wo mit neuen Umweltschutzmaßnahmen daher deutlich mehr Klimaschutz erreicht werden kann. Eine neue ZEW-Studie zeigt anhand von Simulationsrechnungen mit einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell der Weltwirtschaft, dass CDM-Investitionen die Kosten des Kioto-Protokolls im Jahr 2010 drastisch senken können.

Eine starke zukünftige Nutzung des CDM könnte allerdings durch Investitionsbarrieren beeinträchtigt werden. So entstehen bei der Projektaktivität so genannte Transaktionskosten, die etwa auf die Vertragsabwicklung, rechtliche Beratung oder langwierige Projektdokumentation zurückzuführen sind. Solche Transaktionskosten machen vor allem bei kleineren Projekten einen erheblichen Anteil aus. Gleichzeitig sind Projekte in geringer entwickelten Ländern oftmals mit Investitionsrisiken verbunden, die beispielsweise durch politische Instabilität oder Wechselkursschwankungen entstehen. Die ZEW-Studie verdeutlicht allerdings, dass Transaktionskosten und Investitionsrisiko zwar den Preis für Emissionszertifikate erhöhen, die makroökonomischen Kosten des Kioto-Protokolls aber nicht wesentlich beeinflussen.

Die (englischsprachige) Studie ist als ZEW Discussion Paper No. 07-026 erschienen und kann aus dem Internet kostenlos heruntergeladen werden. (ZEW/ml) ENGLISH