Reiche Rohstoffländer keineswegs ausgabefreudig

Exportentwicklung der Metall- und Eletroindustrie
Exportentwicklung der Metall- und Eletroindustrie

Die rohstoffreichen Länder drehen kräftig an der Preisschraube und geben das viele zusätzliche Geld anschließend für unsere deutschen Exportwaren wieder aus? Schön wär’s, aber das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kommt zu anderen Ergebnissen. Lediglich einige wenige Branchen profitierten bisher vom Reichtum der Rohstoffgiganten – und auch das nur in Maßen. Von 2004 bis Mitte 2008 haben die Preise für Öl, Erdgas, Eisenerz und viele andere Rohstoffe einen wahren Höhenflug hingelegt. Erst im Sommer 2008 ging es im Zuge der Wirtschaftskrise wieder bergab. Vergleicht man nun die Entwicklung der Exporte in die rohstoffreichen Länder im Zeitraum von 1995 bis 2004 mit jener zwischen 2005 und 2009, dann kann man über die Exportveränderungen den Rückfluss der Mehrausgaben für die verteuerten Rohstoffe abschätzen.

Mit diesem Ansatz kam eine Studie des IW in Köln zu ernüchternden Ergenissen. Die deutschen Warenexporte in die rohstoffreichen Länder stiegen seit Beginn der Preishöhenflüge um jahresdurchschnittlich 10,4 % – im Vergleichszeitraum von 1995 bis 2004 nahmen sie allerdings mit der gleichen Rate zu. Auch ein Vergleich mit den Exporten in die restlichen Länder zeigt, dass die rohstoffreichen Länder keineswegs einkaufsfreudiger als rohstoffarme Länder sind.

Auch eine besondere Betrachtung der für den deutschen Export wichtigen Exporte der Metall- und Elektroindustrie (24 % der deutschen M+E-Exporte gehen in rohstoffreiche Länder) enttäuscht: Zwar profitierten einzelne Sparten der M+E-Industrie während der Zeit der hohen Rohstoffpreise zwischen 2004 und 2007 besonders von der Kauflust der Ressourcenländer. So konnten z. B. Betriebe der Metallerzeugung ihre Exporte um jahresdurchschnittlich 17 Prozent ausweiten. Im Vergleich dazu betrug der Zuwachs in den Jahren von 1995 bis 2004 nur 7,8 Prozent pro Jahr. Aber mit den steigenden Rohstoffpreisen stiegen im gleichen Zeitraum auch die Gestehungskosten und Vorleistungen der Hersteller.

Neben der Metallerzeugung konnte zudem nur noch der Maschinenbau sein Auslandsgeschäft ausbauen. Hier stiegen zwischen 2004 und 2007 die Exporte in die Rohstoffländer mit fast 10 % jährlich – gut 1 Prozentpunkt stärker als sonst. Im Gegenzug hatten jedoch die Elektroindustrie und der Fahrzeugbau das Nachsehen. Beide Branchen verbuchten seit 2004 fast 2 Prozentpunkte niedrigere Wachstumsraten als im Vergleichszeitraum davor.

So fällt auch insgesamt die Bilanz für die M+E-Industrie relativ nüchtern aus: Während die M+E-Exporte in die Rohstoffländer zwischen 1995 und 2004 im Jahresmittel um 10,2 Prozent kletterten, lag der jahresdurchschnittliche Zuwachs zu Zeiten des Rohstoffbooms um nur 0,2 Prozentpunkte höher. Allerdings entwickelte sich der Export in die rohstoffreichen Länder sehr unterschiedlich, wie die Grafik (s. o.) zeigt. Vor allem der Export nach Indien konnte profitieren, während jener in das wichtige Rohstoffland USA kaum zunahm, und die Ölländer Iran und Kuwait sogar Kaufzurückhaltung übten.

Das Institutsperiodikum „IW Trends“, Ausgabe 2/2009 mit einer ausführlichen Analyse steht als kostenloser Download zur Verfügung.

(IW/ml)