Junge Manager klagen über Wertedefizite

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Junge deutsche Führungskräfte halten eine hohe Wertekultur in Unternehmen für immer wichtiger, auch und gerade in der gegenwärtigen Krise. Sie erkennen, dass derartige Werte – wenn sie denn umgesetzt werden – in der Krise ein Unternehmen stabilisieren. Aber selbst Unternehmen, in denen ein Wertekanon verkündet wurde, erfüllen die daran geknüpften Erwartungen der jungen Manager selten. Vor allem größere und große Unternehmen lassen häufig den Willen zur Umsetzung vermissen. Das ergab eine Umfrage im Rahmen der Studie „Führungskräftebefragung 2009“.

Die Studie wurde von der Wertekommission – Initiative für Werte Bewusste Führung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Managerverband erarbeitet. Befragt wurden bundesweit mehr als 500 Führungskräfte im Alter von 26 bis 40 Jahren.

„Viele Manager haben in der Krise erkannt, dass eine Werteorientierung hilft, in schwierigen Zeiten Kurs zu halten, und die Mitarbeiter glaubwürdig zu motivieren“, begründet Professor Dr. Burkhard Schwenker vom Kuratorium der Wertekommission die erstaunlichen Ergebnisse. „Besonders die jungen Führungskräfte fordern Werte im Management ein – die Unternehmen tun gut daran, diesen Wunsch zu erfüllen.“

Bundesweit ist der Anteil der Unternehmen, die über einen formal festgelegten und intern kommunizierten Wertekanon verfügen, gegenüber der ersten Führungskräftebefragung der Wertekommission aus dem Jahr 2007 zwar weiter auf nunmehr fast 80 % gestiegen. In der Umsetzung klafft nach Wahrnehmung der Befragten allerdings eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Mehr als zwei Drittel der jungen Führungskräfte erleben keine werteorientierte Führung durch das Topmanagement. Immerhin fast 40 % der Befragten sagen, ihre Unternehmen bezögen sich nur aus Marketinggründen auf Werte.

Die Skepsis bezieht sich insbesondere auf die Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit, mit der Unternehmensleitungen die Implementierung von Werten betreiben. Aus Sicht von mehr als der Hälfte der jungen Führungskräfte sind Managemententscheidungen nicht transparent, sauber dokumentiert und nachvollziehbar. Nur 16 % der Befragten geben an, Führungskräfte würden in ihrer Leistungsbeurteilung daran gemessen, wie sie die Unternehmenswerte umsetzen. Ganze 10 % erleben, regelmäßig auf die jeweiligen Unternehmenswerte aufmerksam gemacht zu werden. Werte als Maßstäbe in Konfliktfällen – darauf vertrauen in ihren Unternehmen lediglich 8 %. Durchgängig fehlen den Teilnehmern der Studie Strukturen für die Durchsetzung von Unternehmenswerten.

Als wichtigste Werte im Management mahnen junge Führungskräfte Vertrauen und Ehrlichkeit an. Daneben spielt auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegenüber der ersten Befragung 2007 eine noch wichtigere Rolle. Die jungen Manager, das zeigt die Befragung, wollen immer weniger „Politik“ im Unternehmen; sie wollen nicht einen großen Teil ihrer Arbeitskraft an Ränke, Intrigen, Taktieren und das Rätseln über die Strategie des Unternehmens verschwenden. Werte sind für sie die Basis, auf der sie sich in Ruhe auf ihre Arbeit und ihr Geschäft konzentrieren können.

„Für das Topmanagement der Unternehmen ist die zunehmende Werteorientierung ihrer jüngeren Führungskräfte eine echte Herausforderung“, so Vorstandsvorsitzender der Wertekommission, Sven Korndörffer. „Klar ist, dass ein neuer Standard für Unternehmenswerte entsteht: Gefragt sind nicht mehr lockere, frei interpretierbare Absichtserklärungen, sondern verbindliche, belastbare und berechenbare Abmachungen. Werte sind aus Sicht junger Führungskräfte längst kein weicher Faktor bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes mehr. Sie sind vielmehr ein hartes Kriterium für die Beurteilung des eigenen Unternehmens geworden.“

Informationen zur Wertediskussion im Führungsbereich bietet die Website der Komission. Die Ergebnisse der Studie im Format einer PDF-Broschüre stehen als kostenloser Download online zur Verfügung.

(ots/ml)