Konjunktur
Vertrauen in Aufschwung steigt, Sorge um Euro auch

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Die Stimmung in der Wirtschaft ist derzeit gespalten. Einer­seits nimmt das Vertrauen in die konjunkturelle Genesung Deutschlands zu. So bewerten 61 % der Unternehmen ihre Lage positiv – im Februar dieses Jahres lag der Anteil noch bei lediglich 49 %. Eine weitere Verbesserung im Verlauf des kommenden Jahres erwarten derzeit sogar 68 %. Gleich­zeitig steigt aber auch die Sorge um die Zukunft des Euro angesichts der hohen Staatsverschuldung und der Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Das ergab eine Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 700 Unternehmen in Deutschland. Auf dieser Umfrage basiert die vierte Ausgabe des Ernst & Young Vertrauensindex, mit dem einmal pro Quartal die Entwicklung des Vertrauens in der deutschen Wirtschaft untersucht wird.

Wie der Index weiter zeigt, klagen über eine schlechte Situation aktuell nur noch 9 % der Betriebe – im Februar lag der Anteil noch bei 19 %. Nach Angaben von Ernst & Young hat sich die Lage über alle Branchen hinweg verbessert, am stärksten bei Industrieunternehmen, wo der Anteil der Positivbewertungen von 46 auf 62 % stieg. Auch mittel- und langfristig sehen die Manager einen klaren Aufwärtstrend: Jeder zweite Befragte erwartet eine weitere Verbesserung der Geschäftslage innerhalb der kommenden drei Monate. Auf 12-Monats-Sicht steigt der Anteil der Optimisten sogar auf 68 %.

Die deutsche Wirtschaft habe sich überraschend schnell erholt, von negativen Auswirkungen der Eurokrise sei derzeit wenig zu spüren, so Georg Graf Waldersee, Managing Partner bei Ernst & Young. Der niedrige Euro verleihe der Exportwirtschaft sogar zusätzliche Impulse. So stark Deutschland unter dem Einbruch der weltweiten Nachfrage auch gelitten habe – jetzt profitiere es ebenso stark vom Anziehen der Exporte.

Dennoch sei die konjunkturelle Situation noch von Unsicherheit geprägt, so Waldersee. „Für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Das Fundament des aktuellen Aufschwungs ist noch instabil.“ Der Grund ist die Sorge vor negativen Auswirkungen der Schuldenkrise auf die Konjunktur. Immerhin 62 % der befragten Manager befürchten, dass die Eurokrise den Aufschwung in Deutschland gefährden könne. Und dass der von der Europäischen Union beschlossene 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm die Krise beenden könne, bezweifeln nahezu zwei Drittel der Manager (63 %).

Im Zuge der Diskussion über die hohe Staatsverschuldung in der Eurozone ist auch das Vertrauen in den Euro deutlich gesunken: Nur noch 66 % der Befragten haben mittleres bis sehr großes Vertrauen in den Euro – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei stolzen 90 %, im Februar immerhin noch bei 84 %.

Die anhaltende Nervosität an den Märkten könne sich zu einer ernsthaften Bedrohung für die konjunkturelle Erholung entwickeln, warnt Waldersee. Die Eurokrise habe die Erholung des Vertrauens gestoppt und setze nun ein großes Fragezeichen hinter den aktuellen Aufschwung.

Allerdings ergab die Umfrage auch, dass sich die Vertrauenskrise derzeit auf die europäische Gemeinschaftswährung sowie die handelnden Regierungen und Institutionen beschränkt. Die Realwirtschaft genießt dank der verbesserten Wirtschaftslage hingegen ein so großes Vertrauen wie seit Beginn der Erhebung Mitte 2009 nicht. Am höchsten geschätzt werden die Industrie, der Dienstleistungssektor sowie die Marktwirtschaft in Deutschland: 93, 90 bzw. 87 % der befragten Manager gaben für diese Bereiche ein positives Vertrauensvotum ab.

Am stärksten gestiegen ist das Vertrauen in den US-Dollar und das britische Pfund (+9 bzw. +5 Prozentpunkte), den Energiesektor und die Industrie (+4 bzw. +3). Stark gesunken ist das Vertrauen hingegen nicht nur in den Euro, sondern auch in den Zusammenhalt der Eurozone (-12) sowie in die Arbeit von Regulatoren/Aufsichtsbehörden (-8).

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass das Vertrauen der Unternehmen in die Finanzwirtschaft trotz eines leichten Zugewinns nach wie vor relativ schwach ausgeprägt ist und nur relativ langsam wieder steigt: Der Banken- und Versicherungssektor genießt derzeit das Vertrauen von 45 bzw. 66 Prozent der Befragten. Die aktuelle Eurokrise dürfte einer schnellen Wiederherstellung des Vertrauens kaum förderlich sein.

Die Ergebnisse der Umfrage stehen in Form einer Präsentation als kostenloser Download im Internet bereit.

(Ernst & Young / ml)