Deutsche Industrie wird 2009 schrumpfen

2009 wird die deutsche Industrieproduktion nach Meinung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin um 0,6% schrumpfen, ein härterer Einschnitt dürfte jedoch ausbleiben. Zu den Hauptursachen werden voraussichtlich die Absatzflaute der Automobilindustrie und Nachfragerückgänge in Schlüsselbranchen wie der chemischen Industrie oder dem Maschinenbau zählen. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 sei aber wieder mit einem Wachstum der Industrie zu rechnen, so die Prognose des DIW.

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Die insgesamt rückläufige Entwicklung müsse vor dem Hintergrund einer immer noch überdurchschnittlich hohen Kapazitätsauslastung in vielen Branchen gesehen werden. Von daher sei mit drastischen Einschnitten bei der Beschäftigung in der Industrie nicht zu rechnen, beruhigt das Institut. Auch lasse sich die absehbare Entwicklung in der Industrie nicht 1:1 auf die Gesamtwirtschaft übertragen. „Die Gesamtwirtschaft kann sich 2009 positiver entwickeln, als wir es für die Industrie erwarten“, so DIW-Konjunkturexperte Dr. Stefan Kooths. „Voraussetzung ist, dass das Wachstum stärker vom privaten Konsum getragen wird.“

Das Institut erwarte derzeit keine gravierenden Folgen der Finanzmarktkrise für die deutsche Industrie. Anzeichen für eine Kreditklemme für die Realwirtschaft infolge der Finanzmarktkrise seien nicht zu erkennen. Es gebe auch keinen realen volkswirtschaftlichen Grund dafür, dass sich Banken bei der Kreditvergabe an deutsche Industrieunternehmen zurückhalten.

Parallel zur übrigen Industrie erwartet das DIW Berlin auch für die deutschen Autobauer für 2009 einen Produktionsrückgang. Mit rund 2,0% werde er aber deutlich glimpflicher ausfallen, als die derzeitige Stimmung erwarten lasse, so das DIW.

DIW-Konjunkturexperte Kooths warnt davor, die derzeitige Absatzkrise der Branche voreilig mit der Finanzmarktkrise in Verbindung zu bringen. „Das eine hat mit dem anderen im Moment sehr wenig zu tun,“ so Kooths. „Es wäre deshalb auch unsinnig, die strukturellen Probleme der Branche mit Konjunkturprogrammen zu bekämpfen – das verhindert eher notwendige Strukturanpassungen bei Kapazitäten und Modellen.“ Eine zügige und verlässliche Neuregelung der Kfz-Besteuerung sei die wirksamste Maßnahme, um der Kaufzurückhaltung entgegenzuwirken.

Die Prognosen entstanden im Rahmen der diesjährigen Industrietagung des DIW. Auf der Tagung kommen einmal pro Jahr Chefvolkswirte aus den führenden Branchenverbänden zusammen, um über die Konjunkturaussichten der deutschen Industrie zu beraten. In diesem Jahr stand die Automobilindustrie im Mittelpunkt der Tagung.

(DIW/ml)