Griechenland-Krise
Tourismus-Netzwerker mahnt Branche zur Solidarität

Prof. Dr. Adrian von Dörnberg
Prof. Dr. Adrian von Dörnberg

Die Finanzkrise und der drohende Staatsbankrott in Griechenland werde die europäische und deutsche Reiseindustrie vor Heraus­for­derungen von bislang ungekanntem Ausmaß stellen, befürchtet der Travel Industry Club, in dem sich Führungskräfte aus allen Berei­chen der Touristikbranche vernetzt haben. Die Finanzmisere in Grie­chen­land habe das Potenzial, einen Flächenbrand auszulösen, glaubt Präsidiumsmitglied Dr. Adrian von Dörnberg, Professor und Lehrstuhlinhaber für Allgemeine BWL und Touristik an der Hoch­schule Worms. Es bestehe sogar die Gefahr, dass die sich abzeich­nende Erholung der Weltwirtschaft von der Grie­chen­land-Krise im Keim erstickt werde.

„Wir haben nicht den Eindruck, als ob die Politik derzeit ausreichend über die Folgen aufklärt, die aktuell von der Situation in Griechenland für die deutsche Volkswirtschaft, die Bundesbürger und somit auch für die Reiseindustrie ausgehen“, kritisiert der Ökonom die Politik.

An die Adresse des griechischen Tourismus Ministeriums gerichtet, fordert von Dörnberg eine schnelle und umfassende Marketing-Initiative in Deutschland und mahnt auch gleich: „Hier bedarf es allerdings mehr als einer reinen Preiskampagne. Das populäre Urlaubsland Griechenland hat in der laufenden Diskussion über die Finanzhilfen in den zurückliegenden Wochen bereits einen enormen Imageschaden erlitten.“

Alarmierend seien in diesem Zusammenhang die jüngsten Daten aus den Erhebungen des Marktforschungsinstitutes GfK, wonach die Griechenland-Buchungen in deutschen Reisebüros im April 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12 % eingeknickt seien. Von Dörnberg verärgert: „Die Kritik an der deutschen Staatshilfe für Griechenland und die Reaktion der griechischen Bevölkerung an den drastischen Einsparungen durch Streiks hat die Meinungshoheit an den deutschen Stammtischen bereits erreicht. Und die Vorzeichen für einen weiteren möglichen Imageverlust mehren sich.“ Der Ökonom fordert aber auch: „Die Reiseindustrie in Griechenland wird selbst einen entschiedenen Beitrag zu leisten haben, um gegenüber anderen Mittelmeerdestinationen wieder konkurrenzfähig zu werden.“ Er kritisiert, schon seit Jahren sei das Preis-Leistungsverhältnis nicht in Ordnung und Griechenland als Reiseland zu teuer.

Von Dörnberg warnt, der Brand könnte sich zeitnah auf die klassischen Reiseländer wie Irland und Portugal, aber vor allem auch auf Italien und Spanien ausbreiten, deshalb müsse durch die Reiseindustrie jetzt ein Ruck der Solidarität gehen, um diesen Ländern beizustehen.

(Travel Industry Club/ml)