Hochkarätiger Expertenblick auf die Auslöser der Krise

Download der Publikation
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Es begann mit der harmlosen Nachricht über faule private Hauskredite im fernen Amerika und endete innerhalb weniger Monate in einem Wirtschaftsdesaster für die halbe Welt. Was sind die Ursachen dieser Entwicklung? Theorien gibt es viele. Wahrscheinlich wird es aber noch mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis die Ereignisse wissenschaftlich einigermaßen aufgearbeitet sein werden. Die Expertendiskussion ist indes in vollem Gang. Einblicke in diese Diskussion präsentiert die Ausgabe 4/2008 der Publikation „CESifo Forum“ des Münchner ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Die hochinteressante, komplette (englischsprachige) Ausgabe steht als kostenloser Download zur Verfügung.

Als Ursache der Wirtschaftskrise dienen je nach Neigung des jeweiligen Analysten unmoralisch handelnde Kreditmakler, naive Hausbesitzer, schlecht informierte Investoren, Informationsdefizite zwischen Händlern und Banken, Interessenkonflikte der Ratingagenturen u.v.m. Jeder Erklärungsversuch wiederum führt zu einem anderen Reformvorschlag: Regulierung der Banken und der Ratingagenturen, höhere Eigenkapitalanforderungen und stärkeres Risikobewusstsein der Banken oder eine adäquatere Geldpolitik. Die Orientierung in diesem Wust an Erklärungsversuchen und Vorschlägen fällt vielen Wirtschaftspraktikern daher schwer.

Zumindest wer ein Wirtschaftsstudium hinter sich gebracht hat, wird die aktuelle Ausgabe der ifo-Publikation „CESifo Forum“ deshalb zu schätzen wissen. In dieser Ausgabe der Zeitschrift haben hochkarätige Wirtschaftswissenschaftler ihre Sicht der Ursachen und Konsequenzen der Finanzmarktkrise zusammengetragen:

  • Für Barry Eichengreen, University of California at Berkeley, ist die Überarbeitung des Basel-II-Abkommens eine von zwei Reformansätzen. Die Eigenkapitalanforderungen international agierender Banken dürfen aus seiner Sicht nicht nur nach bankinternen Risikobewertungsmodellen ausgerichtet, sondern mit der früheren Basel I-Methode (Anteil am Gesamtvermögen) verglichen werden. Als notwendiges Eigenkapital muss dann der höhere Anteil gewählt werden. Ein zweiter Reformvorschlag betont die Liquidität der Finanzierung und kritisiert die bisherige, zu einseitige Ausrichtung auf die Kursschwankungen der Anlagen.
  • Martin Hellwig, Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, erklärt, dass es bei der Finanzkrise um mehr geht als nur um die Fehlspekulationen bei US-amerikanischen Schrotthypotheken, nämlich um Fehlverhalten von Marktteilnehmern und Systemfehler. Der Ansatz der Politik, die Finanzaufsicht auszuweiten und zu stärken verkennt aus Sicht Hellwigs die Tatsache, dass das bisherige System der Bankenaufsicht zur Dynamik der Abwärtsspirale in der Krise beigetragen hat. „Wenn man Wiederholungen dieses Experiments verhindern will, muss man die konzeptionellen Grundlagen der Bankenregulierung grundsätzlich überdenken“, erklärt Hellwig.
  • Nach ifo-Präsident Hans-Werner Sinn muss sich die Politik nun endlich der Aufgabe stellen, die gesetzliche Haftungsbeschränkung der Kapitalgesellschaft zu definieren, indem sie strenge Mindestanforderungen für Eigenkapitalunterlegungen bei den verschiedenen Geschäftstypen der Banken festlegt – sowohl in Amerika als auch in Europa. Strengere Vorschriften sind aus seiner Sicht kein Nachteil für die Wirtschaft. Eigenkapital, dessen Verwendung man damit erzwingt, ist volkswirtschaftlich nicht teurer als Fremdkapital, wie die Lasten, die nun auf den amerikanischen Staat zukommen, beweisen. Auf diese Weise kann auch keine Knappheit an Finanzierungsmitteln entstehen, denn die Ersparnis der Welt reicht unabhängig von solchen Vorschriften gerade aus, die Investitionen zu finanzieren, erläutert Sinn.

(ifo/ml)

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