Milder Konsumherbst trotz scharfer Gegenwinde

Entwicklung des GfK-Konsumklimaindex bis Oktober 2009
Entwicklung des GfK-Konsumklimaindex bis Oktober 2009

Ungeachtet der schweren Krise bleibt den Deutschen die Konsumlaune erhalten. Auch für den Oktober prognostiziert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Gelassenheit auf Konsumentenseite. Neben dem Konsumklimaindex legen auch die Indizes für die Konjunktur- und Ein­kom­mens­er­war­tung sowie der Index für die An­schaf­fungs­nei­gung zu. Der Gesamtindikator prognostiziert nach revidiert 3,8 Punkten im September für Oktober einen Wert von 4,3 Punkten.

Die zahlreichen Meldungen der letzten Wochen, wonach die Konjunktur weniger stark eingebrochen sei als noch vor einigen Monaten befürchtet, lässt die Konsumenten zunehmend optimistischer in die Zukunft blicken.

Die Konjunkturerwartungen der Bundesbürger setzen ihren Anstieg aus dem Rezessionstief vom Jahresanfang auch im Herbst dieses Jahres fort. Der Indikator legt laut GfK im September sogar zweistellig um 10,9 Punkte zu. Mit einem aktuellen Wert von 3,4 Punkten überspringt der Indikator damit zum ersten Mal seit Juni 2008 wieder die Nulllinie und damit den langfristigen Durchschnittswert.

In der Wahrnehmung der Konsumenten setzt sich offenbar zunehmend die Erkenntnis durch, dass das „Schlimmste“ hinter ihnen liegt und sie wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken können. Als Bestätigung werden mehrere Aufwärtskorrekturen von Konjunkturprognosen renommierter Institute betrachtet. Zudem gehen Experten inzwischen davon aus, dass der Arbeitsmarkt weniger dramatisch einbrechen wird als noch vor einigen Monaten befürchtet. Auch die Unternehmer beurteilen die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland zunehmend positiv, wie der ifo Geschäftsklimaindex beweist.

Die Einkommenserwartungen der Verbraucher legen im September bereits zum vierten Mal in Folge zu. Mit einem Plus von 7,2 Punkten fällt der Anstieg wiederum deutlich aus. Aktuell weist der Indikator 16 Punkte auf. Ein höherer Wert wurde zuletzt im Juli 2007 gemessen.

Neben den Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket II, die zu Entlastungen der privaten Haushalte führen, wirkt vor allem die derzeit extrem niedrige Inflation belebend auf die Einkommensaussichten der Konsumenten.

Die bereits erstaunlich hohe Anschaffungsneigung konnte im September ebenfalls noch einmal zulegen. Mit einem Plus von 5,4 Punkten steigt der Indikator auf 36,5 Zähler. Das ergibt unter dem Strich Im Vorjahresvergleich sogar einen Anstieg um knapp 50 Punkte.

Da die Preiserwartungen der Verbraucher nach wie vor auf einem historisch niedrigen Niveau sind, stützt dies die Konsumneigung der Verbraucher. Dieser Zusammenhang zwischen Preisentwicklung und Anschaffungsneigung wurde in der Vergangenheit immer wieder beobachtet.

GfK-Konsumklima-Tabelle

Der Gesamtindikator prognostiziert für Oktober einen Wert von 4,3 Punkten nach revidiert 3,8 Zählern im September. Das Konsumklima legt damit weiter zu. Im längerfristigen Vergleich ist das Niveau des Indikators jedoch vergleichsweise niedrig. So liegt der Durchschnittswert seit der Wiedervereinigung bei 9 Punkten und damit deutlich über dem aktuell ermittelten Stand.

Damit bleibt der private Konsum in diesem Jahr die wesentliche Stütze der deutschen Wirtschaft, denn bei Investitionen und Exporten wird 2009 ein dickes Minus stehen. Allerdings entscheidet die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt darüber, ob die Binnennachfrage diese Funktion auch weiterhin erfüllen kann. Sollte sich die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten stark erhöhen, wird dies auch die Konsumenten belasten und das Konsumklima schwächen.

(GfK/ml)

Hintergrund der einzelnen Indikatoren:

  • Konjunkturerwartung: Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: “Was glauben Sie, wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?” (verbessern – gleich bleiben – verschlechtern)
  • Einkommenserwartung: Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: “Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die finanzielle Lage Ihres Haushalts in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?” (verbessern – gleich bleiben – verschlechtern)
  • Anschaffungsneigung: Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: “Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?” (Der Augenblick ist günstig – weder günstig noch ungünstig – ungünstig)
  • Konsumklima: Dieser Indikator soll die Entwicklung des privaten Verbrauchs erklären. Seine wesentlichen Einflussfaktoren sind die Einkommenserwartung, die Anschaffungs- und die Sparneigung. Die Konjunkturerwartung wirkt eher indirekt über die Einkommenserwartung auf das Konsumklima

Die genannten Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie “GfK-Konsumklima MAXX” und basieren auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 erhoben.